Dritte Wandelkonzert in Ahrensburg: So schön kann Shakespeare sein

0

Ahrensburg (ve). Zum dritten Mal hat das Ensemble aus Schloss, Marstall und Schlosskirche zu einem Wandelkonzert geladen. Und dabei einen überraschend erfrischenden Shakespeare präsentiert.

Der gute Brite, 400 Jahre ist er – beziehungsweise das, was die Literaturwissenschaft als William Shakespeare definiert – nun tot. Oft gespielt, in vielen Schulen auf dem Stundenplan, gerne gesehen im Theater, mal modern, mal traditionell. Aber doch nur wenig greifbar, noch weniger zu verstehen – auch auf deutsch. Und doch in seinen über 400 Jahre alten Texten erschreckend aktuell. So haben ihn die Akteure des dritten Wandelkonzertes präsentiert, das den Großmeister des Theaters zum Thema gemacht hat.

Drittes Wandelkonzert mit Musik zu 400 Jahre William Shakespeare: Der Schauspieler Siegfried W. Kernen bei seinem Vortrag Gartensaal des Schlosses Ahrensburg.

Drittes Wandelkonzert mit Musik zu 400 Jahre William Shakespeare: Der Schauspieler Siegfried W. Kernen bei seinem Vortrag Gartensaal des Schlosses Ahrensburg.

Sonette „Dark Lady“ von William Shakespeare, gelesen von Siegfried W. Kernen

Und wenn sich ein Siegfried W. Kernen den Guten vornimmt, dann hat auch das Publikum etwas davon. Kernen belässt es nicht nur bei seinem gewohnt atmosphärisch dichten Rezitieren in diesem Fall der Sonette „Dark Lady“. Nein, er nimmt die Zuhörer mit auf seine ganze eigene Entdeckungsreise dieser Sonette. Entlarvt in seinen erläuternden Beiträgen die Selbstverliebtheit der Fußballer oder einer Alice Schwarzer ganz nebenbei und absolut sinnhaftig. Und zeigt, warum er diesen Zyklus für einen der schönsten der Liebeslyrik hält. So wird ganz am Rande wieder einmal klar, dass Lyrik eben vorgetragen werden muss, gut vorgetragen, um vollendet zu wirken.

Wunderbar stimmungsvoll haben Martin Karl Wagner und Janina Albrecht an Flöte und Harfe die Lesung ergänzt und sich nach Stücken von Henry Purcell und John Dowland in immer neuen Variationen von „Greensleeves“ gefallen. Musik aus Shakespeares Zeit gab es auch in der Schlosskirche, passend zum Veranstaltungsort mit sakralem Hintergrund. Die Ernsthaftigkeit und geistige Durchdringung dieser Musik, vorgetragen von Anne-Kristin Blöß (Gesang) und Ulrich Hein (Klavier), stand im deutlichen Kontrast zu den Programmen der anderen beiden Spielorte.

Drittes Wandelkonzert mit Musik zu 400 Jahre William Shakespeare: Eva Monar bei ihrem Vortrag in der Remise des Marstall.

Drittes Wandelkonzert mit Musik zu 400 Jahre William Shakespeare: Eva Monar bei ihrem Vortrag in der Remise des Marstall.

Wandelkonzert in Marstall, Schloss und Schlosskirche: Begeistertes Publikum

Denn nebenan in der Remise des Marstall übersetzte die Sopranistin Eva Monar, am Klavier begleitet von Thomas Goralczyk, Shakespeare in die Neuzeit. „Öffnen Sie ihren Assoziationshintergrund“, fordert Thomas Goralczyk das Publikum auf, „es ist Shakespeare – und verstehen kann man sowieso nicht alles.“ Eva Monar öffnete ihre Stimme und feuerte ihrem Publikum kraftvolle Interpretationen entgegen. Ihre „Titania“ aus dem Sommernachtstraum ist mal freundlich und mal schnippisch, mal zurückhaltend und mal fast auf die Füße tretend. Bravo-Rufe gab es dafür in der Remise. Auch übrigens zu „So in love“ aus „Kiss me Kate“, bei dem sich Thomas Goralczyk und Armin Diedrichsen als kleines Vergnügen am Rande in den Gesang gesellten und drei Stimmen erklangen.

Fast ausverkauft war dieses Wandelkonzert. Und wer sich auf das Wagnis Shakespeare eingelassen hatte, wurde reichlich belohnt. Das Wandelkonzert an den drei Spielstätten hat sein Publikum und seine Fans – möge es nachhaltig genug konzipiert sein, dass es diese auch in Zukunft hat.

image_pdfimage_print
Teilen.

Kommentieren