Profiboxer Gabriell Tunici: Ein Arbeitstier boxt sich durch

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Ahrensburg (sam). Das erste Jahr als Profiboxer liegt nun hinter ihm. Im März dieses Jahres bestritt der Ahrensburger Boxer Gabriell Tunici seinen ersten Kampf als Profiboxer. Mittlerweile sind es fünf Kämpfe und mit keiner schlechten Bilanz: vier Siege, zwei davon durch K.O., zwei durch Technisches K.O. und einer endete unentschieden. ahrensburg24.de hat Gabriell Tunici und seinen Trainer Khoren Gevor nach einer Zwischenbilanz gefragt.

Der Ahrensburger Gabriell Tunici nach seinem ersten Kampf als Profi-Boxer im März 2016.<br /> Foto: © Silke Mascher

Der Ahrensburger Gabriell Tunici nach seinem ersten Kampf als Profi-Boxer im März 2016.
Foto: © Silke Mascher

ahrensburg24.de: Gabriell, hätten Sie je damit gerechnet, so eindeutige Siege auf Ihrem Konto verbuchen zu können?
Gabriell Tunici:
Nein, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber ich hatte es mir gewünscht.

ahrensburg24.de: Welches war der schwierigste Kampf?
Gabriell Tunici:
Das war der dritte Kampf in Lüneburg, bei dem ich unentschieden geboxt habe. David Szappanos war schon auf dem Boden und stand dann wieder auf, er war körperlich sehr stark und fit. Aber ich wollte den Kampf möglichst gut beenden. Das war sicherlich nicht meine beste Leistung, das lag wahrscheinlich auch daran, dass ich mich nur kurz und auch nicht ausreichend auf diesen Kampf vorbereitet habe. Der Kampf davor lag nur vier Wochen zurück und ich habe mich fitter gefühlt, als ich war. In drei Wochen verliert man mehr Substanz als man denkt, das hatte ich falsch eigeschätzt und weil ich nicht wusste ob ich kämpfe oder nicht, war das Training auch nicht ganz so intensiv. Da habe ich auf alle Fälle dazu gelernt, im Amateurbereich lief das ein wenig anders.

ahrensburg24.de: Wo wollen Sie sportlich gesehen in einem Jahr stehen?
Gabriell Tunici:
Ich hoffe, dass ich bis Ende nächsten Jahres um die Deutsche Meisterschaft boxen darf. Das ist momentan mein größtes Ziel. Ich muss mich in den nächsten Kämpfen an dieses Ziel ran arbeiten. Dadurch, dass ich drei Jahre nicht geboxt habe, brauche ich ein wenig länger dafür. Wenn ich so weit bin, also meine acht bis neun Kämpfe erfolgreich geboxt habe, kann ich beim Bund Deutscher Boxer (BDB) anfragen. Alternativ kann man auch den amtierenden Meister herausfordern. Ob das dann allerdings angenommen wird, ist eine andere Sache. Für mich persönlich wäre das ein echtes Highlight. Dann möchte ich aber im Mittelgewicht (bis 72,6 kg) boxen, also eine Gewichtsklasse weiter unten als jetzt.

ahrenburg24.de: Warum?
Gabriell Tunici:
Das ist meine Gewichtsklasse. Die Gegner sind nicht so groß wie im Super-Mittelgewicht (bis 76,2 kg). Wenn ich noch ein paar Kilo verliere, bin ich körperlich viel fitter, schneller und explosiver. Ich fühle mich in dieser Gewichtsklasse einfach wohler.

Boxkampf Gabriell Tunici gegen Ruslans Berdimuradovs in der Großen Freiheit 36 bei Boxen im Norden. Szenen des Kampfes. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Boxkampf Gabriell Tunici gegen Ruslans Berdimuradovs in der Großen Freiheit 36 bei Boxen im Norden. Szenen des Kampfes. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

ahrensburg24.de: Wann steht der nächste Kampf an?
Gabriell Tunici:
Voraussichtlich im Februar, aber wo und gegen wen, das muss noch geklärt werden.

ahrensburg24.de: Hat sich Ihr Leben durch den Profisport verändert?
Gabriell Tunici:
Hm, ja ich werde öfter auf meinen Sport angesprochen und mehr Leute wissen, dass ich boxe und auch wann ich gewinne. Das war vorher im Amateurbereich ganz anders. Oft werde ich auch hier im Restaurant von unseren Gästen angesprochen. Und ich werde inzwischen viel mehr unterstützt. Die Leute sehen mich jetzt anders, sie merken, dass der Sport für mich keine Freizeitbeschäftigung mehr ist.

