24-Stunden-Musicals in Ahrensburg: Lampenfieber wie beim ersten Mal

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Ahrensburg (ve). 24-Stunden-Musicals sind toll für das Publikum – klar. Aber sie sind auch besonders toll für das Ensemble. Wie besonders – das haben Martin Planz, Hauke Wendt und Jacqui Dunnley-Wendt ahrensburg24.de im Gespräch erklärt.

24-Stunden-Musicals in Ahrensburg: Zum dritten Mal gibt es diese Benefiz-Veranstaltung, Hauke Wendt von Musical Creations Entertainment, Brigitta Deutsch vom Park Hotel - dort findet die After Show Party statt -, Darsteller Martin Planz und Jacqui Dunnley-Wendt von Musical Creations Entertainment (von links) mit den wichtigsten Requisiten - Uhr und Telefon, letzteres war auch schon auf der Bühne.

24-Stunden-Musicals in Ahrensburg: Zum dritten Mal gibt es diese Benefiz-Veranstaltung, Hauke Wendt von Musical Creations Entertainment, Brigitta Deutsch vom Park Hotel – dort findet die After Show Party statt -, Darsteller Martin Planz und Jacqui Dunnley-Wendt von Musical Creations Entertainment (von links) mit den wichtigsten Requisiten – Uhr und Telefon, letzteres war auch schon auf der Bühne.

„Es gibt eine Audition zu Beginn der Produktion“, erzählt Darsteller Martin Planz. Er war gerade in Ahrensburg in dem Musical „King Kong“ zu sehen und auch im vergangenen Jahr bei den 24-Stunden-Musicals dabei. Und erzählt von der Audition, bei der alle 16 Darstellerinnen und Darsteller zu Beginn der 24 Stunden, während derer die gesamte Produktion des Musicals erfolgen muss, vorsingen müssen.

24-Stunden-Musicals: Eine echte Turbo-Produktion

„Gestandene Kolleginnen und Kollegen, die auf den großen Bühnen dieser Welt gesungen haben“, erzählt Planz, „waren nervös bei dieser Audition, haben ihren Text vergessen und hatten Lampenfieber.“ Ein Sinnbild für das, was diese Turbo-Produktion ausmacht: Es ist eine Produktion ohne Netz und doppelten Boden und mit der sicheren Gewissheit, das Team und Darsteller sich ganz auf sich selber verlassen müssen.

Die 24-Stunden-Musicals sind eine Form der Produktion, bei der vier 20 Minuten lange Musicals inklusive Textbuch, Komposition, Einstudieren, Choreografie, Probenarbeit und Aufführung innerhalb von 24 Stunden erfolgen muss. Zwei Mal hat das Ahrensburger Unternehmen Musical Creations Entertainment diese Veranstaltung nach Ahrensburg geholt, nun folgt am Montag, 7. November 2016, um 20 Uhr die dritte Produktion im Alfred-Rust-Saal im Rahmen der Reihe „Musicals in Ahrensburg“. Die 24-Stunden-Musicals sind übrigens auch in diesem Jahr wieder eine Benefiz-Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Michael Sarach zugunsten des Freundeskreises für Flüchtlinge.

Jacqui Dunnley-Wendt, Martin Planz und Hauke Wendt zu den besonderen Produktions-Bedingungen

Überhaupt – das Lampenfieber. „Im vergangenen Jahr“, erinnert sich Jacqui Dunnley-Wendt, „waren zwei Darsteller hinter der Bühne eine halbe Stunde vor ihrer Aufführung so nervös, dass sie mir schlicht sagten ‚Ich kann das nicht‘.“ Für sie als Regisseurin eine Herausforderung – denn Kneifen geht natürlich nicht. Und irgendwie seien die Darsteller dann doch auf die Bühne gegangen und alles hat geklappt. Hauke Wendt: „Das Glücksgefühl ist danach umso größer.“

Denn alle Dinge einer normalen Musical-Produktion finden auch während dieser 24 Stunden statt. Lampenfieber, Schaffenskrise, Streit zwischen den Akteuren, Text vergessen, Schritte erlernen, Musik einstudieren, Kostüme finden und Lightshow einstudieren. „Alles ist konzentrierter und daher noch mal wieder stärker – auch die Höhen und Tiefen“, so Hauke Wendt – der selber allerdings selbst dann, wenn er zugibt, nervös zu sein, die Ruhe selbst zu sein scheint.

