Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen: Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern

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Ahrensburg (je/pm). Wer mit einer Behinderung lebt, hat oft mit Vorurteilen und Barrieren im täglichen Leben zu kämpfen. Darauf macht der von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember aufmerksam.

Projekt Schule-Beruf. Foto: Kreis Stormarn

Modellprojekt Übergang Schule-Beruf. Foto: Kreis Stormarn

Besonders Jugendliche mit Behinderung brauchen nach der Schule eine Perspektive und bessere Chancen auf einen Berufseinstieg. Mit dem Projekt „ILAS – Inklusion (Er-)Leben und (Er-)Arbeiten in Stormarn“ will der Kreis Stormarn Grundlagen und Strukturen schaffen sowie Impulse für ein nachhaltiges inklusives Unterstützungssystem für Menschen mit Behinderung setzen. „Ziel ist die Entwicklung und Umsetzung einer bedarfsgerechten, passgenauen und personenzentrierten Hilfegewährung“, beschreibt Oliver Lövenforst, Fachdienstleiter der Eingliederungshilfe des Kreises Stormarn, die aktuelle Ausrichtung.

Projekt: Von der Schule in den Beruf

Der Kreis Stormarn hat am 1. August 2015 die Koordination des Modellprojektes „Übergang Schule-Beruf“, ÜSB-Projekt, übernommen und richtete am 25. November 2015 hierzu eine Regionalkonferenz in Bad Oldesloe aus. „Die Regionalkonferenz soll allen Akteuren als Plattform dienen, sich kennen zu lernen, auszutauschen, Fragen zu stellen sowie Verfahrens- und Kooperationsabsprachen zu treffen“, erläutert Ingrid Hürtgen, kommunale Projektkoordinatorin des Kreises Stormarn für das ÜSB-Projekt.

Das ÜSB-Projekt richtet sich in Stormarn an Schülerinnen und Schüler der Woldenhorn-Schule, Förderzentrum für geistige Entwicklung, in Ahrensburg. Der Integrationsfachdienst führt das Modellprojekt seit 2008 gemeinsam mit der Woldenhorn-Schule durch. Mit dem Beginn Schuljahres 2015/16 wurden die Klassen zehn, elf und zwölf als Berufsschulstufe zusammengefasst. „In dieser Berufsschulstufe geht es übergreifend um die Themen ‚Erwachsen werden‘, ‚Vorbereitung auf das Berufsleben‘ und ‚Persönliche Zukunftsplanung'“, betonte Henning Rohwedder, Schulleiter der Woldenhorn-Schule, auf der Regionalkonferenz.

Weitere Kooperationspartner sind die Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe, die Eingliederungshilfe des Kreises Stormarn sowie Unternehmen aus dem Kreisgebiet. Zu den kooperierenden Unternehmen zählen unter anderem Betriebe der Hotellerie und Gastronomie, des Lebensmittel- und Einzelhandels, des Garten- und Landschaftsbaus, Baumärkte und Logistik-Unternehmen sowie Wäschereien, Kindertagesstätten und Altenheime.

Janna Holm ist Ergotherapeutin und arbeitet für den Integrationsfachdienst Stormarn. Im Rahmen des ÜSB-Projekts begleitet sie Schülerinnen und Schüler der Woldenhorn-Schule in den letzten drei Schulbesuchsjahren auf ihrem Weg ins Berufsleben. „Mittels Unterrichtseinheiten, Projekttagen, Betriebsbesichtigungen sowie Schnupper- und Betriebspraktika erhalten die Schülerinnen und Schüler wichtige Einblicke in verschiedene Berufsfelder und lernen den Arbeitsalltag kennen. Dabei werden sie ebenso gefördert wie gefordert, ihre Fähigkeiten sowie Kompetenzen weiterzuentwickeln. Am Ende eines jeden Schuljahres beraten wir im Rahmen der so genannten Berufswegekonferenz mit allen Beteiligten über den weiteren Weg“, beschreibt Janna Holm die ineinander greifenden Module des ÜSB-Projektes. Ebenso sei die Elternarbeit ein weiterer wichtiger Baustein ihrer Arbeit. „Wenn den Schülerinnen und Schülern genug Raum für eigenständige Entwicklung gewährt wird, sind alle Beteiligten oft sehr überrascht über die Fähigkeiten der jungen Menschen“, beschreibt Maike Molder, Lehrkraft an der Woldenhorn-Schule, die positiven Entwicklungen im Rahmen des ÜSB-Projektes. „Das ÜSB-Projekt ist eine erhebliche Bereicherung der schulischen Arbeit“, bestätigt auch Woldenhorn-Schulleiter Henning Rohwedder. Für die zuständige Reha-Fachkraft der Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe, Regina Wlost, ist die Beteiligung am ÜSB-Projekt sehr hilfreich. Ihr ist jetzt eine deutlich frühere Einschätzung des Leistungsvermögens der Teilnehmer möglich.

Ergebnisse, Erkenntnisse und Erfahrungen

„In den Schuljahren 2014 und 2015 durchliefen die ersten sieben Teilnehmer alle drei Projektjahre komplett. Fünf junge Menschen entschieden sich für eine berufliche Perspektive außerhalb einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung „, berichtete Frank Schlüter, Leiter des Integrationsfachdienstes, auf der Regionalkonferenz. „Das Projektergebnis erfüllt damit schon jetzt die seinerzeitigen Annahmen am Start des ÜSB-Projektes, wonach fünf bis zehn Prozent der Schülerschaft eines Jahrganges über ein ausreichendes Potential für den allgemeinen Arbeitsmarkt verfügen“, bestätigte Michael Rebling, Schulrat des Kreises Stormarn.

„Der Projektverlauf zeigt die Richtigkeit des Ansatzes. Die kooperative Gestaltung des ÜSB-Projektes fördert und fordert Qualität und ermöglicht den jungen Menschen, umfangreiche Erfahrungen zu sammeln. Für die Zukunft sollte das Spektrum der nachschulischen Angebote aber noch vielfältiger entwickelt und vor allem durchlässiger gelebt werden“, resümierte Schlüter. „Eine erfreuliche Entwicklung zeigt sich in der Zusammenarbeit mit den beteiligten Unternehmen. Viele Betriebe wertschätzen insbesondere die Zuverlässigkeit und das Engagement unserer Praktikanten. Sie machen zudem neue und positive Erfahrungen mit jungen Menschen mit einer so genannten geistigen Behinderung.“

Weitere Informationen sowie eine Broschüre mit vielen Beispielen finden Sie auf der Website des Integrationsfachdienstes Stormarn unter www.ifd-stormarn.de. (Quelle: Kreis Stormarn)

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