Arbeiten im Ammersbeker Wald: Nichts verstanden!

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Leserbrief von Thomas Behrends zum Beitrag „NABU Ammersbek: Zerstörung unberührter Natur? Forstwirtschaft sagt ‘Nein’“

Die von der Landwirtschaftskammer beratene Forstbetriebsgemeinschaft Stormarn benimmt sich in den Wäldern der Gemeinde Ammersbek rücksichtslos und richtet Umweltschäden an. Zum wiederholten Male wird während der Brutsaison in Naturschutzgebieten Holz eingeschlagen. Verlassene Brutreviere werden dabei ebenso in Kauf genommen wie zerstörten Boden.

Der Gipfel der Umweltignoranz war jedoch die Durchforstung des alten Waldstückes im NSG Ammersbekniederung, ein Ausläufer des naturnahen Buchenwaldes vom Wohldorfer Wald. Ein Waldstück mit alten Bäumen und viel stehendem Totholz. Und nichts von dem Totholz war gefährlich oder drohte auf Wege zu fallen, sondern wurde von Privatleuten als Kaminholz begehrt!

Statt aber nun, wie in der Gemeinde vorgeschlagen, diesen Wald als Naturwald unberührt wie in den letzten Jahren einfach stehen zu lassen, wurde das alte Totholz als Windwurf deklariert und der Wald durchforstet. Kaminholzernte. Zuvor war der streng geschützte Mittelspecht, wie in den angrenzenden Wäldern, auch hier mit einem Brutpaar vertreten. Auch der Kolkrabe errichtete hier einst seinen Horst. Sie mussten weichen.

Entlarvend ist die im Artikel geäußerte Einstellung zu Nützlinge und Schädlingen. Eine so weit gehende Ahnungslosigkeit entlarvt das fachliche Niveau als Relikt vergangener Förstergenerationen. Von Artenschutz oder dem Staatsziel „Erhalt der Artenvielfalt“ hat hier natürlich niemand etwas gehört. Warum der nach Bundesartenschutz streng geschützte Kopfhornschröter im Totholz der alten Buchen überhaupt mit anthropozentrischen Begriffen wie „Nützling“ oder „Schädling“ tituliert werden soll, bleibt schleierhaft.

Natur ist auch und vor allem um ihrer Selbstwillen geschützt. So ist es auch im Grundgesetz verankert (A. 20). Und der öffentliche Wald untersteht einem Gemeinwohlinteresse unter Berücksichtigung von Umweltschutzaspekten und ist kein Wirtschaftswald. Genau so hat es das Bundesverfassungsgericht deutlich festgestellt.

Vor mehr als fünf Jahren hat sich die Gemeinde zur Umsetzung der Biodiversitätskonvention entschlossen, mehrheitlich stimmte der Gemeinderat dem Vorschlag des Bürgermeisters zu. Die Forstbetriebsgemeinschaft wäre gut beraten ihr eigenes Handeln vor diesen Hintergründen zu hinterfragen und sich mit den Umweltschutzaspekten ernsthaft auseinanderzusetzen.

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