Minister Robert Habeck in Ahrensburg: Politiker, Bühnenkünstler, Philosoph

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Ahrensburg (ve). Robert Habeck in Ahrensburg – das bedeutet ein kurzer Ritt durch die Geschichte der Menschheit im Rahmen der Kieler Landespolitik. Denn Habeck ist immer eines: konkret und weltumfassend.

Minister Robert Habeck, Bündnis 90/Die Grünen, als Gastredner in der Reihe "Politik in der Remise" im Ahrensburger Marstall. Foto:©ahrensburg24.de

Minister Robert Habeck, Bündnis 90/Die Grünen, als Gastredner in der Reihe „Politik in der Remise“ im Ahrensburger Marstall.
Foto:©ahrensburg24.de

Zu Gast war der Stellvertretende Ministerpräsident Schleswig-Holsteins bei der Reihe „Politik in der Remise“ auch, um sein Buch „Wer wagt, beginnt“ vorzustellen. Doch das stellte er selber in den Hintergrund und nutzte den Abend mehr für eine Art Rechtfertigungs-Referat über seine Arbeit als Minister.

Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume ist ein „Kompromisministerium“

Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume ist er, ein sperriger Name. Tatsächlich: Schon der Name diese Ministeriums zeige seine Zielsetzung, betont Habeck, er hat es selber „Kompromisministerium“ getauft. Kompromisse zu finden, sei seine Aufgabe, bei Gegensätzen wie Agrarpolitik und Umweltpolitik, Energiewende und Atomkraftwerk. Starke Gegensätze eben. Und Politik habe immer die Aufgabe, zwischen den Gegensätzen und den unterschiedlichen Interessenslagen zu vermitteln.

Jeder weiß, Habeck ist Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen und natürlich steht bei ihm als Minister die Umwelt im Zentrum seines Blickfeldes. „Veränderungen in der Natur nehmen wir nur sehr eingeschränkt wahr, aber sie sind da“, betonte er ein ums andere Mal. „Ich habe meiner Mutter zum Muttertag noch in Wald und Wiese kurz hinter meinem damaligen Heimatort Heikendorf ein Strauß aus Feld- und Wiesenblumen pflücken können. Probieren Sie das heute mal!“

Der Rückgang der Artenvielfalt und freien Naturflächen sei schleichend und weitreichend. „Schon jetzt berichten die Landwirte, dass die Erträge der Obsternte zurück gehen, weil nicht mehr genug Bienen zum Bestäuben da sind.“ Es sei daher eine grundlegende Aufgabe der Menschen, ihren Lebensraum zu erhalten.

Robert Habbeck: Pragmatisch, zielorientiert, analytisch – und immer philosophisch

Dabei ist Habeck ganz pragmatisch: „Der Natur ist es letztendlich egal, ob wir Menschen überleben, sie wird in irgendeiner Form weiter existieren. Nur dem Menschen eben nicht.“ Und da kommt die Menscheitsgeschichte ins Spiel: Schon die Menschen in grauer Vorzeit hätten die Welt und Natur um sich herum gestaltet, Säbelzahntiger oder Mammut verdrängt. Wie also kann auf den Prozess Einfluss genommen werden?

Beispiel: In Schleswig-Holstein gebe es gerade mal noch 3.500 Hektar freie Naturäume. Um dies wieder auszuweiten, müssten nicht unausweichlich die landwirtschaftliche Fläche verkleinert werden, Habeck: „Wir wäre es, wenn Industriebrachen einfach renaturiert werden? Das kostet Geld, aber es ist eine Weg und ein Kompromiss.“ Ein entsprechendes Programm sei gerade beschlossen worden.

Vor genau dem Hintergrund sei er „gerne Politiker“: „Es nützt nichts, interessenslos im Nichtstun zu verharren.“ Es müsse in unserer aller Interesse liegen, Kompromisse zu finden, die Natur und Umwelt gerecht werden. „Nicht aus etwa religiösen Gründen oder ähnlichem. Mit geht es nicht um eine Art „Erhalt der Schöpfung“. Mir geht es um den Menschen, der nur überleben kann, wenn Natur und Umwelt erhalten bleiben.“

Die Fähigkeit zu vermitteln mit einem Ziel vor Augen, sieht Habeck auch jenseits des Ministeriums als seine Stärke. Deswegen hat er sich für den Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen beworben und steht derzeit im Prozess der Urwahl, Gegenkandidaten sind Dem Özdemir, Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt. Und so war der Abend wohl auch Wahlkampf in eigener Sache – und das erfolgreich.

Denn zahlreiche Fragen nach seine Vortrag beantwortete er offen und umfassend. Zum Beispiel die Frage nach dem Widerstand der Grünen gegen das Freihandelsabkommen mit Kanada, CETA. „Oppositionspolitik ist nicht immer, laut dagegen zu sein, sondern auch, bessere Vorschläge zu machen. Für uns haben die Verhandlungen um CETA gezeigt, dass es das letzte Freihandelsabkommen sein wird, das vorrangig von den Interessen der Wirtschaft bestimmt wird. Uns geht es nicht um die Aufrechterhaltung nationalstaatlicher Standards, sondern um eine gerechtere Globalisierung.“

Oder die Frage, worin er seine Stärken als Politiker sehe – und da wären wir wieder beim Kompromiss: „Ein Politiker muss sich den Argumenten aller Seiten stellen, sich mit allen auseinander setzen, er muss sich den Widersprüchen stellen. Genau das reizt mich.“

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