Kommentar: Streit im Erlenhof

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Noch heute vergeht keine Gelegenheit, zu der nicht der eine Stadtverordnete dem anderen Stadtverordneten eine falsche Entscheidung für den Erlenhof vorwirft. Entweder zu viel oder zu wenig Wohnungeinheiten sind dabei der Stein des Anstoßes. Doch mit dem Streit um das Realisierungoprojekt auf dem Erlenhof wird noch eines deutlich: Die Freiheit des einen geht immer nur bis zur Freiheit des anderen.

Es gibt keine Reglements in dem Baugebiet bezüglich Haustyp, Fassadenfarbe, Neigung des Daches. Jeder kann so bauen, wie er möchte. Er muss sich nur an die Baufelder auf seinem Grundstück halten. Wer ein Grundstück auf dem Erlenhof gekauft hat, weiß eigentlich nicht, wie es auf seinem Nachbargrundstück aussehen wird.

Die Freiheit im größeren Maßstab, auf dieser Fläche besondere Vorstellungen zu realisieren, hat sich auch die Stadt genommen und den städtebaulichen Wettbewerb ausgelobt. Dabei definiert er als „einheitliches Gebiet“ mit einer besonderen Wohndichte und einer Hofgruppierung etwas grundsätzlich anderes, als im übrigen Baugebiet und seiner Einzelbebauung umgesetzt wird.

Kommentar zu dem Beitrag „Streit um die Bebauung: Baugebiet im Erlenhof wird nach Anwohner-Kritik verändert

Die Größe des großen neuen Stadtteils gibt das unbedingt her – aber kommuniziert worden an die Neubürger ist es offensichtlich nicht. Es ist nur zu verständlich, wenn Anwohner, die viel Geld für ihr Grundstück und ihr Haus bezahlt haben und nicht einmal den Standort ihres Carports verändern dürfen, jetzt empfindlich reagieren. Zumal der Städtebauliche Entwurf eher vermuten ließ, dass Reihenhäuser nur im vorderen Bereich stehen werden, der hintere Bereich komplett für Einzel- und Doppelhäuser vorgesehen ist.

Und da wären wir wieder bei dem Streit: Wieviel Häuser sollen auf dem Gelände stehen, welche Wohnformen werden favorisiert? Welches Umfeld soll entstehen? Sich in diesem Punkt auf einen Charakter des Viertels zu einigen, wäre vermutlich politisch unmöglich gewesen. Es hätte aber einen Erlenhof entstehen lassen, über den sich nicht heute noch politisch gestritten werden müsste.

Im Erlenhof entsteht ein Viertel, wie es inhomogener kaum sein kann. Das ist das Ergebnis der größtmöglichen Freiheit. Und es bedeutet auch, das ich als Neubürger beim Einzug in mein neues Haus gar nicht wissen kann, ob mir das Viertel, in dem ich wohne, eigentlich gefällt. Das birgt Stress und Streit. Einklagbar aber ist das Empfinden, dass mir das Umfeld meines Hauses nicht gefällt nicht. Das ist eine harte Erkenntnis. Und es trifft besonders die hart, die viel Geld bezahlt haben und den Blick aus ihrem Fenster am Ende nicht mögen. Aber auch sie wollen am Ende diese Freiheit.

Monika Veeh, Herausgeberin ahrensburg24.de

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