Eine Mehrheit von zwei Stimmen: Ahrensburg bekommt einen Lindenhof

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Ahrensburg (ve). Nein – die Sektkorken knallten nicht gestern – zumindest nicht öffentlich. Freut sich denn keiner über den Beschluss zum Lindenhof?

Themenbild Neubauprojekt Lindenhof in Ahrensburg. Bild vom Modell der Stadt im Rathaus Ahrensburg. Foto:@ahrensburg24.de

Themenbild Neubauprojekt Lindenhof in Ahrensburg. Bild vom Modell der Stadt im Rathaus Ahrensburg.
Foto:@ahrensburg24.de

Es ist ein Projekt, das das Gesicht der Stadt verändern wird. Der derzeitige Parkplatz Lindenhof direkt am Bahnhof Ahrensburg wird bebaut. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss gestern mit 14 Ja-Stimmen der CDU und Bündnis 90/Die Grünen und gegen die Stimmen von SPD, FDP und WAB die Satzung des Bebauungsplanes. Einzig Dirk Langbehn von Bündis 90/Die Grünen enthielt sich der Stimme.

Lindenhof: 70 Mietwohnungen, Lebensmittler, Gewerbe und ein Café

Entstehen wird ein großer Wohnkomplex mit 70 Mietwohnungen, einer großen Fläche für ein Lebensmittelgeschäft im Erdgeschoss und Gewerbe im ersten Obergeschoss sowie für ein Café. Und ja – die Freude ist tatsächlich getrübt. Denn in den langen Jahren der politischen Verhandlung sind die Positionen eigentlich immer gleich geblieben: Die einen wollten die Bebauung in jedem Fall, die anderen in keinem Fall. Symptomatisch, dass der Stadtverordnete Peter Egan an den Beginn der Debatte den Wunsch stellte, bei ähnlich bedeutenden Projekten doch in Zukunft eine größere interfraktionelle Einigung erzielen zu wollen.

Nicht zustimmen konnte die SPD, weil sie der Bebauung – und erst im zweiten Schritt der konkreten Ausführung – grundsätzlich kritisch gegenüber steht. Das Gelände mitten im Herzen der Stadt hätte in ein umfassendes Innenstadtkonzept integriert werden müssen, werden sie nicht müde, zu betonen. Ein solches Konzept im Vorfeld der konkreten Planung hätte Vorgaben für die Fläche ergeben, die auch eine Bebauung nicht per se hätte ausschließen müssen. Nun aber stehe der Lindenhof als singuläres Projekt mitten in der Stadt, ohne Integration in ein Parkraum-, Einzelhandels- oder Verkehrskonzept.

SPD, FDP und WAB dagegen, CDU und Büdnis 90/Die Grünen dafür

Das sieht die CDU anders. Sie sieht in dem Bau eine große Chance für das Gelände insgesamt, eine Aufwertung der Innenstadt, eine Öffnung und Stärkung des Einzelhandels in Richtung Hagener Allee. Und für die CDU sind die Chancen nicht verbaut – ein Parkraumkonzept könnte neuen Parkraum als Aufstockung des P&R-Parkhauses Alter Lockschuppen schaffen, im Rahmen des Städtebauförderungsprogrammes könnte eine weitere Tiefgarage am Stormarnplatz entstehen.

Einzig die FDP wechselte während der Verhandlungen ihre Position und wurde vom Befürworter zum Gegner des Projektes. Ihre Kritik richtet sich ähnlich wie die der SPD gegen die Einbindung in der Innenstadt. So sehen sie im Einzelhandel weniger einen Impuls für die Ahrensburger Geschäfte der Innenstadt, der Lindenhof werde vielmehr den Einzelhandel schwächen. Die Frage der Parkplätze sei ungeklärt und verschärfe die Situation am Bahnhof. Und nicht zuletzt werden die letzte historische Straßenpflasterung in der Wilhelmstraße geopfert.

Der neue Lindenhof: Ansicht von der Brücke aus. Grafik: DFZ Architektur GmbH

Der neue Lindenhof: Ansicht von der Brücke aus.
Grafik: DFZ Architektur GmbH

Am Ende blieb ein Thema der Debatte bestimmend: der Wunsch nach Beschlüssen auf breiter interfraktioneller Basis. Und da waren sich die Fraktionen in einem einig: das gehe nur bei ausreichender Kompromissbereitschaft. Bleibt nur die Frage, wie genau Kompromissbereitschaft geht, solange dem politischen Gegenüber vorgeworfen wird, nicht kompromissbereit zu sein.

Spatenstich schon im Januar 2017?

Beobachtet hat diese Debatte in der gestrigen Stadtverordnetenversammlung Norbert Schwenke von der Projektgesellschaft Lindenhof, der das Projekt umsetzen wird. Eigentümer des Lindenhofes ist inzwischen das Karlsruher Unternehmen Curata, für die das Baustudio Projektentwicklungsgesellschaft mbH und die Hochtief building GmbH den Lindenhof nun bauen werden. Sollte es mit der Baugenehmigung klappen, könnte der erste Spatenstich bereits im Januar 2017 erfolgen.

Für Schwenke ein glücklicher Ausgang einer langen Geschichte. „Wir haben von Beginn an gemeinsam mit der Stadt und der Politik geplant“, erinnert er sich. „Damals wurde entschieden, das Gelände zu verkaufen und zu bebauen – damals hätte man anders entscheiden können.“ Doch der Beschluss zur Bebauung wurde gefasst und damit der Beginn eines Dissenses, der bis heute nicht aufgelöst ist.

Was dann folgte, war ein umfangreicher Architekturwettbewerb, dessen Auslobungstext politisch beschlossen wurde. „Auch dort haben wir eng mit der Verwaltung und der Politik zusammen gearbeitet und deren Anregungen immer aufgenommen.“ Das es trotzdem knapp acht Jahre dauert, hätte er sich zu Beginn des Prozesses nicht vorstellen können. „Wir wollten das Miteinander und haben viele Dinge eingearbeitet, die aus der Diskussion kamen“, so Schwenke. Dass er damit nicht alle Gegner ins Boot holen konnte, findet er normal: „Es gibt immer Kritik, man kann es nicht allen Recht machen.“

Insgesamt sieht er für den Lindenhof einen großen Rückhalt in der Ahrensburger Bevölkerung: „Eine wesentliche Mehrheit wird das Projekt befürworten.“

Die Fassade des neuen Lindenhofes, gesehen von der Bahnhofstraße aus. Grafik: DFZ Architekten GmbH

Die Fassade des neuen Lindenhofes, gesehen von der Bahnhofstraße aus.
Grafik: DFZ Architekten GmbH

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