Uwaga! in Ahrensburg: Virtuoses Crossover mit enormem Spaßfaktor

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Ahrensburg (ve/pm). Achtung – bei dem Ensemble Uwaga! fliegen dem Publikum die Töne nur so um die Ohren. So zum Beispiel am Freitag Abend im Ahrensburger Marstall.

Konzert der Band Uwaga! im Ahrensburger Marstall. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Konzert der Band Uwaga! im Ahrensburger Marstall.
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„Die haben wohl geübt“, möchte man am Ende dieses Konzertabends feststellen. Denn was das Quartett aus zwei Geigen, Kontrabass und Akkordeon so in den Saal schickt, ist filigrane Wucht, lustvolle und lustige E-Musik, zart besaitete Power und ernsthafter Schalk.

Uwaga – das sind Christoph König, Violine und Viola, Maurice Maurer, Violine, Miroslav Nisic, Akkordeon, und Matthias Hacker, Kontrabass. Seit 2007 gibt es das Ensemble, 2014 gastierte es erstmals in Ahrensburg, nun zum dritten Mal. Im gerade mal gut besuchten Marstall stellten sie ihre neue CD „mozartovic“ vor.

Crossover mit Uwaga: Ein Lacrimosa darf, ja muss swingen!

Wo Uwaga draufsteht, ist Klassik ehrfurchtsvoll neu interpretiert drin. Nehmen wir das Beispiel „Lacrimosa“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“. Plötzlich fängt das Stück an, leicht und weich zu swingen – als sei es mit Blick auf swingenden Groove komponiert. Ehrfürchtig schmunzelnd stehen die vier auf der Bühne, wippen mit ihren Fußspitzen und führen das swingende Lacrimosa wie selbstverständlich hin zu einem untypischen aber so adäquat sich einfügenden Solo des Kontrabass.

Konzert der Band Uwaga! im Ahrensburger Marstall. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Konzert der Band Uwaga! im Ahrensburger Marstall.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.deKonzert der Band Uwaga! im Ahrensburger Marstall.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Johann Sebastian Bach und Django Reinhardt gehören zusammen

Oder das Doppelkonzert für zwei Violinen von Johann Sebastian Bach. Eigentlich wurde es kombiniert komponiert mit einem Stück für zwei Gitarren von Django Reinhardt – was in der üblichen Aufführungspraxis meist ignoriert wird. Behaupten zumindest König und Mauer. Uwaga nimmt sich dessen an und schickt die beiden Geigen mal durch Bachs Noten und mal durch Reinhardts Noten. Und dann weiß der Zuhörer irgendwann nicht mehr – sind das noch 64stel Noten, die Maurer und König da spielen? Oder eher 128stel?

In einem aberwitzigen Tempo spielen die beiden Violinisten – nachhaltig angespornt von machtvollen Bass und Akkordeon – diese Stücke mit atemberaubender Präzision im Zusammenspiel. Komplett synchron fliegen die Bögen von Maurer und König über die Saiten. Und das Metronom wird bis an den Anschlag getrieben. Aber: Mit dem Wissen, dass Tempo nicht alles ist. Niemals wird die virtuose Spielpraxis der Streicher Selbstzweck eines „schneller, höher, weiter“. Sondern bleibt das Mittel für umfassenden Raumklang und emotionale Dichte aller ihrer Interpretationen.

Was muss genannt werden, um die Qualitäten von Uwaga aufzuzählen? Ihre Virtuosität, ihr Witz, die Ehrfurcht vor den großen Komponisten, das Selbstvertrauen in die eigene Kreativität und ein klitzekleines bisschen Demut machen das Quartett aus. OK – der letzte Punkt darf diskutiert werden.

Uwaga!: 2007 gegründet

Und vor allem der große Spaß an der eigenen Arbeit. Wer nach so langer Zeit immer noch zu viert auf der Bühne stehen mag, muss mögen, was er macht. Erkennbar für das Publikum an den so vielen freudvollen Blicken, die die Akteure beim Spielen tauschen. Und daran, dass sie den Gegenüber nicht von der musikalischen Leine lassen. Auch wenn diese manchmal, zum Beispiel bei den Soli von Miroslav Nisic oder der so stimmigen Jazzgeige von Christoph König recht lang werden kann.

„Wir sind gerne hier und kommen bestimmt wieder – wenn es gewünscht ist“, sagt Christoph König, der wie alle mit lockeren Ansagen durch den Abend führt. Das Publikum applaudierte nicht nur nach dieser Ansage begeistert. ahrensburg24.de wagt die These: Es wird gewünscht!

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