ahrensburg24.de: Was fasziniert Sie am Boxsport?
Gabriell Tunici:
Der Kampf im Ring, bei dem man voll bei der Sache sein muss. Und dass man Herz und Mut zeigen muss und als Folge daraus die Anerkennung, die einem entgegen gebracht wird.

ahrensburg24.de: Wann haben Sie mit dem Boxen angefangen?
Gabriell Tunici:
Ich habe mit knapp 17 Jahren als Amateur im TH Eilbeck in Hamburg mit dem Boxen begonnen. Aus diesem Verein kommen sehr viele gute Boxprofis, unter anderem Artem Harutyunyan, Dritter der Europameisterschaften, der in diesem Jahr Bronze bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gewonnen hat.

ahrensburg24.de: Haben Sie ein Vorbild in diesem Sport?
Gabriell Tunici:
Ja, Micky Ward, ein Boxer irischer Herkunft. Er ist einer der größten Kämpfer aus den USA. Trotz Niederlagen und Misserfolgen gab er nie auf, sondern machte weiter und wurde schließlich Weltmeister. Der Film „The Fighter“ erzählt seine Geschichte.

ahrensburg24.de: Wie motivieren Sie sich immer wieder?
Gabriell Tunici:
Tja, das ist so eine Sache… Wegen meiner Arbeit musste ich drei Jahre mit dem Boxen pausieren und hatte eigentlich schon damit abgeschlossen, damals wog ich 96 Kilogramm. Dann habe ich gesehen, wie viele meiner Freunde noch boxen und einiges dabei erreicht haben. Das hat mich motiviert, es doch noch einmal zu versuchen. Ich wollte mir selber zeigen, dass ich etwas erreichen kann, auch wenn es klein ist und nur für mich persönlich. Das ist auch vor jedem Kampf so und später brauche ich nicht zu bereuen, es nicht noch einmal versucht zu haben.

ahrensburg24.de: Wie erfahren Sie Unterstützung?
Gabriell Tunici:
Ich bekomme von ganz vielen Seiten Unterstützung, weil die Leute jetzt sehen, dass ich das Boxen sehr ernst nehme. Mein Vater gibt mir ganz viel frei, damit ich zum Training fahren kann, und mein Onkel unterstützt mich damit, dass sein Betrieb bei den Veranstaltungen das Catering macht. Meine Familie, meine Freunde und unsere Gäste kommen zu den Kämpfen, wenn sie Zeit haben. Ich freue mich auch über die Glückwünsche, die ich aus Kroatien oder der Schweiz bekomme, wenn ich nach einem Kampf Bilder poste. Und meine Freundin unterstützt mich sehr, sie und ihre Cousine kommen überall mit hin und sind bei allen Kämpfen dabei.

Boxen im Norden: Boxkamp Gabriell Tunici gegen Dusan Makula im Delphi Showpalast. Foto: Silke Mascher/ahrensburg24.de

Boxen im Norden: Boxkamp Gabriell Tunici gegen Dusan Makula im Delphi Showpalast. Foto: Silke Mascher/ahrensburg24.de

ahrensburg24.de: Können Sie vor einem Kampf nachts gut schlafen?
Gabriell Tunici:
Schlafen kann ich immer und überall gut.

ahrensburg24.de: Was steht eigentlich auf Ihrem Mundschutz drauf?
Gabriell Tunici:
Da steht GABO drauf, das ist mein Spitzname. Manche nennen mich auch Gabi, aber das mag ich nicht so gerne, weil das eigentlich ein Frauenname ist.

ahrensburg24.de: Können Sie sich ein Leben ohne Sport vorstellen?
Gabriell Tunici:
Ich kann mir das schon vorstellen. Aber bevor ich daran denke, möchte ich noch etwas erreichen.

ahrensburg24.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Khoren Gevor, ehemaliger Profiboxer und Trainer von Gabriell Tunici. Foto:privat

Khoren Gevor, ehemaliger Profiboxer und Trainer von Gabriell Tunici.
Foto:privat

Einen entscheidenden Anteil an Gabriell Tunicis erfolgreichem ersten Jahr als Profiboxer hat sein Trainer Khoren Gevor. Er ist ehemaliger armenischer Profiboxer und für seine gute Technik und Schnelligkeit bekannt. Nach seiner Amateurkarriere mit 72 Siegen in 75 Kämpfen und sechs armenischen Meistertiteln wechselte er im Jahr 2000 ins Profilager und wurde in Deutschland vom Hamburger Boxstall Universum Box-Promotion unter Vertrag genommen. Sein Trainer war Fritz Sdunek. ahrensburg24.de bat auch ihn zum Gespräch.

