Neuwahl Kirchengemeinderat Ahrensburg: Das sind die Kandidaten

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Ahrensburg (ve). Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Ahrensburg kann sich neu aufstellen – mit der Wahl eines neuen Kirchengemeinderates. Jetzt haben sich die Kandidatinnen und Kandidaten bei einer Gemeindeversammlung vorgestellt.

Wahl zum neuen Gemeinderat der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg: 25 der 30 Kandidatinnen und Kandidaten am Abend  der Vorstellung in der Schloßkirche.

Wahl zum neuen Gemeinderat der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg: 25 der 30 Kandidatinnen und Kandidaten am Abend der Vorstellung in der Schloßkirche.

Bei einer Gemeindeversammlung in der Schloßkirche am Montag Abend haben sich 25 der 30 Kandidaten den Fragen der Kirchenmitglieder gestellt. Eine ruhige aber sehr intensive Debatte mit großem emotionalem Engagement hat gezeigt, dass die Kirchengemeinde danach strebt, sich neu zu finden.

Im Zuge der Missbrauchs-Affäre der Ahrensburger Kirchengemeinde sowie der Debatte um die Finanzsorgen und der zeitweiligen Schließung der St. Johanneskirche hatte der Kirchengemeinderat einen schweren Stand. Aus unterschiedlichen Gründen sind daher Ende 2014 so viele Mitglieder aus dem Rat zurückgetreten, dass das Gremium aufgelöst werden musste. Seitdem übernimmt ein Beauftragtengremium die Arbeit des Rates in der Gemeinde. Mit der Wahl im November 2016 kann die Kirchengemeinde nun wieder ein Gremium aus den eigenen Reihen stellen.

Kirchengemeinderat: Mitglieder wählen 13 von 30 Kandidaten

Als Kandidatinnen und Kandidaten für die 13 zu wählenden Delegierten stehen 30 Mitglieder der Gemeinde ganz unterschiedlicher Couleur zur Wahl. Wenige junge, die jüngste Kandidatin ist die 21-jährige Theologie-Studentin Jessica Heinrich, sind dabei. Alle aber sind sich der Vergangenheit ihrer Kirchengemeinde bewußt und ringen um einen Neuanfang, das wurde in ihren kurzen Selbstbeschreibungen deutlich.

„Wir brauchen ein konstruktives Miteinander, auch für die Johanneskirche“, sagte zum Beispiel Susanne Geißler-Schön. „Wir sollten einen Schlussstrich ziehen, mein Wunsch ist ein Neuanfang“, benennt es Dagmar Henning-Greve. „Aus meiner Erfahrung in der Jugendarbeit“, so der ehemalige Vorsitzende des Kreisjugendringes Jan Hansen, „ist mir besonders die Partizipation ein Anliegen. Unsere Kirchengemeinde sollte eine Gemeinde für alle sein.“

Irene Karsten hatte die Informationspolitik im Blick: „Der neue Kirchengemeinderat sollte alle Mitglieder frühzeitig und umfassend informieren und an Entscheidungsprozessen beteiligen.“ Das sollte, so strebt es Brigitte Köhn an, „offen und im freundlichen Umgang miteinander“ geschehen. Auch für Margit Kreß ist das ein Anliegen: „Man kann alles ansprechen, aber es sollte konstruktiv und sachlich geschehen.“ Auch für sie sind Transparenz und Partizipation zentrale Begriffe einer möglichen Amtszeit: „Wir müssen dafür sorgen, das Mitglieder der Gemeinde sich angenommen und aufgehoben fühlen.“

Für Florian Lemberg steht die Gemeinde vor einer großen Aufgabe: „Es gibt tief enttäuschte, sprachlose, sich misstrauende Gemeindemitglieder. Es lohnt sich, dagegen zu kämpfen.“ Dr. Günter Ott findet andere Worte dafür: „Aus dem Gegeneinander sollte ein Miteinander werden, das Gegeneinander tut mir in der Seele weh.“ Das ginge, so sprach es Wiebke Pinkowsky an, mit einer „wertschätzenden, lösungsorientierten“ Debattenkultur. Pfarrer im Ruhestand Herbert Meißner schließlich führte zurück zum Glauben: „Wir sollten gemeinsam Gottes Wort hören und uns nicht gegenseitig den Glauben absprechen.“

So mancher Kandidat nannte die Aufgabengebiete, für die er sich einsetzen wolle. Ursula-Inga Mühlfeld würde als Finanzwirtin gerne ihr berufliches Wissen bei Haushaltsthemen und Liegenschaften einbringen, auch Dr. Günter Ott, ehemals bei einer Sparkasse tätig, sieht dort sein Aufgabenfeld. Der Betriebsrat Udo Pfahl wünschte sich ein Ende der Graben- und Lagerkämpfe, „ich weiß aus Erfahrung, dass die sehr belastend sein können.“

Hans Reinert liegt die Öffentlichkeitsarbeit am Herzen, „ich wäre für eine Erweiterung des Kirchenblattes, in dem ein Meinungsaustausch möglich werden sollte.“ Das findet auch Holger Scheer, der als Grafiker und Theologe die Öffentlichkeitsarbeit insbesondere mit Blick auf die Jugend für zentral hält: „Wir könnten zum Beispiel festlegen, dass einmal im Monat der Gottesdienst von den Jugendlichen gestaltet wird.“

Marc Schwering ist Informatiker, er wünscht sich bessere Dialogbereitschaft und einen besseren Informationsaustausch und möchte gleichzeitig in der Jugendarbeit für die Gefahren der neuen Medien sensibilisieren. Dorothea Thie ist seit langem im Kirchenvorstand tätig und Mitglied in der Synode, sie hofft darauf, im neuen Kirchengemeinderat diese Arbeit fortführen zu können.

