Interkultureller Herbst: Lysistrate von und mit der Marstall-Theatergruppe

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Ahrensburg (ve/pm). Was spricht gegen Krieg? Vieles – findet Aristophanes und bringt das in seiner Komödie Lysistrate auf den Punkt. Für Armin Diedrichsen genau der richtige Stoff für die neue Inszenierung der Marstall-Theatergruppe. Er hat die antike Komödie aus der Zeit des Peloponnesischen Krieges in die Neuzeit versetzt. Aus aktuellem Anlass der Flüchtlingsproblematik zeigt das Ensemble das Stück im Rahmen des Interkulturellen Herbstes. Donnerstag ist Premiere.

Das Ensemble des Marstall-Theaters mir Regisseur Armin Diedrichsen (sitzend in der Mitte) bei der Premiere der Inszenierung zur 700-Jahr-Feier der Stadt Ahrensburg.

Das Ensemble des Marstall-Theaters mir Regisseur Armin Diedrichsen (sitzend in der Mitte) bei der Premiere der Inszenierung zur 700-Jahr-Feier der Stadt Ahrensburg.

Als im Jahr 411 v. Chr. der schon berühmte Komödiendichter Aristophanes sein drittes pazifistisches Stück – „Lysistrate“ (altgriechisch für „die das Heer Auflösende“) – zur Aufführung brachte, tobte der peloponnesische Krieg zwischen Athen einerseits und Sparta und seinen Verbündeten andererseits bereits seit 20 Jahren. Zu Ehren des Gottes Dionysos, der für Rausch und Gewalt gleichzeitig stand, wurden im Frühjahr Festspiele im Theater südlich der Akropolis abgehalten.

Lysistrate: Kritik am Krieg

Und Aristophanes, damals etwa 35 Jahre alt, versuchte, seiner Welt einen Spiegel vorzuhalten, um sie mit den Mitteln der Kunst zur Umkehr zu bewegen. Krieg erschien ihm vor allem als eine männliche Erfindung, eine unausrottbare Verirrung des Geistes, die Gier, Machtstreben und Protzgehabe auf unselige Weise zum Nachteil der Zivilbevölkerung vermengte.

In zahlreichen Bearbeitungen existiert das Stück, das wegen seiner mehr als freizügigen sexuellen Anspielungen von seinen Übersetzern mit schöner Regelmäßigkeit auf Schulmädchen-Niveau heruntergebrochen wurde. In der freien Nachdichtung der Marstall-Theatergruppe ist der Jargon zeitgemäß bearbeitet, die Auseinandersetzung zwischen Männern und Frauen benutzt Bilder, die heute vertraut sind.

Stilmittel: Übertreibungen

„Aristophanes arbeitete mit Übertreibungen aller Art – das tun wir auch: Biertische, Sauforgien, Maulheldentum auf der Seite der Männer; alle Spielarten von weiblichem Witz und Aussehen, gepaart mit Klischeevorstellungen über weibliche Intelligenz und Durchsetzungsfähigkeit auf der Seite der Damen“, beschreibt es Dramaturg und Regisseur Armin Diedrichsen. „Alles getreu nach dem Motto „eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad“.“ Neben allem (Hohn-)Gelächter jedoch stehe die Anklage des Krieges und derer, die sich daran bereichern.

Zu sehen sind Anna Brünner in der Rolle der Lysistrate, Heike Gerken in der Rolle der Kalonike, Anna Schmidtke in der Rolle der Lampito, Antje Wilhelm in der Rolle der Myrrhine, Ulrike Jäger in der Rolle der Aglaia, Regina Lietz in der Rolle der Polyxenia, sowie in weiteren Frauenrollen Martina Kindel, Anne Horstmann und Dagmar Thom. Reinhart Normann mimt den Ratsherren, Nikolas Wiesner den Kinesias und Frank Arlt, Harald Günther und Ulli von Seld sind in Männerrollen zu sehen. Die Textfassung und das Bühnenbild sind von Armin Diedrichsen, der auch Regie führt.

Aufführungen am Donnerstag und am Freitag

Premiere der Inszenierung ist am Donnerstag, 3. September 2015, um 20 Uhr in der Reithalle des Marstalls, eine weitere Aufführung gibt es am Freitag, 4. September 2015, ebenfalls im Marstall. Die Eintrittskarten kosten zehn Euro, es gibt sie an der Abendkasse.

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