Nachruf: Die Niederdeutsche Bühne trauert um Horst Klingspor

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Ahrensburg (ve/pm). Horst Klingspor war ein aktiver Ahrensburger, der sich in vielen Bereichen eingebracht hat. Am 28. November 2016 ist er verstorben. Die Niederdeutsche Bühne Ahrensburg erinnert an ihn mit einem bewegenden Nachruf, den ahrensburg24.de als Gastbeitrag veröffentlicht.

Horst Klingspor. Foto:privat

Horst Klingspor.
Foto:privat

Unser langjähriges Mitglied Horst Klingspor verstarb am 28. November 2016 im Alter von 88 Jahren. Die Niederdeutsche Bühne Ahrensburg – Stormarner Speeldeel e.V. verliert dadurch ein wertvolles und beliebtes Vereinsmitglied. Zahlreiche Mitglieder der NBA nahmen an der Trauerfeier am 9. Dezember 2016 Abschied.
Der große österreichische Schauspieler Paul Hörbiger sagte einmal „Für angenehme Erinnerungen muss man im Voraus sorgen.“ Es ist schön sagen zu können, dass Horst genau dies getan hat.
Horst hat im Jahr 1981 bei der Niederdeutschen Bühne Ahrensburg angefangen. An viele Stücke mit ihm erinnern wir uns gerne zurück.
Unser Vereinsmitglied Wolfgang Tietjens spielte das erste Mal im November 1986 mit Horst zusammen in dem Stück „Anner Lüüd sünd ok Lüüd“ unter der Regie von Profiregisseur Peter Renz.
Horst – ein Schauspieler aus Leidenschaft – spielte häufig tragische Rollen. In der Tragikkomödie „De Püjatz“ (November 1987) spielte Horst einen korpulenten Mann (Heinrich Lüttjohann), der an einen Zirkus „vermittelt“ werden sollte.
Mit dem Klassiker von Gerhard Hauptmann „De Biberpelz“ (April 1990) gastierte Horst (als Amtsdeener Mitteldorf) in Viljandi/Estland (zu der Zeit Sowjetunion) und das kurz nach der Unterzeichnung von der Städtepartnerschaftsurkunde. Sein Nackenhörnchen/-kissen war wie immer auf Reisen mit dabei.
Auch bei etlichen hochdeutschen Weihnachtsmärchen (u. a. „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“, „Dornröschen“) hat Horst mitgewirkt. In „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (Dezember 1996) spielte Horst den Kaiser von China. „Ein Vater, der seine Tochter, die Prinzessin LiSi, die ich damals gespielt habe, nach ihrer Rettung rührend in seine Arme schloss“, erinnert sich Bühnenleiterin Nina Eggers sentimental. In „Sterntaler“ (Dezember 2001) stand Horst (ein reicher Kaufmann) sogar einmal gemeinsam mit seiner Enkelin Nienke Koning (Stern) auf der Bühne.
In dem Stück „Brandstiftung (November 1997) spielte Horst den Pastor Brandt. Sandra Keck führte Regie. „Was Sandra überhaupt nicht abkonnte, war sein Räuspern in der Rolle. Er gab sich alle Mühe, es abzustellen. Aber den Pastor hat er total echt gespielt, in seiner geistlichen Würde und etwas gekrümmter Haltung.“, so Volkmar Rosink, der in diesem Stück den Brandinspektor spielte.
Doch das blieb nicht das einzige Stück, in dem Horst eine Pastorenrolle übernahm. Auch in dem Erfolgsstück „Johanna – Stunden aus dem Leben der Mutter Brahms“ (Mai 2000), für das Horst dank seiner guten Beziehungen in der Niederdeutschen Theaterszene Profiregisseur Rudolf Plent vom Oldenburger Staatstheater gewinnen konnte und mit dem die Niederdeutsche Bühne Ahrensburg unter anderem bei den Brahms-Festwochen in Heide gastierte sowie in der Tragödie über den Holzschnitzer „Hans Brüggemann“ (April 2003), welche u. a. im Schleswiger Dom und in der Bordesholmer Klosterkirche aufgeführt wurde, verkörperte Horst die Rolle des Pastors. Man könnte meinen: Einmal Pastor – immer Pastor.
Als Direktor Kruse hat Horst in dem Klassiker „De Flederbeerpunsch“ (April 2001) den „Schölern“ die Leviten gelesen und gezeigt, dass er auch lustige Rollen spielen kann. „Wir haben erreicht, dass etliche junge Leute Freude am Theaterspielen gefunden und sich zum ersten Mal mit der plattdeutschen Sprache beschäftigt haben. Darauf sind wir auch ein wenig stolz.“, so sagte der damalige Bühnenleiter Horst Klingspor (Abendblatt 24.03.2001). Dieses Stück war der Grundstein für den Aufbau der Jugendgruppe MIMIKRI, die Horst außerordentlich unterstützt hat. Horst ist es auch zu verdanken, dass MIMIKRI an zwei Kirchentagen teilnehmen durfte.
In den Vorstandsfunktionen als Bühnenleiter (1994-2002) und als Geschäftsführer hat Horst immer versucht, in Konfliktsituationen dementsprechend einzugreifen. Da kam ihm der Beruf des Pastors ganz stark zu Hilfe. Hans-Jochim Eggers, der jahrelang im Vorstand mit ihm zusammengearbeitet hat, betont, dass man sich immer auf ihn verlassen konnte. Auch im Werbeausschuss hat er sich etliche Jahre stark engagiert. Horst war ein Mann der Tat und ein Mann der Verantwortung. Jemand, der das Ehrenamt mit ganzer Person ausfüllte. Ein Mensch, der anderen Menschen viel Gutes tat und Freude bereitete. Wir werden sein Andenken in Ehren halten und seiner stets mit Respekt und aufrichtiger Anerkennung gedenken.
Mit dem Stück „Katharina Knie“ feierte Horst im April 2007 sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. Als der Profiregisseur dieses Stückes, Michael P. Schulz, von Horsts Tod erfuhr, hat er sich gleich sein Regiebuch aus dem Regal genommen und etwas darin geblättert. Er erinnert sich sehr gerne an Horst und seine wunderbare und tiefgehende Darstellung des alten Clowns „Julius Schmittolini“. Besonders an seinen Monolog im vierten Akt, nach der Beerdigung von Vater Knie. Michael P. Schulz hört immer noch die Stimme von Horst, der diese Szene unglaublich bewegend gespielt hat: „Schluß und Amen. Nu liggt uns Vadder in Graff – un wi sünd hier tosamen. Kaamt mal all her un höört to. Wat de Preester vertellt hett, dat weer een dünnen Wind, de in een Ohr rin un to ́n annern wedder rut gahn is. Wi weet, dat de Vadder nu ünnerwegens is, up de schöne Reis. […] (zum Ende singend) Wer weiß, ob wir uns wiedersehn, am grünen Strand der Spree“.
Wir hoffen, dass du lieber Horst nun auch unterwegs bist auf einer schönen Reise und wir uns vielleicht irgendwann wiedersehn!

Niederdeutsche Bühne Ahrensburg – Stormarner Speeldeel

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