„Zwielicht“: Wer war eigentlich Schimmelmann? Vernissage in der Galerie im Marstall

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Ahrensburg (ve). Schimmelmann – das ist doch der mit dem Schloss Ahrensburg. So wissen es sicher viele. Doch der Künstler Michael Struck hat sich die Mühe gemacht, Carl Friedrich Schimmelmann einmal umfassender anzuschauen. Und in seinen Werken die Person Schimmelmanns in Frage zu stellen. Das könnte sogar etwas mit Franz Beckenbauer und Kathar zu tun haben.

Michael Struck zeigt seine Ausstellung "Zwielicht" in der Galerie im Marstall in Ahrensburg.

Michael Struck zeigt seine Ausstellung „Zwielicht“ in der Galerie im Marstall in Ahrensburg.

Michael Struck ist in Husum geboren und hat sein Atelier heute in Niebüll. Doch für die Ausstellung „Zwielicht“, die jetzt in Ahrensburg gezeigt wird, hat er sich viel in Ahrensburg aufgehalten, vornehmlich im Stadtarchiv. „Ich habe viel über die Familie Schimmelmann gelesen, über die Hintergründe ihres Vermögens, über die Zeit bis zum Beginn des 20. Jahrhundert“, erzählt er im Rahmen eines Pressegespräches. Aus all‘ diesen Untersuchungen sei eines deutlich geworden: Eine klare und deutliche Aussage über die Schimmelmanns ist nur schwer zu treffen.

Zwielicht von Michael Struck: Gegen Glorifizierung

Für Kurator Dr. Martin Henatsch, der Michael Struck bei der Idee der Ausstellung begleitet hat, stellt sich das so da: „Schimmelmann wird noch immer in vielen Geschichtsbüchern glorifiziert.“ Das gelte es zu hinterfragen und genau darauf zielte die Arbeit von Michael Struck. Henatsch führte den Atlantischen Dreieckshandel an, mit dem Schimmelmann sein Reichtum erwirtschaftet hat – und der auf Sklavenhandel basiert hat. Gerade auch weil die Menschen damals dazu geneigt hätten, sich in Bildern oder später auf Fotografien besonders positiv darzustellen, bliebe die Wirklichkeit hinter dieser Darstellung oft verdeckt. Die Wirklichkeit wie der Sklavenhandel. Mit diesem Phänomen befasst sich die Ausstellung.

Wie Michael Struck das künstlerisch umsetzt, erläutert Henatsch: „Michael Struck übersetzt Bilder von damals in Monotypien. Die Umrisse der Bildinhalte – Personen, Landschaften – verschwimmen, Konturen sind nicht mehr zu erkennen. Eine geniale Art, den Umstand, dass wir auf den Originalen nicht alles erkennen können, künstlerisch umzusetzen“, betont der Kurator. Michael Struck führe damit eine Historienmalerei fort, wie sei Gerhard Richter zu der RAF gemacht hat.

Der Blick auf die Familie Schimmelmann – und Franz Beckenbauer

Eines will Struck nicht leisten in seiner Ausstellung: den Blick auf heute. Schimmelmann als Sklavenhänder bliebt ein Bild der Geschichte, ein Blick in vergangene Jahrhunderte. Doch müssten wir nicht eigentlich angesichts der Völkerwanderung vom afrikanischen Kontinent in Richtung Europa nach den Gründen fragen – und nicht dort einen modernen Atlantischen Dreieckshandel erkennen? Landet nicht  – auch wenn die Akteure andere sind – der Reichtum dieses Dreieckshandels weiterhin in der westlichen Welt? Und wie gehen wir tatsächlich damit um?

Das wäre die konsequente Weiterführung der These, die Struck in der Ausstellung nur beginnt. Und es wäre eine nahezu geniale Chance, die Frage zu stellen, ob wir das Bild, dass wir heute von uns selbst hier in Europa uns bis nach Ahrensburg haben, nicht auch mächtig schönen. Postkartenbilder eben, wir beruhigen uns mit Hilfe für die Flüchtlinge. Die ist aber nur ein (wichtiges) Pflaster für das Symptom, die Debatte um die Fluchtursachen hat noch gar nicht richtig angefangen. Oder – wie sagte es Beckenbauer zu Fußball-Weltmeisterschaft in Kathar? Er habe noch keinen Menschen in Kathar in Ketten gesehen. Na, dann ist ja alles gut und wir können schon mal die Tickets buchen für das Finale.

