Streik in den Kitas: „Einfach mal auflehnen und dagegen zu sein“

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Lesermeinung zum Streik in den Kindertagesstätten “Kita-Streik in der Region: Die Eltern ächzen unter der Last” von Lisa Ivanovski, Großhansdorf

Die Situation wird mit jedem Streiktag und mit jeder Streikwoche schwieriger. Die Kinder sind verunsichert, der Tagesablauf durcheinander. Die Kinder verstehen nicht, warum sie nicht in den Kindergarten gehen dürfen und dies zu erklären, fällt immer schwerer. „Wann können wir endlich wieder im Kindergarten mit unseren Freunden spielen, Mama?“, „Wann kann ich endlich den anderen Mädchen meinen neuen Haarreifen zeigen, Mama?“, „Warum ist der Kindergarten zu und du musst trotzdem arbeiten, Mama?“.

Hier Antworten zu finden fällt nicht leicht. Die Kinder sind herausgerissen aus ihrer normalen Struktur, schlafen schlecht, träumen und ich frage mich wirklich, warum ein Streit um Geld auf dem Rücken von so kleinen Kindern ausgetragen wird. Wo ist hier der pädagogische Mehrwert?

Wir haben glücklicherweise die Großeltern in der Nähe und der Tagesmütterverein Ahrensburg unterstützt tatkräftig bei der Betreuung. Trotz allem sind die Kinder jede Woche woanders und dies trägt nicht gerade zum Wohlbefinden bei. Sollte der Streik bald  beendet sein, stehen uns immer noch die Sommerferien bevor, wo wir die Schließungszeit des Kindergartens überbrücken müssen. Wenn beide Eltern voll berufstätig sind, ist die momentane Koordination eine Herausforderung, die fast unlösbar ist.

Was der Streik finanziell für uns bedeutet, lässt sich noch nicht abschließend einschätzen. Derzeit warten wir darauf, ob die Gemeinde tatsächlich dabei bleibt, dass wir die Kindergartengebühren nicht erstattet bekommen, obwohl der Kindergarten geschlossen ist.

Unsere Kinder sind zwar „schon“ vier Jahre alt, dennoch ist die Betreuungssituation ein Unding. Kinder sind ja keine Roboter, die man einfach abstellt, wo es einem passt. Sie brauchen Kontinuität, Struktur, Verlässlichkeit. Wir haben Zwillinge und mussten zwei Jahre lang auf Plätze für die Betreuung warten.

Nun haben wir endlich seit Ende letzten Jahres zwei Plätze in einem Kindergarten und dieser wird nun bestreikt. Ich frage mich manchmal wirklich, warum jene, die Arbeiten wollen und Arbeiten gehen, noch zusätzlich derart belastet werden.

Der Streik belastet die Falschen. Jene, die wirklich darunter leiden, sind 1-6-jährige Kinder und berufstätige Eltern. Wo ist hier der Mehrwert?

Streiks scheinen momentan voll im Trend zu sein: DHL, die Deutsche Post, die Bahn, die Erzieher/innen – alle streiken. Wer wird als nächstes streiken? Es wird schnell der Eindruck erweckt, „einfach mal auflehnen und dagegen zu sein“ trage zu irgendetwas bei. Wie kann man dies propagieren?

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2 Kommentare

  1. Liebe Frau Heinrich,

    letztlich haben die organisierten Arbeitnehmer nur die Möglichkeit des Streiks. Das ist auch gut und richtig so. Wenn sie den Gewerkschaften keine Möglichkeit bieten, Druck auf die Arbeitgeberseite auszuüben, dann werden diese sich auch nicht bewegen. Warum sollten sie das auch? Natürlich hat es in letzter Zeit vermehrt Streiks gegeben, aber das lässt ja durchaus auch einen Blick auf die Haltung der Arbeitgeber zu. Diese sind natürlich immer gegen Lohnerhöhungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Das liegt wohl auch in der Sache und ist nicht verwunderlich. Und letztlich sind Streiks auch Bestandteil einer demokratischen Kultur. Dieses Recht kann nicht mal eben eingeschränkt werden, nur weil es für eine große Zahl von Menschen unbequem ist, ihre Kinder „abgeben“ zu können um dann selbst zum Geldverdienen zu fahren (um da dann beim Chef um eine Gehaltserhöhung zu bitten, weil ja die KITA-Gebühren so gestiegen sind….). Wenn schon „Tarifparteien“, dann aber auch auf Augenhöhe und mit den entsprechenden Mitteln der Durchsetzung ausgestattet.

    Übrigens: Ich bin kein Gewerkschaftsmitglied und gehöre auch nicht den „Spezialdemokraten“ oder einer anderen politisch linken Organisation an.

  2. Sabine Heinrich on

    Hatte ich zunächst sehr großes Verständnis für die streikenden Erzieherinnen und Erzieher, ist inzwischen nichts mehr davon übrig. Glücklicherweise selbst nicht betroffen, sehe ich aber in meinem Umfeld, in welche Notlagen viele Eltern gedrängt werden.
    Ich gehe einfach einmal davon aus, dass viele der Streikenden den Streik eigentlich nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren können, sich aber dem Druck von Seiten der Gewerkschaften und auch Kolleginnen und Kollegen nicht widersetzen können, weil sie dann schnell ins Abseits gerückt würden. Fast jeder Mensch hat heutzutage einmal gelernt, wie schnell das geht!
    Ich verstehe nicht, warum sich nach einem Warnstreik die betroffenen Parteien nicht zusammensetzen und eine verträgliche Lösung finden.
    Früher gab es auch Streiks – und ich bin froh, dass es bei uns dieses Instrument gibt, um berechtigte Forderungen zumindest teilweise durchzusetzen – aber inzwischen habe ich den Eindruck, dass dieses Mittel gnadenlos in geradezu erpresserischer Weise benutzt wird, um ohne jede Rücksicht auf Millionen betroffener Mitmenschen eigene Interessen durchzusetzen.
    Hier geht es m.E. nur noch um die Demonstration von Macht von Seiten der Gewerkschaften und ihrer abgehobenen Bosse, die aufgrund üppiger Gehälter keinen Streik, von dem auch sie betroffen wären, fürchten müssen, da es mit Geld für alles eine Lösung gibt.
    Wenn die Erzieher weiter streiken (für 10%!!!) mehr Lohn, werden sie den großen Rückhalt, den sie in der Bevölkerung hatten (Ich schreibe schon bewusst in der Vergangenheitsform), verlieren – und Vertrauen obendrein.
    Man wird ihnen in Zukunft sehr genau auf die Finger sehen, und sie werden sich wundern, was dann erst für Anforderungen von Seiten der Eltern an sie gestellt werden!

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