Kommentar: Werden wir integriert oder integrieren wir?

0

Kommentar

Sie müssen es sagen dürfen. Das sie Angst haben um den Wert ihrer Immobilien, soziale Brennpunkte und Unruhe im Viertel fürchten. Das gebietet der soziale Frieden. Sie verdienen Achtung dafür, dass sie den Mut haben, es so zu sagen. Aber sie müssen sich auch sagen lassen, was die andere Seite der Medaille ist. Auch das gebietet der soziale Frieden in diesem Land.

Ahrensburg muss Flüchtlinge aufnehmen, das ist nicht die Entscheidung der Stadt, des Kreises oder des Landes. Ja, nicht einmal wirklich die Entscheidung des Bundes, denn die Flüchtlinge kommen aus Krisengebieten dieser ganzen Welt. Und ja, es gibt Probleme mit Flüchtlingen in diesem Land, dort, wo die Integration nicht gelingt. Und besonders dort, wo diese Integration eben nicht gelingt, weil die Flüchtlinge sich dieser verschließen und unsere Werte nicht als ihre erachten. Davor kann und muss man Angst haben.

Kommentar zu dem Beitrag: „Flüchtlingsunterkunft im Kamp: Entscheidung vertagt / Informationsveranstaltung geplant

Ahrensburg möchte einen anderen Weg gehen. Die Stadt hat glaubhaft geschildert, dass die Unterbringung der Menschen auf eine Weise erfolgt, die einer Integration bestmöglich den Weg öffnet. Ahrensburg schafft es sogar im Einvernehmen mit dem Kreis, mit dieser Politik hauptsächlich Familien in die Schlossstadt zu holen. Weil sie, so heißt es, leichter zu integrieren sind, als Einzelpersonen. Man sollte sich auch mal den Kopf darüber zerbrechen, was das eigentlich bedeutet. Nämlich dass die viel beschworenen allein reisenden Männer irgendwo anders untergebracht werden müssen. In Glinde zum Beispiel.

Dass die Stadt tatsächlich einen anderen Weg geht, zeigt der Freundeskreis für Flüchtlinge. Er hat glaubhaft versichert, dass eine Integration gelingen kann, 60 Familienpaten kennen vermutlich 99 Prozent der Flüchtlinge persönlich. „Flüchtlinge sind Menschen wie Du und Ich“, sagte Dorothea Schmidt vom Freundeskreis für Flüchtlinge gestern auf der Sitzung. „Es bringt nichts, Flüchtlinge zu dämonisieren noch, sie zu idealisieren.“

Damit ist Ahrensburg eigentlich eine Insel der Glückseligen. Mit vielen Standorten von Flüchtlingswohnungen ohne wesentliche und schon gar keine öffentliche Problematik. In allen Vierteln dieser Stadt. Mit sehr vielen engagierten Menschen, die sich in ihrer Freizeit der schwierigen Lebensläufe der Flüchtlinge annehmen.

Der Kamp kann sich nun entscheiden, ob er diesen integrativen Weg mitgehen möchte. Wertverlust der Immobilie ist ein Argument, das gerade mal bis zum eigenen Zaun reicht. Und vielleicht für Frieden im Kamp sorgte, dafür in der Stadt aber Unfrieden stiften kann. Sich einer Aufgabe zu stellen, die alle in diesem Land haben, ist auch ein Wert. Dies besser zu tun, als andere Städte, vielleicht sogar ein Mehrwert.

Aber: Sozialen Frieden gibt es nur, wenn sich keiner übergangen fühlt. Der Kamp – in dem nicht alle gegen die Errichtung der Flüchtlingsunterkünfte sind – hat also zunächst einmal die Aufgabe, sich selber zu integrieren. Allen Stimmen ihren Raum zu geben. Auch denen, die sauer sind, weil ihnen mal ein Jugendzentrum versprochen worden ist. Nur so kann aus einem passiven „es müssen Menschen integriert werden“ ein aktives „wir integrieren“ werden. Wie sagte es ein junger Mann auf der Sitzung? „Es liegt doch eigentlich an uns.“ Genau.

Monika Veeh, Herausgeberin ahrensburg24.de

image_pdfimage_print
Teilen.

Kommentieren