Ausstellung in der Galerie im Marstall – Vernissage am Sonntag

Die Ausstellung wird am Sonntag, 13. März 2016, um 11.30 Uhr in der Galerie im Marstall Ahrensburg von Landrat Klaus Plöger eröffnet. Zur Einführung spricht Dr. Martin Henatsch. Am 23. April 2016 um 15 Uhr findet in der Galerie ein Künstlergespräch mit Michael Struck statt. Jeden Mittwoch um 16 Uhr lädt die Galerie im Marstall Ahrensburg zudem Interessierte zu einer Führung durch die Ausstellung ein. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Michael Struck zeigt seine Ausstellung "Zwielicht" in der Galerie im Marstall in Ahrensburg: Blick auf eine der Wände des Ausstellungsraumes, die Struck als Gesamtkunstwerk konzipiert hat.

Michael Struck zeigt seine Ausstellung „Zwielicht“ in der Galerie im Marstall in Ahrensburg: Blick auf eine der Wände des Ausstellungsraumes, die Struck als Gesamtkunstwerk konzipiert hat.

Informationen zur Ausstellung

Laufzeit der Ausstellung:
13. März bis 8. Mai 2016

Eröffnung:
Sonntag, 13. März 2016, um 11.30 Uhr
in der Galerie im Marstall Ahrensburg

Öffnungszeiten:
Mittwoch, Sonnabend und Sonntag, 11 bis 17 Uhr

Ausstellungsort:
Galerie im Marstall Ahrensburg
Lübecker Str. 8
22926 Ahrensburg

Führungen:
Mittwochs um 16 Uhr
Anmeldungen sind nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.

Künstlergespräch mit Michael Struck:
Sonnabend, 23. April 2016, um 15 Uhr, moderiert von Martin Henatsch

Stormarner Kinderatelier zur Ausstellung:
Sonnabend, 23. April 2016, in der Galerie im Marstall
Sonnabend, 30. April 2016, im Atelier Mamülei

Anmeldungen unter Telefon 04102 / 707 81 015 oder per Mail unter kinderatelier@kreis-stormarn.de

Weitere Informationen unter www.galerie-im-marstall.de

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2 Kommentare

  1. Gertrud Tammena on

    Der Künstler hat sich sehr intensiv mit Geschichte, auch mit Lokal-, Regional- und Weltgeschichte auseinandergesetzt, weit über manche Geschichtsbücher hinaus, wie man in der kritischen Ausstellung erfahren kann, die verschiedene Zusammenhänge aufzeigt und viele Denkanstösse gibt. Das steht nicht im Widerspruch zum obigen Kommentar, sondern geht darüber hinaus, wobei die Auswertungen dem Betrachter überlassen bleiben bis hin zu sich selbst im Hier und heute.

  2. Liebe ahrensburg24.de-Leser,
    wenn der Künstler, immerhin ein Schleswig-Holsteiner, jemals ein Geschichtsbuch aufgeschlagen hätte, wüsste er, dass Schimmelmann den Grundstein für sein Vermögen als Kriegsgewinnler im Siebenjährigen Krieg in Preußischen Diensten gelegt hat. Darauf aufmerksam geworden trat er dann in die Dienste von König Christian VII von Dänemark ein, um dessen vor der Pleite stehenden Staat auch durch den Dreieckshandel mit den Dänischen Besitzungen in der Karibik zu sanieren. Wenn ich dann zu heute eine Beziehung herstellen möchte, sehe ich, dass die Kriegsgewinnler heute in unserer Rüstungsindustrie sitzen. Das wäre doch einmal ein Thema.
    Vielleicht verspüren Sie ja einmal Lust, „Schleswig-Holstein, Eine Landesgeschichte“, 2002 Convent-Verlag ab Seite 232 zu lesen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Plage

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