‚Alles Märchen‘ in Ahrensburg: Die Wahrheit von Rapunzel und den Stadtmusikanten

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Ahrensburg (sam). Was haben uns die Gebrüder Grimm verschwiegen? Im Musical „Alles Märchen“ wurde es verraten.

Die Musicalshow "Alles Märchen" im Ahrensburger Alfred-Rust-Saal. Die Bremer Stadtmusikanten liefern sich ein Battle mit den Kölner Stadtmusikanten, im Bild Marko Formanek, Martin Planz, Franziska Kuropka und Janne Marie Peters. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Die Musicalshow „Alles Märchen“ im Ahrensburger Alfred-Rust-Saal. Die Bremer Stadtmusikanten liefern sich ein Battle mit den Kölner Stadtmusikanten, im Bild Marko Formanek, Martin Planz, Franziska Kuropka und Janne Marie Peters. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Eine Neuauflage bekannter und weniger bekannter Märchen der Gebrüder Grimm wurde in der Musikshow „Alles Märchen“ auf der Bühne des Alfred-Rust-Saals in Ahrensburg inszeniert. Gleich zwanzig Mal lernten die Zuschauer ganz neue Seiten der Märchenfiguren kennen, Unterhaltungskultur pur.
Dabei tauchte jeder Song in ein anderes Märchen ein, jede Nummer erzählte eine abgeschlossene Geschichte. Figuren, die sonst ein Schattendasein fristen, traten ganz neu in Erscheinung: Der verträumte Bäcker Bernd zum Beispiel, oder die zwei Prinzen, die vom Drachentöten die Nase voll haben, und ebenso der martialischen Henker Helmut, der eigentlich „echt witzig“ sein kann und seinen „Job“ nur macht, um Geld zu verdienen.

Eine Herausforderung für die Lachmuskeln

Auch die Bremer Stadtmusikanten durften an diesem Abend nicht auf der Bühne fehlen. Dass auch in der Märchenwelt neue Zeiten angebrochen sind, bewiesen sie in einem Battle mit den Kölner Stadtmusikanten. Ja es gibt sie wirklich, zumindest seit gestern Abend.
Sehr schlimm endete der Abend für Rapunzel, „Facebook ist schuld“ lautete ihre Analyse. Man sollte sich halt doch nicht durch das Posten eines Bildes zu sehr vom Geschehen unter sich ablenken lassen. Sondern sich anstatt dessen um den mutigen Prinzen kümmern, der es wagt, an ein paar Seidentüchern die Turmwand zur Prinzessin hochzuklettern. Und die Moral von der Geschicht: Da war Rapunzel keinesfalls verlegen – beim nächsten Mal würde sie halt Bilder mit einer fest installierten Kamera aufnehmen. Fraglich, wie viele Mutige in Zukunft versuchen, ein Held zu sein.

Die Musicalshow "Alles Märchen" im Ahrensburger Alfred-Rust-Saal. Rapunzel, Janne Marie Peters, will unbedingt ihre Rettung auf Facebook posten. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Die Musicalshow „Alles Märchen“ im Ahrensburger Alfred-Rust-Saal. Rapunzel, Janne Marie Peters, will unbedingt ihre Rettung auf Facebook posten. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Herzschmerzlastige Szenen erlebte das Publikum im zweiten Akt. Schweinchen Dumm muss verstehen, dass es nie fliegen können wird und Aschenputtels Mutter entpuppt sich als doch sehr egozentrisch.
Die Musical Creations Entertainment brachte mit diesem Stück eine ganz neue Idee auf die Bühne. Michael Bellmann (Musik) und Ralf Rühmeier (Buch und Gesangstexte) stellten die Welt der Feen, Hexen und verzauberten Schwäne auf den Kopf.
Die Künstler Marko Formanek, Janne Marie Peters, Franziska Kuropka und Martin Planz sorgten mit ihrer engagierten und lebendigen Spielweise für die kuriosesten Situationen und viel Action auf der Bühne. Sie schafften es, den Figuren Lebendigkeit und Authentizität zu verleihen. Begeisterten Beifall und Jubelrufe gab es für die Szene, in der sich plötzlich drei Zuschauer tanzend und verkleidet als schwarze Schwäne auf der Bühne wieder fanden. Da kamen ungeahnte Fähigkeiten zum Vorschein und hier sei ein dickes Lob erlaubt: Nicht jeder macht sich auf der Bühne zum Affen – äh, Schwan und ergänzt spontan das Ensemble.
Die Regie führte Jacqui Dunnley-Wendt und Stephan Sieveking hatte die musikalische Leitung. Zur Bühnengestaltung sei noch gesagt, dass diese handwerklich von drei Generationen der Familie Wendt umgesetzt wurde. Sie kommt farblich in den Tönen rot, schwarz und gelb daher, die ebenso die Hauptfarben der Kostüme sind.
„Wir haben uns bestens amüsiert und Tränen gelacht“ oder „es war herzerwärmend und unterhaltsam“ gaben einige Zuschauer nach der Vorstellung ihr Feedback. Auf jeden Fall war es eine rasante Reise durch die Märchenwelt.

Die Musicalshow "Alles Märchen" im Ahrensburger Alfred-Rust-Saal. Noch stehen nur Martin Planz und Marko Formanek als „Zwei schwarze Schwäne“ auf der Bühne, das ändert sich aber bald… Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Die Musicalshow „Alles Märchen“ im Ahrensburger Alfred-Rust-Saal. Noch stehen nur Martin Planz und Marko Formanek als „Zwei schwarze Schwäne“ auf der Bühne, das ändert sich aber bald…
Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Die Musicalshow "Alles Märchen" im Ahrensburger Alfred-Rust-Saal. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Die Musicalshow „Alles Märchen“ im Ahrensburger Alfred-Rust-Saal. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Neue Herausforderung für das Publikum

Hauke Wendt, Geschäftsführer von Musical Creations Entertainment (MCE): „Ich bin sehr begeistert, von dem, was ich heute hier gehört habe. Ich habe in der Tat nicht viel von den Proben mitbekommen und vieles heute zum ersten Mal gehört. Dieses Stück ist sicherlich eine Herausforderung für ein konservativeres Publikum – aber wir werden uns dadurch nicht entmutigen lassen und weiter spielen.“
Schade, dass es im Alfred-Rust-Saal noch viele freie Plätze gab. Neuer Spielort und Zeitpunkt stehen noch nicht fest.

Die Musicalshow „Alles Märchen“ im Ahrensburger Alfred-Rust-Saal. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

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