24-Stunden-Musicals: Auf den Leib geschrieben

Diese zeitliche Enge allerdings ergibt einen schier unglaublichen Freiraum: Nicht die Künstler müssen in die Produktion passen, sondern die Musicals werden den Künstlern auf den Leib geschrieben. „Zu Beginn steht eben jene besagte Audition, denn die Autoren brauchen eine Inspiration“, so Hauke Wendt. „Wir geben keine Themen vor, das muss aus dem Ensemble kommen.“ Und so entstehen die Geschichten aus den Rollenwünschen und ihrer Persönlichkeit, die die Darsteller währen der Auditions vermitteln. „Es wird einfach gefragt ‚Was hast Du Lust, morgen Abend zu spielen?“, so Wendt. Wo gibt es das sonst in der harten Welt der Musical-Produktionen? Die Darsteller können sich ihren Bühnentraum erfüllen.

24-Stunden-Musicals 2015 der Musical Creations Entertainment in Ahrensburg. Martin Planz (Mitte) in dem Stück "Frau an Bord". Foto:©Silke Mascher

24-Stunden-Musicals 2015 der Musical Creations Entertainment in Ahrensburg. Martin Planz (Mitte) in dem Stück „Frau an Bord“. Foto:©Silke Mascher

„Das gibt uns die Chance“, so Martin Planz, „mal jenseits unserer Rollenfächer zu arbeiten, mal andere Seiten zu zeigen, die in uns liegen.“ Das hat er selber am deutlichsten gespürt bei der Produktion 2015, er wagte den Schritt in die Rockmusik und musste im Falsett singen. „Ich wusste gar nicht, dass ich das überhaupt kann.“ Er konnte. Und doch fehlt das Netz einer sicheren Produktion, Planz: „Es gibt die Angst vor dem Versagen. Gerade auch, weil man seiner eigenen Erwartungshaltung gegenüber gerecht werden möchte. Aber ich habe gelernt: Angst haben lohnt sich nicht.“

Erfahrungen, die in den Alltag einfließen: „Ich habe gelernt, meinen Instinkten zu vertrauen“, sagt Jacqui Dunnley-Wendt, „ich begleite die Produktionen. Wenn ich entdecke, dass eine Stelle nicht funktioniert, dass das Stück dort nicht fließt, dann muss es geändert werden. Der erste Eindruck zählt und das habe ich auch für meine andere Arbeit übernommen.“ Dieses Zurückführen auf die eigenen Instinkte ist es, was die Produktion der 24-Stunden-Musicals so beliebt macht bei den Akteuren.

Die 24-Stunden-Musicals sind inzwischen mit der Stadt Ahrensburg fest verbunden in der Musical-Szene. Das Ahrensburger Unternehmen hat die Lizenz – und möchte die Veranstaltung auch in der Stadt halten. „Es gibt Anfragen von großen Städte, dass das auch dort gemacht wird“, sagt Hauke Wendt, „aber das wollen wir nicht.“ Denn sie wollen das treue Publikum halten, die, die mitfiebern und sich über Hänger, Höhen und Tiefen auf der Bühne freuen können und die Leistung der Akteure wertschätzen. Wer dabei sein möchte: Der Kartenvorverkauf beginnt in Kürze, mehr auf der Internetseite www.musical-creations.de.

Auftakt der 24-Stunden-Musicals in Ahrensburg: Gruppenbild aller Akteure vor der Aufführung im Jahr 2014. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Auftakt der 24-Stunden-Musicals in Ahrensburg: Gruppenbild aller Akteure vor der Aufführung im Jahr 2014. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

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