Sanierung des Spechtweg: 50 Zentimeter mehr oder weniger?

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Ahrensburg (ve). 50 Zentimeter – um mehr geht es eigentlich gar nicht am Spechtweg. Doch dieser halbe Meter scheint unüberwindbar an der Front zwischen Verwaltung und Anwohner.

Ahrensburg muss viele seiner Straßen sanieren. Der Spechtweg im Waldgut Hagen ist eine der dringendsten, ist er doch eigentlich nur eine Ansammlung von Schlaglöchern. Das wollen alle – Politik, Verwaltung und Anwohner. Nun kommt nur noch die Frage ‚wie‘.

Sanierung des Spechtweges: Die Planung der Verwaltung

Zwischen den Grundstücksgrenzen und dem Knick gegenüber sind im Spechtweg ziemlich genau acht Meter Platz. Stephan Schott vom Bauamt der Stadt Ahrensburg hat also in sein Regelwerk geschaut unter dem Stichwort „acht Meter breiter Straßenraum“. Dort ist bei diesen Platzverhältnissen eine sechs Meter breite Straße vorgesehen, die auch den Fahrradverkehr aufnehmen soll, und ein zwei Meter breiter kombiniert Fuß- und Radweg.

Das ist nicht viel – aber ausreichend unter diesen Platzverhältnissen, findet Stephan Schott. Und zudem die einzige rechtlich zulässige Lösung. Auf dieser Basis hat er seinen Vorschlag zur Sanierung der Straße erstellt.

Sanierung des Spechtweges: Die Wünsche der Anlieger

Die Anwohner sehen das jedoch ganz anders. Der Bebauungsplan 40 eröffne die Möglichkeit, die Straße 5,50 breit zu bauen und den Rad- und Fußweg 2,50 Meter breit, betonen sie in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses. Vor dem Hintergrund, dass entlang des Spechtweges nur auf einer Seite ein Fußweg führt, der wiederum von vielen Kindern und Jugendlichen Richtung Schule und Sportplatz im Hagen genutzt werde, halten sie einen schmaleren Fußweg für fahrlässig.

Einen weiteren Grund nennt Jürgen Siemers gegenüber ahrensburg24.de: „Die Straßen in diesem Stadtteil von Ahrensburg wurden in den 30er und 40er Jahren aus Feldwegen und Trampelpfaden gebaut. Warum wird die Sanierung jetzt nicht genutzt, das grundsätzlich zu ändern?“, fragt er. Die Anwohner im Waldgut Hagen hielten es für vorrangig, für das Waldgut, das verkehrlich ungeplant aus einem Wochenendgebiet entstand, einen Verkehrsplan zu entwickeln, der mit den zu entwickelnden Straßenzügen den zukünftigen Belangen des Waldgutes anzupassen ist, so Siemers.

Dabei könnte die Sanierung der Straßen noch ein weiteres Fass aufmachen, wie Anette Kruse vom Verkehrsamt warnt: „Die Geschwindigkeitsreduzierungen auf 30 km/ h sind für diese Straßen eigentlich nach heutiger Rechtsprechung gar nicht mehr zulässig.“ Das betreffe insbesondere die Straße Vogelsang und Spechtweg – für den Spechtweg wird daher im Zuge der Sanierung die Geschwindigkeitsbegrenzung auch aufgehoben.

In zwei Sitzungen des Bauausschusses und in einer Anwohnerversammlung wurde die Thematik intensiv debattiert. Dabei fühlten sich die Anwohner nicht ausreichend berücksichtigt. Ihrem Unmut machten sie jüngst in der Sitzung des Bauausschusses erneut Luft: „Wir haben alle diese Anregungen gegeben und Fakten vorgelegt, doch in die Planung des Spechtweges sind die nicht eingeflossen.“ Das sei ein unzumutbares Verhalten den Bürgern gegenüber.

Planung der Verwaltung oder Wunsch der Anwohner: Sie sieht es die Politik

Doch das wollten weder Politik noch Verwaltung so stehen lassen, Stephan Schott: „Ich schlage auf Basis der Richtlinien das Machbare vor, wenn dies verändert werden soll, muss das über Anträge aus der Politik geschehen.“ Politik wiederum wollte die Anregungen der Anwohner nicht in Anträge überführen. Anne Hengstler (CDU) und Jörg Hansen (Bündnis 90/Die Grünen) machten mit ähnlichen Äußerungen deutlich: Den Anwohnern sei in drei Sitzungen viel Raum für Gespräche und Debatten gegeben worden. Bestimmte Fakten wie rechtliche Vorgaben und Platzverhältnisse vor Ort ließen sich nicht beeinflussen und das Ergebnis sei daher zu akzeptieren. Mit anderen Worten: „2,50 breiter Fußweg geht nicht, nehmt es so hin“.

Dabei gab es noch kleine Details am Rande. Dem Missbrauch des Kreisels als Startrampe in eine Raserei auf dem Spechtweg wollte Stephan Schott mit einer Verengung kurz hinter der Einfahrt in den Spechtweg Einhalt gebieten. Was Rafael Hase von der SPD dazu bewegt, ein „jetzt reicht es mal“ in den Raum zu werfen: „Wir haben viele Straßen zu sanieren in Ahrensburg. Da ist diese Detailarbeit zu viel, sowohl zu viel an Zeit als auch zu viel an Geld.“

Ein Beschluss über die Vorlage wurde dennoch vertagt.

Beiträge der Anwohner: Wie viel sie zahlen müssen, müssen alte Akten zeigen

Gegen die Debatte über Finanzierung und die Gebühren für die Anwohner verwahrte sich Ausschuss-Vorsitzender Hartmut Möller vor dem Hintergrund, dass Änderungen nicht in der Hand der Politik lägen. Dabei geht es um die Beteiligung der Anwohner an den Sanierungskosten. Die Höhe der Beteiligung ist in der „Satzung über die Erhebung von Beiträgen für den Ausbau von Straßen, Wegen und Plätzen in der Stadt Ahrensburg“ geregelt. Allerdings nur für bereits erschlossene Straßen. Nach bisheriger Kenntnis der Verwaltung gehört der Spechtweg nicht dazu, weil die Anwohner augenscheinlich bisher noch keine Erschließungsgebühren zu zahlen hatten.

Der Unterschied: Für bereits erschlossene Straßen liegt der Höchstbetrag der Beteiligung bei 75 Prozent der Kosten, bei Neu-Erschließung liegt der Höchstbetrag bei 90 Prozent der Kosten.

Ein schwieriges Thema ist dabei die Klärung, ob es sich um eine Neuerschließung handelt. Denn so manches Grundstück im Spechtweg wurde in den 40er Jahren gekauft. Ein Anwohner brachte Unterlagen mit in den Ausschuss und verwies auf einen Eintrag über Erschließungskosten im Kaufvertrag, den seine Großeltern damals abgeschlossen hatten. „Bitte reichen sie das ein“, bat Ulrich Kewersun vom Bauamt der Stadt, „wir sind auf solche Hinweise angewiesen.“

Ortsschild Ahrensburg. Foto:Silke Mascher / ahrensburg24.de

Ortsschild Ahrensburg.
Foto:Silke Mascher / ahrensburg24.de

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