24-Stunden-Musicals 2.0: Vier brandneue Shows und ein begeistertes Publikum

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Ahrensburg (sam). Für Montag Abend reisten Fans der Musical Szene aus ganz Deutschland nach Ahrensburg. Nach 2014 gab es die 24-Stunden Musicals im Alfred-Rust-Festsaal zum zweiten Mal zu sehen. Und sie waren alle wieder da – die Musicals, die Stars und die Verrücktheit dieser Show. Denn verrückt wird es im besten Sinne, wenn kreative Köpfe und Zeitdruck Besonderes entwickeln sollen.

Das Ensemble der 24-Stunden Musicals in Ahrensburg.

24-Stunden-Musicals 2015 der Musical Creations Entertainment in Ahrensburg. Christian A. Müller als Ingo im Musical „Willkommen im Paloha-Land“.
Foto:©Silke Mascher

Vier hochkarätig besetzte Teams, bestehend aus einem Autor, einem Komponisten, einem musikalischen Leiter, einem Regisseur und vier Schauspielern/Sängern bekommen nur 24 Stunden Zeit, in denen sie ein eigenes Musical konzipieren, schreiben, komponieren, inszenieren, einstudieren und sogar aufführen müssen. Ein irrer Wettlauf der Kreativen gegen die Zeit!

Diese Vorgaben sind eine große Herausforderung, die den Musical-Profis alles abverlangt und das 24 Stunden lang ohne Schlaf. „Sie sind eine wunderbare Therapie für Perfektionisten“, so Marko Formanek bei der Begrüßung, und weiter: “Das Einzige, was Du in dieser Produktion nie hast, ist Zeit! Man muss sich total auf seine Instinkte verlassen und die erste Entscheidung ist meistens ja sowieso die richtige.“

Sie sind zurück, die Musicals und die Stars

Der Mann, der diese Musicalreihe in Ahrensburg – nicht unbedingt die Musicalhauptstadt Europas – zusammen mit seinem Team, bestehend aus Jacqui Dunnley-Wendt (Musical Creations Entertainment), Renate Grischke (Produktionsleiterin) und Sonja Plesse, stellvertretende Theaterleiterin beim „König der Löwen“, erst möglich gemacht hat, ist Hauke Wendt. Ihm ist es auch dieses Jahr erneut gelungen, einige der bekanntesten Protagonisten ihres jeweiligen Faches aus ganz Deutschland und Österreich für das spannende Experiment zu gewinnen. Kein Schlaf, Stress pur, zu kurze Probenzeiten und den Rest live auf der Bühne improvisieren – welcher Profi lässt sich darauf ein? Und das ganze, ohne auch nur einen Euro zu verdienen? Ebenfalls dabei und unterstützend in Aktion waren Sven Runge mit seinem Sound & Light Service, nicht zu vergessen das Parkhotel Ahrensburg, das weit angereiste Gäste untergebracht hat.

Alles für einen guten Zweck

Auch 2015 steht dieses Benefizevent unter der Schirmherrschaft von Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach. Mit dieser Veranstaltung wird die Kinder- und Jugendarbeit des Freundesreises für Flüchtlinge in Ahrensburg unterstützt. Axel Fricke vom Freundeskreis drückte in seinem Grußwort seinen Dank an die vielen Helfer in der Flüchtlingsarbeit aus. Er dankte Hauke Wendt für die Spende aus dem Erlös des Abends: „Wir freuen uns sehr, dass Hauke Wendt und sein Team an uns gedacht haben. Wir werden diese Spende für die Jugendbetreuung und für Sportangebote für Kinder und Jugendliche verwenden.“

24-Stunden-Musicals 2015 der Musical Creations Entertainment in Ahrensburg. Ein besonderer Gast an diesem Abend war Philip Naude, extra aus New York angereist. Er ist Produzent der 24-Stunden Musicals in Amerika und Gründer der 24 Hour Company. Foto:©Silke Mascher

24-Stunden-Musicals 2015 der Musical Creations Entertainment in Ahrensburg. Ein besonderer Gast an diesem Abend war Philip Naude, extra aus New York angereist. Er ist Produzent der 24-Stunden Musicals in Amerika und Gründer der 24 Hour Company.
Foto:©Silke Mascher

Besuch direkt vom Broadway

Ein ganz besonderer Gast des Abends war Philip Naude. Er ist Produzent der 24-Stunden Musicals in New York und Gründer der 24 Hour Company, die diese Art der Musical-Produktion weltweit betreut.

