Bikes vs Cars: Die Grünen, die Stadt Ahrensburg und die Fahrradwege

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Ahrensburg (ve). Knapp 40 offensichtliche Fahrradfans kamen gestern Abend in den Marstall, um mit Bündnis 90/Die Grünen über den Straßenverkehr zu sprechen.

"Bikes vs Cars" - Diskussion mit Bündnis 90/Die Grünen im Marstall. Auf dem Podium die Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms, Bündnis 90/Die Grünen, Thomas Möller vom ADFC, der Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn, Bündnis 90/Die Grünen, und Clemens Grün, Hamburger Taxenverband (von links). Foto:ahrensburg24.de

„Bikes vs Cars“ – Diskussion mit Bündnis 90/Die Grünen im Marstall. Auf dem Podium die Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms, Bündnis 90/Die Grünen, Thomas Möller vom ADFC, der Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn, Bündnis 90/Die Grünen, und Clemens Grün, Hamburger Taxenverband (von links).
Foto:ahrensburg24.de

Die Partei hatte eingeladen zu der Veranstaltung „Bikes vs Cars“ als Teil des Projektes „Grün macht mobil“. Mit dabei und moderiert wurde der Abend von der Bundestagsabgeordneten Valerie Wilms.

Bündnis 90/Die Grünen: Ein Wertewechsel im Straßenverkehr

‚Können die Verkehrssysteme der Städte vom Autoverkehr auf den Fahrradverkehr umgestellt werden?‘ war die Frage des Abends. Und es zeichnete sich eine Antwort ab – „Sie könnten, aber die Not ist noch nicht groß genug.“ Denn zwar passiere in Deutschland hinsichtlich der Ertüchtigung des Fahrradverkehrs viel, aber aus Sicht der Grünen 1. nicht genug und 2. zu langsam. Um dies einordnen zu können, blickten die Grünen in das nahe und ferne Ausland.

Der Film „Bikes vs Cars“ schilderte ausführlich die Debatte um den Fahrradverkehr. Städte in Holland und Dänemark zum Beispiel gäben dem Fahrradverkehr inzwischen mehr Raum, als dem Autoverkehr. In Städten wie Los Angeles oder Sao Paulo jedoch ist das Fahrrad schlicht ein Fremdkörper. Der Film zeigte den zermürbenden Kampf der Fahrradfans mit den Institutionen und der Wirtschaft, dem Straßenraum ein paar Fahrradwege abzuknapsen.

Ein wenig Heroisierung der Aktivisten gestattete sich der Film, schilderte in emotionalen Bildern die dramatischen Folgen des Verkehrsinfarktes hinsichtlich Luftverschmutzung und Lärmbelastung. Erfrischend hanseatisch kühl blieben anschließend die Diskutanten auf dem Podium und zeigten die Chancen für Deutschland, Hamburg und Ahrensburg.

Das Beispiel Ahrensburg: Ziele gibt es, aber wenig Umsetzung

Ahrensburg zum Beispiel – so sehen es viele – ist perfekt geeignet für den Fahrradverkehr. Die Weg sind kurz. Wenn – ja, wenn da nur nicht das Fahrradwegenetz aus grauer Vorzeit wäre. „Das System der Velorouten„, schilderte es Jürgen Henschtke vom ADFC Ahrensburg im Saal, „wurde für die Stadt umfangreich und arbeitsintensiv geplant und entworfen, neun Velorouten sind für die Stadt vorgesehen. Gebaut wurden bis jetzt circa 300 Meter.“

Das könnte daran liegen, ergänzte auf dem Podium Thomas Möller vom ADFC, selber Itzehoer und überzeugter Nicht-Autobesitzer, dass die Politik oft zu wenig Mut habe, Entscheidungen für den Fahrradverkehr auf den Weg zu bringen: „Oft bedeutet das ‚für‘ den Fahrradverkehr eine Reduzierung der Parkplätze – und dagegen wehren sich die Einzelhändler in den Innenstädten.“ Stephan Kühn, Mitglied des Bundestages in der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, ergänzt: „Dabei sind Fahrradfahrer oft die besseren Kunden. Denn sie fahren den kurzen Weg in die Innenstadt und nicht den längeren auf die grüne Wiese zu den Einkaufszentren außerhalb der Städte.“

Der größte Vorteil des Autos sei „das Versprechen einer Mobilität von Tür zu Tür“, hieß es auf dem Podium. Abgesehen davon, dass dies bei steigendem Verkehrsaufkommen und geringer werdendem Parkraum auch mal zur Illusion wird – Stephan Kühl zitiert eine Untersuchung: „30 Prozent des Autoverkehrs ist Parkraumsuchverkehr“ – sei es erforderlich, dass diese Versprechen auf die anderen Verkehrsmittel übertragen werde. Eine geeignete Kombination von Fahrrad, Schiene, Taxi und Carsharing sei das Mittel der Wahl, Kühl: „Am besten mit einer Ticketbuchung über ein Kombiticket.“

So sieht es auch Clemens Grün vom Hamburger Taxenverband: „Gut wäre es, wenn systemisch gedacht wird und alle Bedürfnisse der Verkehrsmittel und ihrer Nutzer integriert werden. Denn es geht nicht nur um die jungen Fahrradfahrer, sondern auch um die älteren Damen, die weder Fahrrad noch Auto fahren können.“

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1 Kommentar

  1. Gertrud Tammena on

    Bis zum 30.11. 2016 kann jeder die Radfahrfreundlichkeit seiner Stadt/Kommune noch online auf
    http://www.fahrradklima-test.de
    bewerten – eine vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur BMVI , aufgrund eines Bundestagsbeschlusses , geförderte Umfrage des ADfC Allgemeiner deutscher FahrradClub

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