Kommentar zur SPD Stormarn: Über die Freude eines Dritten

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Wenden wir dies doch einmal auf die Kandidatur zur Kandidatur an, der sich die SPD Stormarn derzeit selber aussetzt.

Der Dritte wäre in diesem Fall nicht SPD, sondern CDU – Tobias Koch, CDU-Landtagsabgeordneter, CDU-Kreisvorsitzender, CDU-Fraktionsvorsitzender in Ahrensburg und Kandidat im Wahlkreis Stormarn Mitte. Kein politisches Leichtgewicht.

Kommentar zum Beitrag: „Landtagswahl 2017 bei der SPD: Tobias von Pein und Benjamin Freitag – Der Besonnene und der Rebell

Wenn die SPD politisch handeln würde, würde sie alles daran setzen, einen erfolgreichen Landtagskandidaten zu stärken, um die Chancen auf ein Direktmandat zu erhöhen. Denn immerhin: Tobias von Pein kam bis auf wenige Stimmen an Tobias Koch heran bei seiner ersten Kandidatur.

Doch die SPD handelt nicht politisch, taktiert nicht, sondern lässt rebellieren – und letzeres ist nicht mein Wort. Sie lässt einen Gegenkandidatur in Stormarn Mitte zu, deren Motive mit Stormarn Mitte scheints wenig zu tun haben. Das könnte die Qualität ihrer lebendigen Debattenkultur und die Integrationsfähigkeit der Stimmungslage ihrer Mitglieder belegen. Das könnte belegen, dass es für die SPD wichtig ist, sich in internen Debatten stets selber zu erden.

Die SPD handelt nicht politisch, sondern verlegt die Kandidatur für die Kandidatur in die Öffentlichkeit. Das könnte ein Beleg dafür sein, dass sie Transparenz pflegt, sich offen in die Karten schauen lässt und Authentizität in den Vordergrund stellt.

Wäre da nicht der Konjunktiv. Drehen wir ihn mal um: Was wäre, wenn die SPD Stormarn sich nach außen geschlossen und massiv hinter Tobias von Pein gestellt hätte? Die Debatte intern gelassen hätte und sich stattdessen darauf gestürzt hätte, die Arbeit ihres Landtagsabgeordneten massiv zu loben und zu bewerben? Mit aller Macht ihren Neu-, Alt- oder Gerade-mal-nicht-Wählern die Bedeutung eines starken Direktmandates und die Qualität des Kandidaten zu verklickern?

Hätte ihr irgendjemand vorgeworfen, nicht authentisch zu sein? Hätte ihr irgendjemand vorgeworfen, Debatten nicht zuzulassen? Wohl nur dann, wenn sie tatsächlich nicht von der Qualität ihres Kandidaten überzeugt wäre, wovon nicht wirklich auszugehen ist.

Hätte ihr irgendjemand vorgeworfen, politisch zu taktieren? Einer politischen Partei? In einer Zeit, in der ihr die Wählerinnen und Wähler nicht gerade zufliegen? Mancher würde es vielleicht sogar verlangen.

Eine Kritik an von Pein ist im aktuellen Wahl-Wahlkampf nicht zu erkennen, Gegenkandidat Freitag kritisiert die alte Dame SPD grundsätzlich. Ob mit Recht oder ohne ist die zweite Frage, die erste ist, wo er es tut: In einem Wahlkreis, in dem die SPD vielleicht sogar Chancen auf ein Direktmandat hätte. Oder in dem sie sich darauf verständigen könnte, dass sich ein Dritter freut.

Schwingen wir uns einen Konjunktiv höher: Freitag könnte diesen Wahlkreis gewählt haben, weil gerade das ihm mancher als Risiko insgesamt für den Wahlkreis anlasten könnte und er in anderen Wahlkreisen weniger Aufmerksamkeit erreicht hätte. Aber das wäre politisches Taktieren gewesen – und wer will das schon?

Monika Veeh, Herausgeberin ahrensburg24.de