Kommentar: Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung??

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Die Kinder, die ich rief, krieg ich nun nicht betreut – könnte man in Abwandlung eines Zitates aus dem Goethes Zauberlehring sagen. Denn Ahrensburg hat ein Problem mit der Kinderbetreuung – es fehlen immer wieder Hortplätze.

Aber vielleicht lohnt sich ein ausführlicher Blick. Die Eltern wollen diese Kinder, die Kommunen wollen diese Familien. Doch beide sind genau genommen nicht für das Fehlen von Kinderbetreuungsplätzen verantwortlich.

Kommentar zu dem Beitrag: „Hort- und Kindergartenplätze im Sozialausschuss: Eltern fordern, Politik und Verwaltung liefern

Verantwortlich ist eine Bundes- und Landesregierung und ihre Gesetzgebung, die den Eltern vorgaukelt, im Alter von 14 Monaten nach der Elternzeit – man lasse sich diesen Begriff einmal auf der Zunge zergehen – sei ihr Kind aus dem Gröbsten raus. Krippe und Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz lassen vergessen, dass Kinder auch irgendwann in eine Grundschule gehen und – ja, liebe Eltern, das kommt auch noch – auf eine weiterführende Schule. In beiden Einrichtungen ist eine Nachmittagsbetreuung weder gesetzlich noch konzeptionell vorgesehen – zumindest nicht in Schleswig-Holstein. Man erinnere sich: Selbst die verlässliche Grundschulzeit gibt es in Schleswig-Holstein seit gerade mal etwa zehn Jahren.

Und so war eine Aussage auf der Sitzung des Sozialausschusses gestern Abend richtig: Das Problem der fehlenden Nachmittagsbetreuung ist das der Landesregierung. Sie regelt im Schulgesetz die Betreuungszeiten – und denkt nicht daran, den Nachmittag in Form von Ganztagsschulen mit einzubeziehen. Und die Landesregierung kann das Problem weiter geben: Denn die Bundesregierung hat mit dem Gesetz zur Kindergartenbetreuung Fakten geschaffen, die die Eltern und ihre Arbeitgeber vor Probleme stellt, nicht die Landesregierung. Die Bundesregierung zieht sich aus der Affäre mit dem Hinweis, Bildungspolitik ist Ländersache.

Liebe Eltern: Stadtverwaltung und Politik in Ahrensburg sind technisch gesehen für die Hortbetreuung verantwortlich, weil sie sich der Herausforderung stellen. Aber es ist nicht die Stadtverwaltung, die mit zu wenigen Hortplätzen Ihren Arbeitsplatz gefährdet, sondern die Landesregierung, die in der Schulgesetzgebung nach dem Kindergarten ein Betreuungsloch entstehen lässt. Mit dramatischen, aber nicht gerade überraschenden Folgen.

Damit sind fehlende Hortplätze kein Ahrensburger Problem und schon gar nicht das Versagen von Mitarbeitern der Verwaltung. Sie sind das Problem eines Versagens der Politik, die trotz aller Schönrednerei noch immer keine klare Antwort auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat. Wer da sofort mit dem Wort „Kinderbetreuung“ kommt, vergisst die soziale Verantwortung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Denn noch eines sei gefragt: Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz schafft das Bedürfnis nach einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung. Klar ist: Ganztagsschulen sind das Gebot der Stunde, das Deutschland einfach nicht gebacken kriegt. Und trotzdem: Wo bleibt eigentlich die genauso vehement ausgesprochene Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Zeit für die Familie? Wo bleibt die vehement ausgesprochene Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Freizeit und freiem Spiel für Kinder?

Monika Veeh, Herausgeberin ahrensburg24.de

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7 Kommentare

  1. Malinda Berton on

    Hallo Frau Veeh,

    ein toller Artikel. Trifft das Problem haargenau! Ebenso die Kommentare der anderen Damen und Herren. Es wäre wünschenswert, wenn Schleswig-Holstein einen Schritt vorwärts gehen könnte und den Eltern, die arbeiten, hilft, die finanzielle Last der Betreuungskosten etwas aufzufangen. Wie in Hamburg. Denn meistens arbeiten die Frauen in Teilzeit, wenn die Kinder noch klein sind. Allerdings sind die Kita-Beiträge zu zahlen und die Frauen arbeiten mehr Stunden, ohne in der Kasse mehr Geld zu haben, da diese für die Betreuungskosten draufgehen. Da fragen sich viele: Investiere ich da nicht mehr Zeit mit meinem Kind, anstatt nochmal 10 Stunden mehr zu arbeiten, wenn ich am Ende finanziell dasselbe raushabe? Nicht sonderlich motivierend und leider ein Versagen der Politik! Denn im
    Jahr 2016 haben Frauen mit Kindern immer noch den Kürzeren gezogen. Da spreche ich aus Erfahrung. Liebe Grüße und nochmal danke für den wirklich guten Artikel.

    M. Berton

  2. Christian Schmidt on

    Ergänzend ist aber zu sagen, dass die Vergabe der Krippen- und Kitaplätze in Ahrensburg grundsätzlich gut geregelt ist.
    Die Eltern müssen nicht, wie in Hamburg, bei jeder Krippe/Kita selbst vorstellig werden und um einen Platz für ihr(e) Kind(er) „werben“. Die Platzvergabe in Ahrensburg erfolgt aufgrund von objektiven Kriterien.

