Kommentar: Die Stimmen aller?

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Wo sind sie, die Sorgen rund um das Thema Flüchtlinge? Die Ängste um den sozialen Frieden? Auf noch jeder Versammlung zum Thema Flüchtlinge in den vergangenen Monaten habe ich sie gehört. Gestern Abend nicht. Ein Kommentar zur Einwohnerversammlung der Stadt Ahrensburg von Monika Veeh.

Ahrensburg hat sich als eine Stadt gezeigt, die stark an dem Strang der Hilfsbereitschaft zieht und damit viel leistet. In der Prozesse, Zusammenarbeit, Organisation funktioniert, Ehrenamt ehrenhaft arbeitet. Das ist auch gut so.

Aber die Stadt sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass es die anderen Stimmen nicht gibt. Bei der Versammlung im Kamp hat es sie gegeben, in Ammersbek hat es sie gegeben. Angst um Kriminalität, Werteverlust. Ob berechtigt oder unberechtigt ist hier nicht Thema. Gestern habe ich diese Stimmen nicht gehört.

Einwohnerversammlung zum Thema Flüchtlinge: Was sind die Hürden im Alltag?

Das kann zum Beispiel bedeuten: Sie waren gestern nicht da. Warum nicht? 167 Einwohner waren da, so viele, wie auf gleich mehreren früheren Einwohnerversammlungen zusammen. Hatten alle sorgenvollen Bürger keine Zeit? Oder es kann bedeuten: Sie wollten sich nicht äußern. Warum nicht? Haben Sie Angst vor ihren eigenen Äußerungen? Oder haben sie Angst vor den Reaktionen darauf?

Das muss aber auch bedeuten: Ahrensburg sollte die sorgenvollen Bürger nicht aus dem Blick verlieren. Wie sagte Bürgermeister Horst Ansén bei einer Versammlung in Ammersbek: „Jeder muss hier sagen können, was ihn bewegt. Aber er muss sich auch anhören, wie ich darauf antworte.“

Die eine kritische Stimme gestern Abend wurde ausgebuht. Weitere gab es nicht. Keiner, der von Schwierigkeiten oder ersten Zweifeln berichtete, der sich vielleicht sogar schon aus der Arbeit mit Flüchtlingen wieder zurück gezogen hat, der kulturelle Hürden als schwer überwindbar erlebt. Mir werden sie erzählt – unter dem Siegel der Privatheit.

Ahrensburg steht vor einer viel größeren Aufgabe, als der Integration von Flüchtlingen: Vor der Aufgabe, alle Bürgerinnen und Bürger in diesem Prozess mitzunehmen. Welche Antwort haben Sie darauf?

Monika Veeh, Herausgeberin ahrensburg24.de

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4 Kommentare

  1. Liebe Frau Veeh,
    nach meinem Eindruck bezog sich der Unmut einiger Anwesender nicht auf die politische Meinung des Mitbürgers, sondern darauf, dass er kein konkretes lokales Anliegen hatte, sondern ein langatmiges Statement über die seiner Meinung nach verfehlte Asylpolitik Deutschlands abgab. In der ersten Runde sah ich zwar irritierte Blicke, aber das Buhen entstand erst, als der Bürger auch auf Bitte unseres Bürgervorsstehers, er möge bitte eine konkrete Frage stellen, nur mit Allgemeinplätzen antwortete und die rhetorische Frage stellte, wie die Stadt den Flüchtlingszustrom bremsen wolle. Die Antwort von Herrn Sarach fand ich sehr angemnessen.
    Ihren Eindruck, kritische Haltungen würden ignoriert oder gar unterdrückt, teile ich in diesem konkreten Fall der Einwohnerversammlung nicht. Sollten Bürger konkrete Bedenken wegen einer Unterkunft haben, so sind Verwaltung und Politik nach meinem Eindruck offen für Gespräche und Vorschläge. Bürgern, die sich allgemein Sorgen über zuviele Flüchtlinge und die daraus resultierenden Probleme machen, kann ich nur den direkten Kontakt im Rahmen des Freundeskreises empfehlen.
    Als Pate treffe ich dort auf andere Paten, die sozial und politisch ein vielfältiges Abbild unseres Gemeinwesens sind. Die Meinungen zur „großen Flüchtlingspolitik“ sind ebenso vielfältig, aber sie spielen keine Rolle bei der täglichen Hilfe. Wir fragen nicht „Wer darf kommen und welche Probleme entstehen durch sie?“, sondern wir fragen „Wie können wir denen helfen, die zu uns kommen?“ Diese menschliche Zuwendung hilft den Flüchtlingen, aber es bereichert auch die Helfenden.

  2. Gertrud Tammena on

    Als Anwesende bei der Einwohnerversammlung möchte ich klarstellen: Herr H. erhielt zweimal Rederecht, das er zur Darlegung seiner generellen Bedenken gegen die bundesweite Flüchtlingssitution ausführlich nutzte. Der Bürgervorsteher bat ihn mehrmals, wie bei anderen Vorrednern auch, sich kurz zufassen. Als er das Grundrecht auf Asyl in Frage stellte und für Obergrenzen eintrat, gab es zunehmend auch laute Unmutsäusserungen – aber ausgebuht im Sinne eines kollektiven Vorgangs wurde er nicht. Der Bürgervorsteher rief die Anwesenden immer wieder auf, sich zu äussern und Fragen zu stellen, was vielfältig genutzt wurde – es gab ausreichend Gelegenheit auch für Kritiker, dies zu tun. Es ist unfair, wenn die so positive Stimmung und Bereitschaft zur Flüchtlingshilfe vor Ort, die sich auf der für alle Bürger offenen Einwohnerversammlung zeigte, einseitig verzerrt wird.

    • Sehr geehrte Frau Tammena, bezog sich die „einseitige Darstellung“ auf den Bericht? Da kann ich keine Verzerrung erkennen, wenn ich alle Aspekte des Abends wiedergebe. Der Kommentar wiederum bezieht sich auf kritische Äußerungen, die mir gegenüber getroffen worden sind und die auf der Versammlung gar nicht erst in Erscheinung getreten sind. Beste Grüße Monika Veeh

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