Delikatessen Boy: Familie Boy hört nach 91 Jahren auf/Laden bleibt bestehen

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Ahrensburg (ve). Es ist ein Ende – und doch wieder nicht. So hoffen es Marion und Jörg Boy. Die langjährigen Inhaber von Delikatessen Boy haben ihr Geschäft verkauft.

Delikatessen Boy: Marion und Jörg Boy haben das Geschäft verkauft, seit 1925 war es in Familienbesitz.

Delikatessen Boy: Marion und Jörg Boy haben das Geschäft verkauft, seit 1925 war es in Familienbesitz.

Seit drei Generationen ist Delikatessen Boy das Geschäft der Familie Boy. Gegründet hat es Otto Boy 1925 in Grevesmühlen, 1927 zog er mit seiner Familie nach Reinfeld. 1931 eröffnete er dann in der Manhagener Allee in Ahrensburg eine Filiale – bis heute ist der Laden an eben diesem Standort. Und sowohl Sohn Hans-Ludwig Boy mit Ehefrau Ilse als auch Enkel Jörg Boy mit Ehefrau Marion haben das Geschäft weitergeführt. Bis zum 30. September 2016.

Delikatessen Boy: Neue Perspektive für das 91 Jahre alte Unternehmen

„Es hat sich einfach so ergeben“, sagen Marion und Jörg Boy im Gespräch mit ahrensburg24.de. Christopher Kroschke von der Kroschke AG sei auf sie zugekommen und hätte ihnen die Übernahme des Geschäftes und des Hauses in der Manhagener Allee angeboten – inklusive der sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Das passte einfach, auch in den Verhandlungen, und so haben wir jetzt verkauft“, erzählen die damit ehemaligen Inhaber.

Die Veränderung in ihrem Leben wird groß – denn sie verlassen die Schlossstadt bereits Mitte Oktober in Richtung Süddeutschland. „Das haben wir vor 1985 auf unserer Hochzeitsreise mal gesagt“, erinnern sie sich lachend. „Damals haben wir dort Urlaub gemacht“, erzählt Marion Boy, „und mein Mann sagte zu mir: ‚Wenn wir mal eines Tages in Rente gehen, ziehen wir hier her!’“

Das es nun tatsächlich so kommt, ist eigentlich Zufall. Denn eine ihrer Töchter lebt inzwischen in der Nähe von Freiburg. Der Wunsch nach familiärer Nähe fällt zusammen mit dem Plan von damals.

Der Wandel im Lebensmittel-Geschäft: Der erste Selbstbedienungsladen

Marion und Jörg Boy verlassen ein Geschäft, das wie kaum ein anderes die Innenstadt von Ahrensburg prägt. Jörg Boy ist dort aufgewachsen, „ich habe als Dreijähriger schon unter dem damaligen Holztresen die Mehl- und Zuckerverpackungen eingeräumt, weil ich klein genug war, da drunter zu kriechen“, erinnert er sich. Aus dem ehemaligen Kolonialwarengeschäft zu Beginn wurde ein Delikatessenhandel mit Speisen aus eigener Herstellung und zeitweise einer eigenen Bäckerei. Später ist zum Verkauf der Delikatessen ein Catering-Service hinzu gekommen, der heute 20 Prozent des Umsatzes ausmacht.

„Wir waren das erste Geschäft in Ahrensburg, das als Selbstbedienungsladen eingerichtet worden ist“, erzählt Jörg Boy. Seine Mutter Ilse Boy war gewissermaßen eine Pionierin, denn sie war die erste Kassiererin in Ahrensburg an der Kasse eines solchen Selbstbedienungsladens. „Der Lebensmittelhandel hat sich sehr stark verändert in all‘ den Jahren“, sagt Jörg Boy, „da muss man sich eben immer wieder neu erfinden.“

Sie gehörten zum Stadtfest Ahrensburg seit 1987 dazu: Die Kartoffelpuffer von Jörg und Marion Boy. Ein Bild vom Stadtfest 2014.<br /> Foto:M.Veeh

Sie gehörten zum Stadtfest Ahrensburg seit 1987 dazu: Die Kartoffelpuffer von Jörg und Marion Boy. Ein Bild vom Stadtfest 2014.
Foto:M.Veeh

In die Herzen der Ahrensburger haben sich die Boys vor allem mit ihren Kartoffelpuffern gebacken. Die gibt es seit 1987 jedes Jahr auf dem Stadtfest Ahrensburg. In einer großen Pfanne werden sie von Marion Boy frisch gebacken, Schlange stehen ist meist Pflicht für Puffer-Fans. Marion Boy ist selber großer Fan der Kartoffelpuffer. „Als ich Kind war, hat meine Mutter sie oft zubereitet.“ Und die Puffer auf dem Stadtfest? „Es ist alles Handarbeit“, betont sie. „Die Kartoffeln werden selber geschält und gepresst, die Masse muss genau die richtige Konsistenz haben, damit die Puffer gut in der Pfanne liegen.“ Grob geschätzt sind in all’ den Jahren 150.000 Puffer auf den Stadtfesten durch ihre Hände gegangen. Das ist nun vorbei.

Gelebt haben die Boys immer in Ahrensburg – und gearbeitet auch: „Meist sieben Tage die Woche, wenn noch Veranstaltungen am Sonntag dazu kamen.“ Und immer waren sie vorne im Geschäft dabei, „Büroarbeit machen wir morgens für oder abends spät.“ Denn im Delikatessen Geschäft zählt eines: „Die Kunden fragen nach und wollen eine Beratung über die Produkte. Unser Personal sind Fachkräfte, wir können alles über unsere Produkte erzählen.“

Das Geschäft bleibt ohne die Boys in Ahrensburg erhalten, die Mitarbeiter bleiben im Unternehmen. Eine kurze Umbaupause wird es allerdings geben. Und dann dürfen die Ahrensburger gespannt sein, was aus einem der ältesten Geschäfte der Stadt wird. Marion und Jörg Boy werden das aus der Ferne beobachten können – ahrensburg24.de wünscht dabei alles Gute!

Blick auf das Geschäft Delikatessen Boy in der Manhagener Allee.

Blick auf das Geschäft Delikatessen Boy in der Manhagener Allee.

Neue Perspektive für Delikatessen Boy: Für die Mitarbeiter Egon Pries und Veronique Esling geht es weiter, Marion und Jörg Boy  (von links) dagegen scheiden Ende September aus.

Neue Perspektive für Delikatessen Boy: Für die Mitarbeiter Egon Pries und Veronique Esling geht es weiter, Marion und Jörg Boy (von links) dagegen scheiden Ende September aus.

Blick auf das Geschäft Delikatessen Boy in der Manhagener Allee.

Blick auf das Geschäft Delikatessen Boy in der Manhagener Allee.

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