    Wie in jedem System gibt es auch hier ein paar Schwachstellen. Zum Beispiel erteilt die Verwaltung die festen Zusagen aufgrund des Rechtsanspruches so spät wie möglich.

    Neue Plätze kann leider keine Kommune aus dem Hut zauber, egal wie die Vergabe geregelt ist. Hier ist die (Kommunal-) Politik gefragt und muss die Fehler richten, die an anderer Stelle gemacht wurden.

    Gruß
    Christian Schmidt

  3. Michael Stukenberg on

    Liebe Frau Veeh,
    Sie haben den Nagel ziemlich auf den Kopf getroffen. Es besteht die Gefahr, dass am Ende die Kinder die Leidtragnden sind. Aber ein Aspekt kommt noch dezu: der Bund ist der Hauptprofiteur der ganzen Aktion. Er profitiert doppelt von der Berufstätigkeit der Elterm durch starke Reduzierung der Zuschüsse an die Sozialversicherung und hohe Einkommenssteuerzuwächse.

    Herzliche Grüße M.Stukenberg

  4. Sophie von Hülsen on

    Ergänzend ist aber zu sagen, dass die Vergabe der Krippen- und Kitaplätze sehr wohl in der Stadtverwaltung erfolgt und das System meiner Meinung nach auch nicht überzeugt, abgesehen von mangelnden Kapazitäten sowohl bei den Krippen als auch bei den Tagesmüttern. Was nützt einem der Rechtsanspruch, wenn es keine Plätze gibt- und dazu noch erst sehr spät eine Aussage, ob das Kind untergebracht werden kann. Alle unsere Freunde, die nicht in Ahrensburg leben, schütteln darüber den Kopf.

    • Andreas Hausmann on

      Liebe Frau von Hülsen, lieber Herr Schmidt, lieber Herr Stukenberg,
      da haben die Eltern endlich mal gezeigt, dass es sie in Ahrensburg gibt – das finde ich sehr gut!
      Bislang hat Ahrensburg die Kinderbetreuung kontinuierlich ausgebaut – in Krippe, Kita und Hort! Das finde ich sehr gut!
      Dafür geht auch sehr viel Geld in unserer Stadt in den entsprechenden Haushaltsbereich – das finde ich sehr gut! Das ist auch nötig: Die Kinderbetreuungsplätze sind für unsere Stadt ein wichtiger Standortfaktor, etwas, das unsere Stadt lebenswert, wertvoll und einzigartig macht. Hier leben viele junge Familien mit Kindern, die hier nicht nur konsumieren und das Gemeinwohl unserer Stadt fördern und fordern, sondern auch arbeiten und ihrer Stadt etwas Gutes (Steuern) zukommen lassen.
      Dafür benötigen sie eine verlässliche, qualitativ und zahlenmäßig gut aufgebaute Kita-Infrastruktur – die finden wir hier in Ahrensburg und das finde ich gut!
      Natürlich reichen die Plätze jedes Jahr aufs Neue nicht aus, denn Ahrensburg wächst an allen Enden – jedoch weiter durch junge Familienzuzüge und nicht durch Rentner und Pensionäre, sonst bräuchten wir ja auch keine weiteren Kitaplätze. Die Stadt muss diesen Familien ein breites Spektrum an Krippen, Kitas, Horten und Schulen bieten.
      Dies auch mal vorwegzunehmen und vorausschauend zu planen – das fände ich besser!
      Leider kommen hier aus unserer Politik immer wieder Gegenstimmen auf, gerade in diesen Bereichen nicht zu investieren oder gar zu kürzen – das finde ich nicht gut!
      Schulsanierungen werden weit nach hinten gestellt, Horterweiterungen werden ständig hinterfragt und die Qualität gar angezweifelt – das finde ich ganz und gar nicht gut!
      Die zentrale Platzvergabe von Kita-Plätzen ist dabei übrigens sehr sinnvoll und gewünscht: Nur auf diese Art werden Doppel- und Dreifachmeldungen bei sämtlichen Kitas der Stadt vermieden und nur so können bei Überhängen (Wartelisten) Plätze schnell generiert werden. Die Eltern haben dadurch eine verbindliche Zusage (…leider auch mal Warteliste…), aber sie müssen nicht hinter jeder Kita hinterher sein. Dieses aktuelle Vergabesystem finde ich sehr gut!
      Und eine Bitte an alle Politiker in unserer Gemeinde hätte ich noch: Bitte schieben sie nicht immer die Schuld an fehlenden (von uns „eingeforderten“) Plätzen auf die nächsthöhere Schiene, bis hin zur Bundesregierung: Kitapolitik ist Landessache und gekümmert wird sich in der Gemeinde vor Ort – das finden alle hier gut!
      Eine ehrliche Frage an die mitlesenden Kommunalpolitiker: Welche Kitapolitik auf Landesebene wünschen Sie sich denn?
      Wenn Sie ihre Meinung dann auch mitvertreten und vielleicht sogar noch mit umsetzen dann finde ich das auch gut. Aber bitte nicht immer nur auf die jeweils anderen schieben – das findet keiner gut!

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