Philip Naude: „Es ist mir eine große Ehre, heute Abend bei den zweiten 24-Stunden Musicals in Ahrensburg dabei sein zu können. Das Wichtigste heute Abend ist, dass Ihr alle hier seid. Alle Beteiligten haben wirklich hart gearbeitet und ihre Talente und Fähigkeiten eingebracht, um nur für Euch diese Vorstellung zu spielen. Wir haben diese Show auch noch nicht gesehen, sondern sehen sie zum ersten Mal mit Euch zusammen. Diese Art der Inszenierung ist für uns als Darsteller eine gute Möglichkeit, uns selber besser kennenzulernen und Geld für gute Zwecke zu sammeln. Wir hoffen, dass Ihr sie genießt, viel Spaß!“  

Vier Musicals

Die Musical-Fans konnten sich auf viele Stars freuen. Unter anderem mit dabei waren: Roberta Valentini, Gabriel Barre, Christian Alexander Müller, Patrick Stanke und Martin Planz.

In der Story „Back for Good” traf man sich wieder – und das nach zwanzig Jahren. Alte Beziehungsverflechtungen verbunden mit inzwischen reifer gewordenen Charakteren, die beim erneuten Wiedersehen aber ganz neue Ziele für sich im Auge hatten: Kein nur angenehmes Aufeinandertreffen, besonders, wenn man bestimmte Eigenschaften nicht ablegen kann.

„Willkommen im Paloha-Land“ war bunt schräg und schrill. Ein Land im Irgendwo. Ein Bayrischer Tourist landet dort, andere Länder andere Sitten könnte man sagen. Die sind aber so abgedreht und unwirklich fantasievoll und bunt, dass dem armen Gestrandeten gar nichts anderes übrig bleibt, als sich dem hinzugeben und sich einzufügen – bis…. ja, bis sein Handy klingelt (den Netzanbieter müsste es mal geben) und die Mutter am Telefon ist.

Oops!

Er tut´s schon wieder! Ein Mann mit mehreren Beziehungen, der einfach so ist wie er ist. Betrügen und belügen gehören für ihn halt dazu. Doch Gerd hat die Rechnung ohne den Zusammenhalt der Frauen untereinander gemacht und irgendwann dreht sich das Spiel, dann heißt es alle gegen Gerd!

Frau an Bord!

Großmäulige Piraten, die Alsterpiraten und nördlichsten Piraten von Winterhude, zuhause auf der Alster und am Jungfernstieg, werden im Alltag und ihren Träumen vom Piratenleben auf hoher See durch das plötzliche Auftauchen einer Frau an Bord vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Die Piraten entscheiden sich für die einfachste Lösung: Gerade als sie die ungebetene Gastin den Haien zum Fraß vorwerfen wollen, kommt heraus, dass sie die Schwester des Schiffsjungen Frederik ist, die ihren Bruder zurück nach Hause, nach Blankenese zu Mama und Papa holen will.

Der Applaus war am gestrigen Abend der einzige Lohn, den die Darsteller bekamen. Der ausverkaufte Saal tobte. Das Publikum bedankte sich mit tosendem Applaus und jubelndem Beifall. Die Darsteller überzeugten durch großes Improvisationstalent, ihrem musikalischen Können und dem Willen, dem Publikum vier unvergessliche Musicals in 24 Stunden auf die Bühne zu bringen.

