Schleswig-Holstein Musikfestival: Ein wunderbarer Abend mit Tschaikowsky

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Ahrensburg (ve). Kennen Sie Tschaikowsky? Vielleicht das Ballett „Schwanensee“ oder den „Nußknacker“? Klaus Mann, Sohn von dem Schrifsteller Thomas Mann, meinte, Tschaikowsky zu kennen und machte ihn zum Helden seines Romanes „Symphonie Pathétique“. Gestern Abend wurde dieser Roman in einem Leseabend des Schleswig-Holstein Musik-Festivals zu Gehör gebracht. Es las der Schauspieler Ulrich Noethen, begleitet von Hideyo Harada am Klavier.

Schleswig-Holstein Musik-Festival: Ulrich Noethen und Hideyo Harada in der Reithalle des Ahrensburger Marstalls.

Schleswig-Holstein Musik-Festival: Ulrich Noethen und Hideyo Harada in der Reithalle des Ahrensburger Marstalls.

Peter Iljitsch Tschaikowsky. Ein streitbarer Mann zwischen Selbstzweifel und unerschütterlicher Urteilskraft. So zeigt ihn Klaus Mann. Für die Lesung im seit mehreren Wochen ausverkauften Marstall wählten Ulrich Noethen und Hideyo Harada Passagen aus dem Roman, die zentrale und fiktive Momente und Szenen im Leben des Komponisten schilderte – nicht zuletzt seinen, wie Mann es schildert, frei gewählten Tod.

Ulrich Noethen dieses Lesen zu hören, ist ein besonderes Erlebnis. Mit einem stets leisen Lächeln wandert er ruhig den Text entlang, wird auf dezente Weise eindringlich. Schnell ist der Zuhörer mittendrin, sieht Tschaikowsky und Brahms sich leibhaftig gegenüber stehen oder den todkranken Komponisten in das Gesicht des Neffen blicken. Noethen lenkt unprätentiös die ganze Konzentration seiner Zuhörer auf Manns Roman.

Und auf Hideyo Harada. Die japanische Pianistin stellt den Textabschnitten Klavierstücke oder Arrangements von Peter Iljitsch Tschaikowsky entgegen. Natürlich ist das „Adagio lamentoso“ aus der „Symphonie Pathétique“ zu hören oder das „Grand pas de deux“ aus der Suite „Der Nussknacker“, zudem viele Stücke aus „Die Jahreszeiten“. Kraftvoll und eben nicht pathetisch, sondern verstehend und differenziert trägt Harado dies vor. So entsteht zwischen Romanlesungen und Musikvortrag ein wundervoller Wechsel.

Die Reithalle im Marstall war lange ausverkauft, das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus. Es war die einzige Veranstaltung des Schleswig-Holstein Musik-Festivals in der Schlossstadt. Aber eine, die ganz dem Wunsch der Ahrensburgerinnen und Ahrensburger entsprochen hat.

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