Integrationskurse an der VHS: Für die Kurse werden Container aufgestellt

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Ahrensburg (ve). Die Volkshochschule Ahrensburg braucht neue Räume. Denn sie bietet die Integrationskurse für die Flüchtlinge, die nun in Containern stattfinden sollen.

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Der Standort der Volkshochschule Ahrensburg in der Bahnhofstraße.

Auf der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ist es zu einer langen Debatte über den Beschluss gekommen. Allerdings ging es dabei nicht darum, die Kurse zu ermöglichen, sondern um die Informationspolitik zur Raumnot im Vorfeld.

Volkshochschule Ahrensburg: Zertifiziert für Integrationskurse

Was wurde beschlossen? Die Volkshochschule Ahrensburg bietet als zertifizierter Anbieter die Integrationskurse für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive. Dies sind Kurse, deren Besuch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Menschen, die in Deutschland leben wollen, vorschreibt. Sie waren bisher nicht Bestandteil des Angebotes der Volkshochschule, sondern sind als Bildungsmaßnahme für die Flüchtlinge neu aufgenommen worden. Für die Flüchtlinge hängt von dem Besuch dieser Kurse alles Weitere ab.

Doch die Ahrensburger VHS hat keine Räume für diese Kurse. Für sechs Kurse mit jeweils 20 Teilnehmer liegen Anmeldungen und Berechtigungen vor. Diese Kurse finden über mehrere Stunden werktags statt. Derzeit müssen die Kursteilnehmer auf den Start der Kurse warten, weil es keinen Standort gibt. Als Lösung schlug die Volkshochschule daher vor, direkt neben ihrem Standort in der Bahnhofstraße Schulungscontainer aufzustellen.

Kurse im Pavillon und in neuen Containern

Inzwischen gibt es zudem eine weitere Lösung. Zwei Kurse können im Schulungspavillon an der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule stattfinden, nachdem ein Angebot des Freundeskreises für Flüchtlinge dort in das ehemalige Pastorat der St. Johanneskirche umgezogen ist. Beide Vorschläge – Nutzung des Pavillons und Aufstellung von zwei Containern – würden es ermöglichen, dass ab dem 1. August 2016 vier Kurse starten können. Für zwei weitere Kurse, für die Anmeldungen vorliegen, gibt es derzeit keinen Standort.

Diesen Lösungen haben die Stadtverordneten bei einer Enthaltung aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zugestimmt. Gleichzeitig haben die Stadtverordneten der Verwaltung den Auftrag erteilt, Schulungsräume zum Beispiel in den Schulen, in Kirchen oder in anderen Einrichtungen zu finden, um die Aufstellung von weiteren Containern zu vermeiden.

Kritik an der Informationspolitik

Zu einer ausführlichen Debatte ist es gekommen, weil die Stadtverordneten sich von der Beschlussvorlage, die einzig die Aufstellung der Container als Lösung vorsieht, überrascht fühlten. Bereits in der Sitzung des Bildungs-, Kultur- und Sportausschusses hätten Mitglieder der Fraktionen darauf gedrängt, dass eine andere Lösung als die Aufstellung von Containern gefunden werden solle. Es sei nicht mit genügend Nachdruck bei den Ahrensburger Schulen nachgefragt worden, ob Räume frei seien.

Stadtverordnete wie Anne Hengstler (CDU) oder Doris Unger (SPD) monierten, dass die Stadtverordneten unter Zeitnot Entscheidungen fällen müssten, für die es nicht genügend Informationen gäbe. Unger erinnert an die Sitzung des Bildungsausschusses: „Wir waren verwundert und haben nachgefragt, diverse Vorschläge wurden unterbreitet. Es wurde nicht gründlich genug überprüft, ob es andere Möglichkeiten gibt. Und wir sind verärgert darüber, dass uns dies als Not derer präsentiert wurde, die die Integrationskurse brauchen.“ So bestünde immer die Gefahr, dass ein Hinterfragen als Problematisierung der Integrationskurse falsch verstanden werden könnte.

Auch Anne Hengstler vermutet, dass in Ahrensburger Schulen noch Räume frei stünden, „was ist zum Beispiel mit der Fritz-Reuter-Schule?“. Sie kritisierte die Aufstellung der Container an der VHS, weil schon jetzt dort ein Büro-Container für die VHS aufgestellt worden sei, von dem die Stadtverordneten keine Kenntnis hatten. Schon in diesem Falle habe die Informationspolitik der Verwaltung versagt.

„Dieser Container ist erforderlich, weil wir an dem Standort keinen Büroraum für die Leitung der VHS haben“, erläutert es Heike Gielnik, kommissarische Leitung der VHS, gegenüber ahrensburg24.de. Nach dem Ausscheiden der bisherigen Leiterin Gisela Euscher und der Einstellung eines neuen Leiters brauche die VHS diesen Büroraum. „Wie über die Aufstellung dieses Containers informiert worden ist, werde ich prüfen“, sagt Bürgermeister Michael Sarach auf Anfrage von ahrensburg24.de.

Für die Raumnutzung der Integrationskurse allerdings sehe er wenig andere Möglichkeiten, als die jetzt beschlossenen: „Die Stormarnschule ist ausgebucht, das Schulzentraum am Heimgarten kommt aus technischen Gründen wegen der Schließanlage nicht in Frage und in der Fritz-Reuter-Schule ist der Oberstufenunterricht der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule und eine neue Hortgruppe untergebracht.“ Es sei nicht ausgeschlossen, dass im Vorfeld des Beschlusses aufgrund der Zeitnot – die Kurse sollen am 1. August beginnen – Informationen in und zwischen den Ausschüssen nicht ausreichend weitergegeben worden seien.

Hans-Peter Weiß vom Netzwerk Migration und Integration verfolgte die Debatte: „Damit haben die Stadtverordneten ein wichtiges Signal für die Integration der hier lebenden Flüchtlinge gesetzt. Die der Entscheidung vorangehende Debatte war zwar sicher keine Sternstunde für einen sachlichen politischen Diskurs. Doch der Wille zur Einigung und zur Hilfe für die Flüchtlinge überwog die Bedenken und so kam der Kompromiss zu Stande, der offene Fragen und Verfahrenskonflikte nicht ignoriert und trotzdem den Sprachunterricht für die Flüchtlinge kurzfristig möglich macht.“

Die Kosten für den Aufbau der Container für die Integrationskurse übrigens muss nicht die Stadt tragen, denn die übernimmt das BAMF.

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