Aktion der Flüchtlinge für Frieden und Toleranz: Die Geschichte einer Rose

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Ahrensburg (ve). Es ist die Geschichte einer Rose, die ein Sinnbild sein mag für die Situation der Flüchtlinge in Ahrensburg. Geschehen heute in der Großen Straße.

Kundgebung der Flüchtlinge "Für Frieden und Toleranz - Gegen Terror und Hass" in der Großen Straße in Ahrensburg.

Kundgebung der Flüchtlinge „Für Frieden und Toleranz – Gegen Terror und Hass“ in der Großen Straße in Ahrensburg.

Rund 120 Flüchtlinge stehen mitten in der Innenstadt von Ahrensburg auf dem Grandplatz in der Großen Straße. Sie haben organisiert von Ahmed Jaf und Heinz Gérard zu einer Kundgebung geladen „Für Frieden und Toleranz – Gegen Terror und Hass“. Denn sie sind nach den Verhaftungen dreier Terrorverdächtiger in Ahrensburg, Großhansdorf und Reinfeld in Sorge und Angst – auch um das Miteinander in ihrer neuen Heimat Deutschland. Mitten drin Bürgervorsteher Roland Wilde und Bürgermeister Michael Sarach sowie Axel Fricke, Vorsitzender des Freundeskreises für Flüchtlinge.

Kundgebung der Flüchtlinge: Sie verschenken 100 Rosen

Und weil die Flüchtlinge auf die Ahrensburger zugehen möchten, verschenken sie Rosen. Schöne große langstielige Rosen. Ahmed aus Syrien (Name von der Redaktion geändert) möchte Bürgermeister Sarach eine Rose schenken, doch der verweist freundlich darauf, dass seine Frau bereits eine habe und Ahmed seine doch jemandem anderes schenken möchte, damit noch weitere Menschen dieses Geschenk erhalten können.

Soweit so gut – nur Ahmed versteht das nicht. Darf man einem Mann in Deutschland keine Rosen schenken? Darf man einem Bürgermeister keine Rose schenken? Hat er etwas falsch gemacht? – sind seine großen Fragen. Verunsichert wendet er sich an seine Patin, die kurzerhand gemeinsam das Gespräch mit Sarach sucht. Alles ein Missverständnis, stellt sich schnell heraus. Die Geste des Syrers war aus seiner Sicht korrekt, die Geste des Bürgermeisters aus seiner ebenso. Nur – verstanden haben sich beide nicht.

Es ist nur die kleine Geschichte einer Rose, doch sie zeigt die Barrieren, die in der Gesellschaft überwunden werden müssen. Aus einem Missverständnis entsteht Verunsicherung, Unmut, vielleicht sogar Angst. In dem Fall der Rose konnte alles schnell und nachhaltig aufgeklärt werden – noch lange stehen Sarach und Ahmed beieinander und tauschen sich aus. Doch wieviele dieser Missverständnisse bleiben und prägen das Gefühl der Deutschen und der Flüchtlinge?

Kundgebung der Flüchtlinge "Für Frieden und Toleranz - Gegen Terror und Hass" in der Großen Straße in Ahrensburg. Sabine und Michael Sarach im Gespräch mit Ahmed.

Kundgebung der Flüchtlinge „Für Frieden und Toleranz – Gegen Terror und Hass“ in der Großen Straße in Ahrensburg. Sabine und Michael Sarach im Gespräch mit Ahmed.

Die Aktion in der Ahrensburger Innenstadt war ein offensiver Versuch der Flüchtlinge, den Missverständnissen vorzubeugen. Sie standen bereit, mit Deutschen zu reden, sich auszutauschen. Vielfach unterstützt vom Freundeskreis für Flüchtlinge, von vielen ehrenamtlichen Deutschlehrern, von Paten. Zahlreichen Kommunalpolitiker mischten sich ebenfalls in die Menge.

„Mich freut“, sagt Organisator Heinz Gérard, „dass so viele von den jugendlichen Flüchtlinge heute dabei sind und sich zeigen.“ Und auch wenn die Kommunikation aufgrund der Sprachbarrieren nicht ganz einfach war – selbst englisch half in manchen Fällen nicht weiter – entstand auf dem Grandplatz in der Großen Straße das Bild einer gemischten und integrierten Gemeinschaft.

Mit dabei: Mitglieder des Freundeskreises für Flüchtlinge, Paten, Deutschlehrer

Es zählt die Botschaft der Flüchtlinge, sich offen zu zeigen und Offenheit zu gestalten. Nicht alle können das: „Viele Syrer“, sagt die Patin von Ahmed im Gespräch mit ahrensburg24.de, „können nicht in die Öffentlichkeit gehen. Wenn ihre Gesichter oder ihre Namen in der Presse genannt werden und das in Syrien bekannt wird, sind ihre Familien dort in Gefahr.“ Und auch nicht alle wollen offensiv in der Öffentlichkeit stehen.

„Wichtig ist“, sagt Sarach, „dass die Flüchtlinge nicht mit dem Gefühl hier sind, sie müssten sich entschuldigen. Denn sie müssen es nicht – auch nicht nach den Verhaftungen. Es ist doch nicht verwunderlich, dass unter den vielen Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, auch schwarze Schafe sein können.“ Für Sarach stehe im Vordergrund, dass diese Aktion von den Flüchtlingen initiiert worden sei, sie ermögliche Gemeinsamkeit der Ahrensburger und der Flüchtlinge.

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