Kabarettist Jürgen Becker in Ahrensburg: Kunst und die Erhaltung der Art

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Ahrensburg (ve). Zweieinhalb Stunden lang referierte der Kabarettist Jürgen Becker gestern über Kunst und Kultur, über Religion und Rechtschaffenheit. Und dann setzte er selber seiner Show ein Ende, dass all‘ dies durch den Kakao, nein – besser durch das Kölsch-Glas zog: Mit einer Runde Frei-Kölsch für den Saal. Die Stimmung war sofort da, wo man sie sonst im Marstall seltenst erlebt.

Der Kabarettist Jürgen Becker mit seinem Programm "Der Künstler ist anwesend" im Ahrensburger Marstall: Zum Schluss gab es Frei-Kölsch für alle. Und das erwies sich im kühlen Norden als sehr gute Idee.

Der Kabarettist Jürgen Becker mit seinem Programm „Der Künstler ist anwesend“ im Ahrensburger Marstall: Zum Schluss gab es Frei-Kölsch für alle. Und das erwies sich im kühlen Norden als sehr gute Idee.

Das ist einfach rheinische Frohnatur, die plötzlich auch im Marstall funktionierte. Wo sonst nach Ende einer Vorstellung der Stau vor der Ausfahrt auf der Lübecker Straße nicht schnell genug entstehen kann, standen plötzlich die Gäste im Saal fröhlich am Rande, klönten und lachten und hatten alle Zeit der Welt, den Abend noch eine Weile weiter gemeinsam zu feiern. Herr Becker: Könnten Sie dass bitte nicht als Konzept an den Marstall verkaufen, damit so etwas wieder passiert? Lachende Ahrensburger nach einem langen Referat über Kunst und Kultur?

Kunst und Religion

Obwohl – trocken war das Referat nun bei weitem nicht. Allenfalls trockener Humor – sehr trocken. Und sehr lehrreich. Gleichzeitig schlicht in seinen zwei zentralen Aussagen: „Kunst dient der Erhaltung der Art“ und „Kunst dient der Erschaffung der Welt“. Punkt. Sagt Jürgen Becker. In irgendeiner Form wird immer auf Potenz (des Künstlers) und Fruchtbarkeit (des betrachteten Gegenstandes) verwiesen. Zumindest seitdem die Kunst nicht mehr nur Vermittler religiöser oder höfischer Inhalte war.

Der Kabarettist Jürgen Becker mit seinem Programm "Der Künstler ist anwesend" im Ahrensburger Marstall: Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Beckers Programm immer Platz.

Der Kabarettist Jürgen Becker mit seinem Programm „Der Künstler ist anwesend“ im Ahrensburger Marstall: Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Beckers Programm immer Platz.

Jürgen Becker lässt in seinem Programm „Der Künstler ist anwesend“ nur wenig gute Haare an der Bildenden Kunst und der Architektur und gar keine guten Haare an Religion und Kirche. Letzteres kennt man von ihm nur zu gut, er findet so gerne das Salz der Wahrheit in den versteckten Wunden der (katholischen) Kirche. Warum ist der Papst Vize-Gott auf Erden? „Da wird halt eine Stelle in der Bibel passend gemacht, das nennt man dann Theologie.“

Ausverkaufter Saal

Und gerne setzt er die Kunst in einen politischen Zusammenhang: „Bei den Ägyptern hat man die Promis immer im Profil dargestellt – heute haben die Promis kein Profil“. Oder zum Bild von „Der Tod des Marat“ von Jacques-Louis David, heute zu sehen im Königlichen Museum der Schönen Künste in Brüssel: „Wer politisch tot ist, hängt in Brüssel rum“.

Den Ahrensburgerinnen und Ahrensburger inklusive Exil-Kölnern hat es gefallen, schon vor dem Kölsch waren sie streckenweise lockerer als an so manchen anderen Abenden. Und das vor vollem Haus. Gastgeber Horst Schroth, der seinen Kollegen Jürgen Becker im Rahmen der Reihe „Marstall ungezügelt“ nach Ahrensburg gebeten hatte, freute sich darüber. Und Jürgen Becker auch: „Sie sind ein wirklich gute Publikum. Vielleicht komme ich ja mal wieder.“ Aber bitte wieder mit Kölsch, wenn‘ geht. Einfach nur wegen der sozialen Kompetenz.

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