ahrensburg 24.de: Herr Gevor, was sagen Sie zu Gabriells erstem Jahr als Profiboxer, zu seinen vier Siegen und einem Unentschieden?
Khoren Gevor:
Gabriell macht das gut. Wir müssen jetzt gucken, wie er sich entwickelt. Das eine Unentschieden war etwas unglücklich, der Kampf kam ziemlich spontan und er hat nach seinem Urlaub nicht so viel trainiert. Vielleicht hätte ich ihn auch nicht kämpfen lassen sollen. Wir arbeiten dran, dass er jetzt öfter trainiert, aber mehr ist momentan schwer zu sagen.

ahrensburg24.de: Was ist Gabriell für ein Sportler und was für Talente bringt er mit?
Khoren Gevor:
Gabriell hat ein Ziel, er will zeigen, dass er was kann. Er kommt immer zum Training, wenn er kann, auch wenn er tagsüber arbeitet. Gabriells Stil ist der eines Arbeiters. Er ist ein Arbeitstier und kämpft sich durch.
Im Ring ist er ein Konterboxer. Manchmal klappt das und manchmal nicht. Bei seinem Unentschieden zum Beispiel hat das nicht so gut geklappt, aber sonst versucht er Technik zu Boxen.

ahrensburg24.de: Wie bereiten Sie sich auf die einzelnen Kämpfe vor?
Khoren Gevor:
Wir bereiten uns ganz gezielt auf jeden Gegner vor, dazu gehört auch die Videoanalyse. Wir sammeln viele Informationen über jeden Gegner um uns bestmöglich vorzubereiten.

ahrensburg24.de: Was steht für Gabriell in der nächsten Zeit auf dem Trainingsplan?
Khoren Gevor:
Für ihn werden das die Beinarbeit und das Abnehmen sein. Wichtig ist auch noch, dass sein Ellenbogen wieder voll belastbar ist. Der nächste Kampf wird ein Fight nach dem er weiß, wo er steht.

ahrensburg24.de: Was sagt man als Trainer seinem Boxer während der Pausen im Kampf?
Khoren Gevor:
Ich versuche seine Konzentration aufrecht zu erhalten, das ist ganz wichtig. Bei Gabriell ist es manchmal so, dass er zu nett ist. Er bringt seine Freundlichkeit auch in den Ring rein. Aber Gabriell macht sein Ding schon.

ahrensburg24.de: Wie lange kennen Sie Gabriell schon?
Khoren Gevor:
Ich habe ihn mit 13 oder 14 Jahren kennen gelernt. Ein armenischer Koch, der damals im Restaurant gearbeitet hat, hatte mich eingeladen. Meine Söhne Abel und Noel haben damals schon geboxt und Gabriell ist dann auch mitgekommen. Sie haben im gleichen Verein trainiert, unter anderem auch im TH Eilbeck bei Frank Lack. Seit 2003 kennen sich unsere Familien.

ahrensburg24.de: Was fasziniert Sie am Boxsport?
Khoren Gevor:
Mich fasziniert an diesem Sport der Kampf Mann gegen Mann. Jeder bringt verschiedene Fähigkeiten mit in den Ring: der eine zum Beispiel Schlagkraft, der nächste Schnelligkeit und der dritte einen starken Willen. Man weiß vorher noch nicht, wer sich durchsetzten wird. Faszinierend ist, dass man auch mit wenigen Mitteln gute Gegner schlagen kann. Man kann schwächer als der Gegner sein, aber ihn trotzdem schlagen. Es ist nicht wie beim Laufen, wo man schon weiß, dass man keine Chance hat, wenn man eine langsamere Zeit läuft. Beim Boxen kann der eine Boxer langsam sein, er hat dafür aber ein gutes Auge. Ein anderer hat eine gute Beinarbeit, aber langsamere Arme, und der Nächste ist schnell, aber hat schlechte Reflexe. Es gibt so viele verschiedene Faktoren, die in verschiedenen Zusammenhängen zum Vor- oder Nachteil werden können. Alles hat irgendwie miteinander zu tun.

ahrensburg24.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Die Interviews führte Silke Mascher.

Der Ahrensburger Profiboxer Gabriell Tunici blickt auf ahrensburg24.de auf sein erstes Jahr im Profilager. Foto/Montage: © Silke Mascher/ahrensburg24.de

Der Ahrensburger Profiboxer Gabriell Tunici blickt auf ahrensburg24.de auf sein erstes Jahr im Profilager.
Foto/Montage: © Silke Mascher/ahrensburg24.de

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