Entwicklungsbericht an Grundschulen: Bildungsministerin präsentiert neuen Entwurf

0

Kiel (je/pm). Zeugnis-Noten oder Entwicklungsberichte? Wegen ihrer Favorisierung der Entwicklungsbericht ist Bildungsministerin Britta Ernst in die Kritik geraten. Nun präsentiert sie eine veränderte Variante des Entwicklungsberichtes und betont gleichzeitig die Wahlfreiheit der Grundschulen.

Entwicklungsberichte, Notenzeugnisse oder Kompetenz-Zeugnisse? Neue Muster liegen vor. Foto: I-vista, pixelio.de

Entwicklungsberichte, Notenzeugnisse oder Kompetenz-Zeugnisse? Neue Muster liegen vor. Foto: I-vista, pixelio.de

Schülerinnen und Schüler erhalten einen Entwicklungsbericht im ersten Halbjahr der vierten Jahrgangsstufe. Er bildet die Grundlage für das verbindliche Gespräch der Grundschule mit den Eltern über den Übergang zur weiterführenden Schule.

Neue Zeugnisformulare entworfen

Gemeinsam mit Prof. Jens Möller von der Christian-Albrechts-Universität stellte die Ministerin den verbesserten Entwicklungsbericht der Öffentlichkeit vor. Gleichzeitig wurden auf dieser Basis Zeugnisformulare für Jahrgangsstufen entwickelt, in denen keine Noten gegeben werden, sogenannte Kompetenz-Zeugnisse. Diese werden den Schulen als standardisierte Zeugnisse zur Verfügung gestellt und sollen nach einer Übergangsfrist von drei Jahren verbindlich werden.

Das Ministerium für Schule und Berufsbildung kommt damit einem Auftrag des Landtages nach, nach dem Muster für an Kompetenzen ausgerichtete Entwicklungsberichte für die Jahrgänge eins bis vier entwickelt werden sollten. Außerdem wurde das bisherige Verfahren evaluiert. „Niemand muss, alle können“, hatte das Ministerium für Schule und Berufsbildung die neue Wahlfreiheit für schleswig-holsteinische Grundschulen überschrieben, die es seit dem Schuljahr 2014/15 gibt und mit der sie sich auch im vierten Jahrgang zwischen Noten- und Kompetenz-Zeugnissen entscheiden können.

Im ersten und zweiten Jahrgang gibt es schon lange keine Noten mehr, im dritten Jahrgang konnten sich die Schulen zwischen Noten und Kompetenz-Zeugnissen entscheiden. Neu ist die Wahlfreiheit auch im vierten Jahrgang: „Eine differenzierte Leistungsbewertung wird einem Kind mit seinem individuellen Leistungsstand besser gerecht als eine Note“, ist die Überzeugung von Bildungsministerin Ernst.

Die Landesregierung hatte im vergangenen Jahr zudem an die Stelle der früheren schriftlichen Übergangsempfehlungen ein verpflichtendes Elterngespräch für jede Schülerin und jeden Schüler vor dem Wechsel zu einer weiterführenden Schule eingeführt. Dieses Gespräch findet auf der Basis des Entwicklungsberichtes nach dem ersten Halbjahr der vierten Jahrgangsstufe statt. „Eltern und Lehrkräfte finden den Entwicklungsbericht insgesamt verständlich“, sagte Prof. Jens Möller. Er sei differenzierter als Noten und habe den gleichen oder sogar einen besseren Vorhersagewert für die Testleistungen als Noten. Es habe sich bei seiner Arbeit aber auch gezeigt, dass einige Kompetenzbeschreibungen, zum Beispiel im Fach Mathematik, überarbeitet oder umformuliert werden müssten. Zudem habe er empfohlen, die Kompetenzskala auf fünf Abstufungen zu erweitern, auch um den Wünschen von Lehrkräften nachkommen und zugleich die gewohnte Fünf-Stufigkeit der Bildungsstandards aufzunehmen.

Somit gibt es an schleswig-holsteinischen Grundschulen jetzt folgende Leistungs- und Entwicklungsbewertungen:

• Kompetenz-Zeugnis in den Jahrgängen 1 und 2. Nach drei Jahren sollen sie in der neuen Form verbindlich sein.

• Kompetenz-Zeugnis in den Jahrgängen 3 und 4, die dort, wo auf Noten verzichtet wird, nach drei Jahren in der Form verbindlich sind.

• Wird ein Notenzeugnis in Jahrgang 3 oder 4 erteilt, erhalten die Schülerinnen und Schüler, wenn es die Schulkonferenz so beschlossen hat, auch einen Entwicklungsbericht.

• Im ersten Halbjahr des vierten Jahrgangs gibt es für alle Grundschülerinnen und -schüler einen Entwicklungsbericht, der Basis für die Elterngespräche beim Übergang in die weiterführende Schule ist. Wird in dieser Jahrgangsstufe ein Notenzeugnis erteilt, erhalten die Eltern diesen Bericht ergänzend. Wird kein Notenzeugnis erteilt, sind Entwicklungsbericht und Kompetenz-Zeugnis identisch.

image_pdfimage_print
Teilen.

Kommentieren