Einige der Bewerber sind im Förderverein St. Johanneskirche Ahrensburg tätig oder stehen diesem nahe und benennen es als ein Anliegen, dass in Ahrensburg alle drei Predigtstätten erhalten bleiben. Dazu gehören Hans-Peter Hansen, Dr. Günther Ott, Dr. Elisabeth Tuch, Fabian Garthe und Hans Reinert.

Die Kandidatinnen und Kandidaten stellten an diesem Abend den Wunsch nach konstruktiver Zusammenarbeit von Kirchengemeinderat und Gemeinde vielfach in das Zentrum. Eine zwar nicht gelöste, aber dennoch gemeinschaftliche Stimmung lässt vermuten, dass die Kirchengemeinde Ahrensburg insgesamt darauf hofft, mit dieser Wahl zum Kirchengemeinderat zu einem neuen Kirchenleben zu finden.

Wahl zum neuen Gemeinderat der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg: Die Mitglieder der Kirche befragten die Kandidatinnen und Kandidaten.

Wahl zum neuen Gemeinderat der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg: Die Mitglieder der Kirche befragten die Kandidatinnen und Kandidaten.

Bewerbungen für den Kirchengemeinderat: Der Fall Sigrid Steinweg

Und doch gab es ein Haken: der Fall Sigrid Steinweg. Sie ist seit 1997 im Kirchenvorstand oder Kirchengemeinderat Mitglied und wollte sich auch für diese Wahl aufstellen lassen. Allein – ihre Bewerbung wurde nicht zugelassen. Die erboste Ruheständlerin brachte ihre Enttäuschung darüber auf der Versammlung zum Ausdruck: „Man darf Meinung nicht verbieten“, sagte sie. Sie habe gegen die Ablehnung Beschwerde eingereicht. Sigrid Steinweg hat in die Debatten der vergangenen Jahre immer wieder ihre Sicht auf die Arbeit des Kirchengemeinderates und insbesondere die Nicht-Öffentlichkeit der Sitzungen moniert.

Auf der Versammlung dabei war Pastor Helgo Matthias Haak. Er meldete sich gegen Ende der Versammlung zu Wort: „Man könnte Sie eigentlich alle wählen“, wandte er sich an die Kandidatinnen und Kandidaten. Und: „Ich sehe mit großer Vorfreude darauf, dass die Gemeinde bald wieder von einem demokratisch gewählten Gremium geleitet wird.“

Von diesen 30 Kandidaten werden 13 Personen gewählt: Horst Aschmann, Ulrich Fornoff, Fabian Garthe, Heidrun Gruner, Susanne Geißer-Schön, Hans-Peter Hansen, Jan Hansen, Jessica Heinrich, Claudia Heinrich-Philipp, Dagmar Henning-Greve, Irene Karsten, Inga Knabe, Brigitte Köhn, Margit Kreß, Renate Kunze, Florian Lemberg, Herbert Meißner, Ursula-Inga Mühlfeld, Dr. Günter Ott, Udo Pfahl, Weibke Pinkowsky, Hans Reinert, Holger Scheer, Karen Schmick, Marc Schwering, Dr. Renate Stollberg, Dorothea Thie, Dr. Elisabeth Tuch, Karin von der Lieth und Jürgen Wahl.

Die Wahl selber findet am Sonntag, 1. Advent, 27. November 2016, in den Mittagsbuden an der Schloßkirche statt. Parallel dazu wird es einen Weihnachtsmarkt geben. Nach dem Festgottesdienst um 11 Uhr wird das Wahlbüro um 12 Uhr öffnen. Auch eine Briefwahl ist möglich.

Die Arbeit des Beauftragtengremiums ist an dem Tag beendet, an dem der neue Kirchengemeinderat im Gottesdienst eingeführt wird. Diese Einführung ist die letzte Handlung des Beauftragtengremiums. Der Stab wird symbolisch dann weitergegeben. Als Termin dafür ist der 15. Januar 2017 geplant. Das Beauftragtengremium steht das unter der Leitung von Pastorin Ursula Wegmann. Es bestand aus fünf ehemaligen Mitgliedern des Ahrensburger Kirchengemeinderates und fünf Mitgliedern des Kirchenkreises, das sind Pastorin Ursula Wegmann, Dr. Martin Ernst, Mitglied des Kirchenkreisrates, Jürgen Preine, Leiter der Finanzabteilung des Kirchenkreises, Klaus Nikolai, Abteilung Aufsicht und Recht im Kirchenkreis, Remmer Koch, Pressesprecher des Kirchenkreises. Aus der Ahrensburger Kirchengemeinde sind Andrea Obernolte-Greinke und Norman Christiansen in dem Gremium. Inzwischen ausgeschieden sind Christian Werner, Ruth Wölber und Dagmar Henning-Greve.

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