24-Stunden-Musicals 2015 der Musical Creations Entertainment in Ahrensburg. Es ist geschafft! Hauke Wendt bedankt sich bei allen Beteiligten. Foto:©Silke Mascher

24-Stunden-Musicals 2015 der Musical Creations Entertainment in Ahrensburg. Es ist geschafft! Hauke Wendt bedankt sich bei allen Beteiligten.
Foto:©Silke Mascher

 

Der Tag danach – ahrensburg24.de fragt nach:

ahrenburg24.de: Herr Wendt, wie haben Sie die Aufführung der Musicals gestern erlebt?

Hauke Wendt: Ich war fasziniert davon, was die Künstler innerhalb dieser kurzen Zeit und unter diesem enormen Druck erschaffen haben und bin dankbar dafür, wie viele Menschen sich dafür eingesetzt haben, ein tolles Erlebnis mit uns zu teilen.

ahrensburg24.de: Wann haben Sie mit den Vorbereitungen dafür begonnen?

Hauke Wendt: Wir haben mit den Vorbereitungen letztlich direkt im Anschluss an die 24-Stunden Musicals 2014 angefangen, konkret ging es dann ab Mai los. Die Organisation der 24-Stunden Musicals ist ziemlich komplex und leider nicht innerhalb von 24 Stunden zu schaffen.

ahrensburg24.de: Bitte beschreiben sie Ihre Gefühle kurz vor Beginn der Vorstellung

Hauke Wendt: Wenn sich der Vorhang hebt, weicht der Druck der Vorbereitungszeit allmählich der Spannung, wie der Abend verlaufen wird.

ahrensburg24.de: Was war im Vergleich zum letzten Jahr anders?

Hauke Wendt: Weil wir die 24-Stunden Musicals dieses Jahr in den Ferien durchgeführt haben, konnten wir die Proben tagsüber bereits in der Schule durchführen, das hat einiges logistisch erleichtert. Außerdem hatten wir ja schon den Machbarkeitsbeweis angetreten, dass es zu schaffen ist. Dies war sicherlich ein beruhigender Faktor für alle. Ansonsten herrscht eine andere Energie, das ist auch spannend.

ahrensburg24.de: Philip Naude hat in seinem Grußwort gesagt,  dass die 24-Stunden Musicals für die Künstler unter anderem auch eine gute Möglichkeit sind, sich selber besser kennen zu lernen. Gibt es vielleicht einen Punkt, in dem Sie sich besser kennen gelernt haben?

Hauke Wendt: Ich habe gelernt, in Drucksituationen ruhiger zu bleiben. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich nicht mehr so einfach wie früher schlaflose Nächte vertrage.

ahrensburg24.de: Gibt es Künstler, die zu den 24-Stunden Musicals „einmal und nie wieder“ sagen? Wie ist das Feedback der Künstler zum gestrigen Abend?

Hauke Wendt: „Einmal und nie wieder“ hat keiner gesagt. Sicherlich gibt es Künstler, die sich nicht unbedingt darum reißen würden, es am nächsten Tag oder überhaupt gleich nochmal zu machen. Aber das sind erstaunlich wenige.

ahrensburg24.de: Finden Sie es nicht schade, dass das Aufeinandertreffen so vieler begabter Künstler in dieser Konstellation einmalig ist und so viel gute Performance ebenfalls nur einmal zu sehen ist?

Hauke Wendt: Das ist natürlich schade, aber eben auch der Reiz der 24-Stunden Musicals und gar nicht anders zu realisieren.

ahrensburg24.de: Wird es im nächsten Jahr eine Fortsetzung der 24-Stunden Musicals in Ahrensburg geben? Möchten Sie diese Musical-Reihe fest in Ahrensburg etablieren?

Hauke Wendt: Das ist heute eine schwierige Frage. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht – trotz der großartigen Unterstützung, insbesondere vom Parkhotel, vom Sound & Light Service und vielen weiteren – eine große und riskante Herausforderung. Das werden wir in Ruhe bewerten und entscheiden müssen. Als Kreative würden wir natürlich gerne weitermachen – am liebsten in Ahrensburg, aber wir müssen sehen, ob wir das hinbekommen können.

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