Raiffeisenbank: „Europas Bankenpolitik gefährdet die Starken“

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Trittau/Ahrensburg (ve). Die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen leiden unter den Vorgaben aus Europa. Also haben sie in Europa Beschwerde eingereicht – bei Jean-Claude Junker. So erläutert es der Vorstand der Raiffeisenbank Südstormarn Mölln eG.

Raiffeisenbank Südstormarn Mölln eG: Die Vorstände Carsten-Peter Feddersen und Kai Schubert (von links) vor dem Verwaltungssitz in Trittau.

Raiffeisenbank Südstormarn Mölln eG: Die Vorstände Carsten-Peter Feddersen und Kai Schubert (von links) vor dem Verwaltungssitz in Trittau.

Eine dramatische Auswirkung auf die Bankenwelt werde das European Deposit Insurance Scheme (EDIS) haben, vermuten der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. Denn in den Europäischen Ländern gebe es sehr unterschiedlich umgesetzte Einlagensicherungssysteme. „Damit wird eine Transferunion geschaffen, wie sie nie vorhergesehen war. Diese Konsequenzen gilt es sicher auch unseren Kunden gegenüber jetzt zu verdeutlichen.“, heißt es in dem gemeinsamen Schreiben der beiden Verbände an den Präsidenten der Europäischen Kommission. Und: „Die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Vorraussetzungen hierfür fehlen.“

Einlagensicherungssystem: Zum Schaden der starken Länder?

Für Kai Schubert, Vorstand der Raiffeisenbank Südstormarn Mölln eG, ist am Rande einer Bilanzpressekonferenz der Bank in Trittau klar: „Die deutschen Institute sichern in der Gruppe über das Einlagesicherungssystem. Das wird aber nicht in allen europäischen Ländern umgesetzt. Wir sind also die ersten, die zahlen – denn die anderen haben ja nichts.“

Und das sei insbesondere nachteilig für die Genosschenschaftsbanken, Carsten-Peter Feddersen vom Vorstand der Raiffeisenbank: „Wir bedienen uns nicht am Kapitalmarkt, wir arbeiten mit Kundeneinlagen.“ Insgesamt führe diese Politik zu einer Umverteilung der Rücklagen zugunsten südeuropäischer Länder und damit zu einer „Destabilisierung der starken Länder“, so Schubert.

Europäische Regulatorik: Für eine kleine Bank kaum umsetzbar

Noch mehr Kritik an Europa gibt es von Seiten der Raiffeisenbank, Schubert: „Das betrifft die überbordende Regulatorik der Europäischen Union. Diese gilt undifferenziert für alle Banken.“ Kennzahlen würden eingefordert und bewertet auf europäischer Ebene – doch Deutschland sei zum Beispiel eines der wenigen Länder in Europa, in dem es überhaupt Genossenschaftsbanken gibt. Das Geschäftsmodell dieser Banken mit ihrer Mitgliederstruktur, ihrem Mitbestimmungsrecht der Mitglieder und ihrer regionalen Größe werde in der Gesetzgebung nicht berücksichtigt.

Die Raiffeisenbank antwortet auf diese Hürden auf europäischer Union mit einer weiteren Fusion in der Region – ahrensburg24.de berichtete. Gemeinsam mit der Volksbank Lübeck wird sie rückwirkend zum 1. Januar 2016 zur Volksbank Südholstein werden, wenn die beiden Vertreterversammlungen dem im Mai 2016 zustimmen. Schubert: „Die Volksbank Südholstein ist dann die drittgrößte Genossenschaftsbank in Schleswig-Holstein.“

Raiffeisenbank: Positive Bilanz für 2015

Gleichzeitig blickt die Raiffeisenbank auf ein erfolgreiches 2015 – trotz der Niedrigzinsphase. Die Bilanzsumme ist von 621 Millionen Euro auf 670 Millionen Euro gestiegen, die Kundenkredite von 355 Millionen Euro auf 385 Millionen Euro und die Kundeneinlagen von 427 Millionen Euro auf 454 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis liegt wie im Vorjahr bei 6,5 Millionen Euro. Die Bank hat derzeit 396 Mitglieder mehr als in 2014 und damit 16.144.

Ausbildung bei der Bank: Jetzt noch bewerben für 2016

Die Bank wirbt zudem für sich als Arbeitgeber: „Noch nehmen wir für dieses Jahr Bewerbungen für eine Ausbildung zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau entgegen“, betont Carsten-Peter Feddersen. Die Zahl der Bewerber und mehr noch der ausreichend qualifizierten Bewerber gehe immer mehr zurück, so Feddersen. „Für unsere Bank gilt:“, betont Feddersen, „wir bilden circa vier junge Menschen pro Ausbildungsjahr aus und übernehmen sie auch, wenn die Vorraussetzungen stimmen, nach Ende der Ausbildung.“

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