Gerhard Delling im Marstall: Ja, es ging auch um Fußball

0

Ahrensburg (ve). Gerhard Delling ist immer dann im Fernsehen zu sehen, wenn irgendwo auf der Welt 22 Männer hinter einem Ball her laufen. In sein Leben mit dem Fußball gewährte er in der Remise des Marstall Einblick.

Journalist und Fernseh-Moderator Gerhard Delling bei seiner Lesung in der Remise des Marstalls.

Journalist und Fernseh-Moderator Gerhard Delling bei seiner Lesung in der Remise des Marstalls.

Ja – es ging auch um Fußball. Und ja – es ging um die Momente, um die jeder den Journalisten und Fernseh-Moderator Delling beneidet. Er saß beim Spiel Deutschland – Brasilien bei der Fußball-Weltmeisterschaft  2014 im brasilianischen Maracana-Stadion in Rio de Janeiro in der zweiten Reihe. Er stand beim Elfmeter-Schießen Deutschland – Italien bei der Europameisterschaft 2016 in Bordeaux zwischen den beiden Trainerbänken am Spielfeldrand. „Und ich weiß nicht, wie viele wildfremde Menschen mir abwechselnd von der italienischen oder der deutschen Trainerbank jeweils um den Hals gefallen sind“, erzählt er lachend. Um mit einem zwinkernden Auge über das Spiel Deutschland – Brasilien zu berichten: „Vor uns saß eine brasilianische Familie, die hätte auch zur Mafia gehören können. Nach der Hälfte der Tore hörten wir hinter ihnen auf zu jubeln und fürchteten, sonst erschossen zu werden. Nach dem sechsten Tor für die Deutschen fürchteten wir, dass jetzt die brasilianische Mannschaft erschossen wird.“

Gerhard Delling: Von Büdelsdorf in die weite Welt

Es ist der trockene Humor des gebürtigen Büdelsdorfers und bekennenden Schleswig-Holsteiners, der Delling bekannt gemacht hat. Sportberichterstattung macht er seit seinem 16. Lebensjahr, Sport und insbesondere Fußball spiele er selber, seit er gerade eben größer war, als der Ball. Und mit diesem trockenen Humor präsentierte er sich im Interview mit Armin Diedrichsen in der Remise des Marstalls und stellte damit seine beiden Bücher „EM 2016“ und „50 Jahre Bundesliga“ vor.

Delling erwies sich als großer Fan der deutschen Nationalmannschaft, „es ist unfassbar, wie gut die Fußball spielen“. Das sei geschuldet einer ganz beispielhaften Nachwuchsarbeit, zu der der Deutsche Fußball Verband (DFB) nach den schlechten Spielen im Jahr 2000 gefunden hatte. „Und die Jungs heute spielen nicht nur gut, die haben auch gleichzeitig etwas im Kopf, die können reden und sich präsentieren.“ Eine Kombination von sportlicher und schulischer Ausbildung der Talente hätte dazu geführt.

Delling über ‚Die Mannschaft‘, Labbadia und 120 Millionen Euro

Im Vorbeiflug schnell ein Urteil zum Vertragsverhalten des HSV-Management: „Das kann ich überhaupt nicht verstehen. Erst ist Trainer Bruno Labbadia fast ein Gott, dann wird er kurz nach Beginn der neuen Saison rausgeschmissen. Wenn Ihnen die Langfristigkeit des Arbeitsverhältnisses nicht gelingt, sind Sie kein guter Arbeitgeber.“ Oder kritische Töne zur Medienmacht Fußball: „Fußball hat in allen Medien Überhand genommen, es sollte ein wenig zurück genommen werden. Es gibt auch noch andere Sportarten.“ Gerade von den Olympischen Spielen zurück gekommen, habe er die Unterschiede direkt vor Augen: „Es ist soviel Geld im Spiel beim Fußball – 120 Millionen Euro für einen Spieler“, blickte er auf Toni Kroos, „die kann der in seinem Leben nicht ausgeben.“ Der Bogen dürfe nicht zu sehr überspannt werden.

Wo Gerhard Delling ist, ist meist auch Günter Netzer. Natürlich wurde nach der Fußball-Legende und Experten-Gesprächs-Partner gefragt und natürlich schilderte Delling kurz ihr Verhältnis: „Es ist nach wie vor sehr eng. Nach seinen gesundheitlichen Problemen geht es Herrn Netzer sehr gut und wir stehen in engem Kontakt.“

Wenn er bei diesen Duellen mit Netzer vor laufender Kamera auch einstecken musste, so ist Delling doch bestimmt nicht auf den Mund gefallen. „Ich habe schon eine große Fresse“ , gestand er schmunzelnd ein, „und meinen eigenen Kopf“. Das hat ihn von der Arbeit bei der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung hin zum Rundfunk und Fernsehen gebracht in eine Position, in der er jetzt bei allen wichtigen Ereignissen einfach mal so am Spielfeldrand stehen kann. Dabei hat er als studierter Volkswirt sein Berufsleben begonnen und war eigentlich eingeplant für ein Handelsgeschäft seiner Familie. Über seine Sportbegeisterung schon als Jugendlicher – „wenn im BRD-Fernsehen keine Bericht mehr kamen, habe ich die Antennen neu ausgerichtet und DDR-Fernsehen geschaut“ – kam er zum Journalismus, Lehrmeister wie Achim Haufe haben ihn geschult.

Und dann noch: Uwe Seeler

Dabei begann alles mit einer vielleicht schicksalhaften Begegnung: Als 7-Jähriger begegnete er zufällig Uwe Seeler beim Einkaufen. Seeler sah Dellings Verwunderung und sprach ihn an, verwickelte ihn in eine Gespräch: „Am Ende war es einfach ein Gespräch mit einem sehr netten Mann“ – und das Eis war gebrochen. Moderator Armin Diedrichsen wusste in der Remise den Blick auf genau solche Momente zu lenken und erwischte dabei immer eine klare Position. Delling zum Thema Doping zum Beispiel: „Ja, das gibt es wahrscheinlich, aber nicht flächendeckend.“ Delling zum Thema Homosexualität im Fußball: „Naja, der Moment des Outings ist ein Moment der Stärke. Aber es kommen andere Momente. Ich würde daher keinem empfehlen, sich zu outen.“

Delling hat sich an diesem Abend als charmanter Infotainer geoutet, so, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Reichlich Applaus in der voll besetzten Remise und so mancher Fan ließ sich gleich beide Bücher signieren.

Bei seiner Lesung in der Remise des Marstall erfüllte der Journalist und Fernseh-Moderator Gerhard Delling auch alle Signier-Wünsche.

Bei seiner Lesung in der Remise des Marstall erfüllte der Journalist und Fernseh-Moderator Gerhard Delling auch alle Signier-Wünsche.

image_pdfimage_print
Teilen.

Kommentieren