Leserbeitrag: ‚Ahrensburger Politiker: „Denn sie wissen, was sie tun“‘

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Leserbrief zum Beitrag „Gewerbegebiet Beimoor Süd: Eines der größten Gewerbegebiete Schleswig-Holsteins wird noch größer“ von Werner Haering, Ahrensburg.

Nachdem der Bauausschuss den Bebauungsplan 88 B im Gewerbegebiet Beimoor Süd genehmigt hat, wird dieser voraussichtlich auch in der Stadtverordnetenversammlung am 27.06.2016 (19.30 Uhr, Marstall) mit großer Mehrheit beschlossen werden. Damit kommen zu den bereits vorhandenen 174 Hektar des Gewerbegebietes Nord nochmals rund 42 Hektar hinzu. Damit wird Ahrensburg mit dem Gewerbegebiet Nord und Beimoor Süd zum größten Gewerbestandort Schleswig-Holsteins.

Es kann davon ausgegangen werden, dass das Fachmarktzentrum mit „famila“ und der sich in Koexistenz zu „famila“ befindlichen Firmen wie Aldi, Fressnapf, Fitnesscenter und Tankstelle zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls umgesetzt wird.

Im Masterplan Verkehr heißt es: „Von allen untersuchten Ausbauoptionen weisen die nördlichen Netzanschlüsse das beste Aufwand-Nutzen-Verhältnis auf, wobei die „kurze“ Nordtangente zwischen der L82 Lübecker Straße und einem ertüchtigten Kornkamp zu favorisieren ist.“

Ein Beschluss zum Bau der Nordtangente steht seit Jahren aus, weil die Politik andere Präferenzen hat.

Durch massive Gewerbeansiedlung, Wohnbebauung und Bau eines Kindergartens im Gewerbegebiet Beimoor Süd sowie durch die Erlenhofbebauung und Bebauung des Quartiers Reeshoop werden die Verkehrsmengen auf den Hauptverkehrsstraßen, die bereits heute hoch belastet sind, bis 2025 weiter zu nehmen. Beimoorweg: 23.500 Kfz/24h, Verkehrsknoten Beimoorweg/Ostring: 24.000 Kfz, Lübecker Straße und Ostring: 20.000 Kfz.

Damit wird sich die Verkehrs- und Wohnqualität im ohnehin schon neuralgischen Bereich des städtischen Straßennetzes vor allem im Norden von Ahrensburg, aber auch im Bereich AOK-Knoten und Hamburger Straße weiter verschlechtern. Dies alles kann die Politik dem von ihr in Auftrag gegebenen Verkehrsgutachten selbst entnehmen. Dort heißt es: „Die größten Verkehrszuwächse ergeben sich dabei nicht aus den externen Vorgaben (z.B. LKW-Aufkommen, Motorisierung etc.), sondern aus den Entwicklungen in Ahrensburg selber.“

Die Bedenken Hamburgs, dass das Gewerbegebiet Beimoor Süd überdimensioniert ist, die Gemeinde Großhansdorf zusätzlich 2000 Kfz/24 h und Ammersbek eine deutliche Verkehrszunahme auf der L225 befürchtet, wurden von der Stadtverwaltung Ahrensburg als unzutreffend zurückgewiesen.

Zu beanstanden ist, dass die Verkehrszunahme, die sich aus der Erlenhofbebauung ergibt, überhaupt keine Berücksichtigung fand. Ebenso, dass Bürgermeister Michael Sarach, der im April 2015 von der Politik das Mandat erhalten hat, die Variante 15 der Nordtangente mit Delingsdorf zu verhandeln, schweigt und gegen die Gewerbegebietserweiterung Beimoor Süd ohne Nordtangente nichts einzuwenden hat, ist nicht nachvollziehbar.

Fazit: Die Gemeindeverfassung von Ahrensburg lautet: „Alle wichtigen Entscheidungen in Selbstverwaltungsangelegenheiten werden durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen und überwacht“.

Danach treffen 31 Repräsentanten der Bürger (Politiker) alle politischen Entscheidungen.

Dass mit der Gewerbegebietserweiterung Beimoor Süd nicht auch gleichzeitig über den Bau der Nordtangente entschieden wurde, kann als Gesamtversagen der Politik bewertet werden. 13 Jahre (!!!) Variantensuche sind Indiz dafür, dass der politische Wille zum Lösen von Verkehrsproblemen fehlt. Da Delingsdorf, auf dessen Gemeindegebiet die Nordtangente verlaufen würde, nur der südlichen Variante 7 bei Clariant zum Kornkamp seine Zustimmung erteilen will, ist die Variante 15 mit Anbindung an die Kurt-Fischer-Straße hinfällig geworden. (Sitzung des Bau-, Wege- und Planungsausschuss der Gemeinde Delingsdorf vom 27.04.2016)

Politiker entscheiden Politik gemäß ihrer persönlichen Priorität und nicht durch spezielle Kompetenz. Entscheidungen treffen ist eine Rolle, nicht eine Kompetenz. Diejenigen, die eine Entscheidung treffen, sind verantwortlich für das Ergebnis; denn sie konnten anders entscheiden – bei anderer Prioritätensetzung – und zu einem anderen Resultat kommen. Der Bürger weiß längst, dass es sich bei den Verkehrsproblemen von Ahrensburg um Politikversagen seiner Repräsentanten handelt.

Werner Haering, Ahrensburg

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