Entstaubt und repariert: Fördergelder für Schätze im Ahrensburger Stadtarchiv

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Ahrensburg (ve). Es sind historische Karten und es gibt sie nur einmal. Deswegen war Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens besonders erfreut, als sich die Chance einer geförderten Restaurierung bot.

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Restauratorin Gudrun Kühl mit Bürgermeister Michael Sarach und Bürgervorsteher Roland Wilde und dem reparierten Kartenwerk.

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Restauratorin Gudrun Kühl mit Bürgermeister Michael Sarach und Bürgervorsteher Roland Wilde und dem reparierten Kartenwerk.
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Chance – das sind Landesmittel, die derzeit in solche Projekte fließen. Dr. Angela Behrens hat einfach mal ein paar Anträge gestellt und die Mittel bewilligt bekommen. So konnten nun Karten aufwändig gesäubert werden.

Wie schon im vergangenen Jahr wurde die Papier-Restauratorin Gudrun Kühl damit beauftragt. Und sie hat jetzt im Rahmen eines Pressegespräche geschildert, was sie alles tun musste.

Restaurierung von Archivalien: Ziel ist der Erhalt für die Nachwelt

„Es geht bei diesen Restaurierungen nicht um eine Aufbesserung oder Verschönerung der Archivalien“, erklärt sie, „sondern darum, sie für die Nachwalt haltbar zu machen. In der aktuellen Form sind die Archivalien nun bei richtiger Lagerung viele Jahre haltbar.“

Zu schaffen macht den alten Karten zum Beispiel die frühere Praxis der Aufbewahrung. So wurden manche Karten einfach zu einer engen Rolle aufgerollt. Andere wurden zusammen gefaltet. Risse und Brüche, die dabei entstehen, mussten ausgebessert werden. Oder auch die Erfindung des Klebefilms – wurde er doch reichlich zur Reparatur eingesetzt. „Doch der Kleber auf diesem Film zieht in das Papier ein und schädigt es“, erklärt Gudrun Kühl. So müssen alle Filmstreifen und Klebereste so weit wie möglich entfernt werden. Das Mittel der Wahl heute sind Japanpapier und ein wasserlöslicher Kleber, die die Originale zwar zusammen halten, aber nicht schädigen.

Und es musste schlicht Staub gewischt werden. Denn der Staub vieler Jahre hing an den Fasern des Papiers, auch er kann Schäden verursachen. „So lange alle trocken bleibt, ist die Gefährdung allerdings nicht so hoch“, so Kühl. Sie hat mit einer Art Radiergummi aus Kautschuk und Latex auf sämtlichen Oberflächen der Archivalien vorsichtig Staub gewischt.

„All‘ diese Dinge“, betont Angela Behrens mit Blick auf ihre Vorgänger im Amt, „sind ja immer mit Bedacht und ohne bösen Willen gemacht worden. Aber heute weiß man eben, dass sie das Material geschädigt haben.“

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Restauratorin Gudrun Kühl (Mitte), Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens und Henning Penther, der ehrenamtlich im Archiv arbeitet. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Restauratorin Gudrun Kühl (Mitte), Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens und Henning Penther, der ehrenamtlich im Archiv arbeitet.
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Archivalien des Stadtarchivs: Ihr Wert für die Stadt Ahrensburg

Und noch einen Effekt hat die Restaurierung, berichtet Behrens mit Blick auf die Arbeiten im vergangenen Jahr: „Durch die Restaurierung sind Museen und Archive bundesweit auf uns aufmerksam geworden. Das Foto mit der Schneeflocke von Johann Heinrich Flögel zum Beispiel wurde inzwischen für eine Ausstellung angefordert.“ Ein weiterer Effekt zeige sich auch in der Stadt: „So ist zum Beispiel jetzt geplant, eine der Straße im Gewerbegebiet Beimoor Süd nach dem Naturwissenschaftler Johann Heinrich Flögel zu benennen.“

Zur Restauration in Auftrag gegeben worden sind sämtlich Original-Karten, die es jeweils nur einmal gibt und die zu ihrer Zeit als Arbeitsmaterial in den Ämtern verwendet wurden. 1.100 Karten dieser Art hat das Stadtarchiv, 50 sind restaurierungsbedürftig, 19 nun restauriert. „Die Karten gehören zu der kleinen Gruppe von ganz bedeutsamen Karten, die singuläre historische Informationen enthalten, oder andere Unterlagen sinnhaft ergänzen“, so Behrens.

Fördermittel in Höhe von knapp 8.000 Euro vom Land

Zum zweiten handelt es sich um einen großformatigen gebundenen Band mit handgezeichneten Karten aus dem Jahr 1921. Er umfasst 66 Seiten mit 33 doppelseitigen, aber nur einseitig genutzten handkolorierten Zeichnungen in der Gesamtgröße 70 mal 46 Zentimeter im Pappeinband. Dieser Band lagerte bis vor kurzem im Bauamt und war für Gutachten und für Anträge bezüglich der denkmalgeschützten Ortsanlage in Benutzung. Die Bedeutung des Bandes erklärt sich aus der flächendeckenden Bestandsaufnahme der Parzellen, Gebäude und der Leitungen in der Anfangsphase der Leitungserschließung für das gesamte Ahrensburger Gebiet. Mit aufgezeichnet sind Straßenläufe, Wasserläufe, Teiche. Diese Gesamtschau ermöglicht Einblicke in überplante Winkel der Stadt, die heutige Merkwürdigkeiten erklären, aber auch verschwundene Wasserläufe oder sogar Gebäude belegen.

Das Land hat diese Arbeit an den Karten mit 1.040 Euro gefördert, die Arbeit am Kartenwerk mit 6.880 Euro. Der Anteil der Stadt liegt bei den Karten bei 120,25 Euro Euro, beim Kartenwerk bei 765,75 Euro.

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Risse und Fehlstellen in einer Karte vor der Reparatur. Foto:Stadtarchiv Ahrensburg

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Risse und Fehlstellen in einer Karte vor der Reparatur.
Foto:Stadtarchiv Ahrensburg

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Diese Karte wies Risse und Fehlstellen auf, die repariert wurde. Foto:Stadtarchiv Ahrensburg

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Diese Karte wies Risse und Fehlstellen auf, die repariert wurde.
Foto:Stadtarchiv Ahrensburg

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Viele Karten wurden wie diese mit Klebefilm repariert. Er schädigt das Papier und musste entfernt werden. Foto:Stadtarchiv Ahrensburg

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Viele Karten wurden wie diese mit Klebefilm repariert. Er schädigt das Papier und musste entfernt werden.
Foto:Stadtarchiv Ahrensburg

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Viele Karten wurden mit Klebefilm repariert. Im Bild eine Karte nach der Entfernung des Klebefilmes. Foto:Stadtarchiv Ahrensburg

Restaurierung von Archivalien des Stadtarchivs Ahrensburg: Viele Karten wurden mit Klebefilm repariert. Im Bild eine Karte nach der Entfernung des Klebefilmes.
Foto:Stadtarchiv Ahrensburg

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