Lesermeinung: „Die Nordtangente hat Priorität“

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Antwort auf den Kommentar von Professor Wilhelm Hummeltenberg zur Lesermeinung „Lesermeinung zum Bürgermeisterwahlkampf: “Mehr Populismus zur Südumfahrung geht nicht!“ von Werner Haering, Ahrensburg

Sehr geehrter Herr Professor Hummeltenberg,

nachfolgend meine Antwort zu Ihrem Kommentar auf meinen Leserbrief „Mehr Populismus geht nicht“.

1) Ich halte die Diskussion über die Auf- und Abstufung der B75 und die sich aus der Bund-Länder-Vereinbarung für das Land Schleswig-Holstein bzw. für Ahrensburg ergebenen Konsequenzen nicht für zielführend, da mit dem Bau der Nordtangente bzw. der Südumfahrung keine neue Straßenführung der B75/L82 verbunden ist.

2) Nordtangente und Südumfahrung stehen in keinem verkehrlichen Zusammenhang und haben keinen Entlastungseffekt für die Innenstadt von Ahrensburg. Die Verkehrswirksamkeit der Nordtangente konzentriert sich auf das nördliche Ahrensburg (Lübecker Straße, Wohnsiedlung Gartenholz und Erlenhof, Schlossensemble, Am Weinberg, GE-Nord und GE Beimoor-Süd sowie den Ostring.)

3) Laut Masterplan Verkehr ist unter Berücksichtigung aller Bewertungsaspekte die Nordtangente als kurzer Netzschluss zwischen der L82 Lübecker Straße zum GE Nord mit Anbindung Kornkamp-Kornkamp-Süd / Ostring (Variante 7) klar zu favorisieren, da sie das beste Aufwand-Wirksamkeits-Verhältnis bei einem relativ geringen Flächenverbrauch von 9.500 Quadratmeter aufweist.

Anmerkung:
Die Variante 7 wurde von der Politik kürzlich gestrichen, da sie die Variante 15 mit Anbindung Kurt-Fischer-Straße – die über keine Verbindung zum Ostring verfügt – priorisiert. Die Variante 15 ist mit zirka 15 Millionen Euro Erstellungskosten erheblich teurer als die Variante 7, für die 8 Millionen Euro veranschlagt wurden. Die Variante 15 hat mit einer Entlastung von 5.000 Kfz/24 h bei einem Flächenverbrauch von zirka 12.500 Quadratmetern eine erheblich geringere Verkehrswirksamkeit. Beide Varianten verlaufen über das Gemeindegebiet von Delingsdorf. Es liegt an der Gemeinde Delingsdorf, ob sie der südlichsten Variante 7 der Nordtangente oder einer weiter nördlich verlaufenden Variante den Vorzug gibt.

4) Der von Ihnen verwendete Begriff Süd-Tangente ist irreführend, da es sich bei der Südumfahrung um eine vom Ahrensburger Stadtgebiet siedlungsferne Straße handelt. Die Südumfahrung würde eine Verbindung von der BAB A1 über den verlängerten Ostring zur Hamburger Straße / Eulenkrugstraße bis zum Ring 3 herstellen, die von Hamburg nicht gewollt ist. Ein noch schwerwiegenderer Ablehnungsgrund Hamburgs ist, dass die Südumfahrung nur wenige Meter vom Naturschutzgebiet Höltigbaum, Hamburgs größten Naturschutzgebiet, verlaufen würde.

5) Die Südumfahrung hat im Vergleich zur stadtnahen Nordtangente eine vergleichsweise geringe Verkehrsentlastung bei einem Flächenverbrauch von zirka 50.000 Quadratmeter und Kosten von zirka 30 Millionen Euro, woraus sich ein schlechtes Aufwand-Wirksamkeits-Verhältnis ergibt. Als Umsetzungsnachteil wirken sich aus, dass die Südumfahrung stadtfern verläuft, kein Gewerbegebiet erschließt, unmittelbar an einem Naturschutzgebiet vorbei führt und nur ein vergleichsweise kleines Wohngebiet verkehrlich entlasten würde.

6) Meinen Vorwurf des Populismus habe ich sachlich begründet, während Sie meine Kritik ohne jede Begründung als abwegig bezeichnen. Dies hat mit einem sachlichen Umgang nichts zu tun.

Fazit:
Laut Masterplan Verkehr ist die Nordtangente von erster Umsetzungspriorität. Für das südliche Stadtgebiet weisen alle Umfahrungsmöglichkeiten deutliche Konflikte auf, die eine Umsetzung erheblich behindern. Die Südumfahrung kann ohne Mitwirkung von Hamburg nicht gebaut werden. Für Ahrensburg sollte die Entlastung der stadtnahen und nicht stadtfernen Hamburger Straße im Vordergrund stehen. Deshalb sollte die Politik die Machbarkeit einer stadtnahen Südtangente über den Kuhlenmoorweg, die für die Hamburger Straße eine signifikante Verkehrsentlastung bringen würde, prüfen lassen und nicht leichtfertig vergeben. Es darf kein Denkverbot geben!

Ohne Nordtangente droht Ahrensburg der Verkehrsinfarkt. Dass die Politik zwölf Jahre gebraucht hat, um sich überhaupt auf eine Variante zur Trassenführung für die Nordtangente zu einigen, zeigt, dass Politiker über keine spezielle Kompetenz zum Entscheiden verfügen. Jeder Befürworter von Umgehungsstraßen sollte sagen, wie er diese finanzieren will und ob es für deren Umsetzung eine politische Mehrheit gibt.

Mit freundlichen Grüßen
Werner Haering

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