Bürgermeister Voß beim Neujahrsempfang in Großhansdorf: „Müssen wir so viel jammern?“

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Großhansdorf (ve). Ein Grußwort auf einem Neujahrsempfang ist ein bisschen wie eine Regierungserklärung und kann schnell zu einer gut gemeinten Standpauke werden. So geschehen in Großhansdorf.

Neujahrsempfang der Gemeinde Großhansdorf im Waldreitersaal. Begrüßung der Gäste. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neujahrsempfang der Gemeinde Großhansdorf im Waldreitersaal. Begrüßung der Gäste.
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Bürgermeister Janhinnk Voß nahm sich seine Großhansdorferinnen und Großhansdorfer zur Brust beim Neujahrsempfang der Gemeinde. Mit Wertschätzung zwar – aber er redete ihnen doch ins Gewissen ob ihrer oft allzu strengen Maßstäbe. Jammern sei „in“, habe er beobachtet, und zwischen den Zeilen ließ Voß wissen, dass die Telefonnummer des Jammertals oft genug seine Dienstnummer im Rathaus zu sein scheint: „Zunehmend höre ich, dass das eine katastrophal war, das andere unzumutbar, das das Leben in Großhansdorf immer schlimmer wird, es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Großhansdorf, Schleswig-Holstein und Deutschland „völlig den Bach runter gehen“.“

Eine Einschätzung, die der Bürgermeister in seinem zwölften Amtsjahr nicht wirklich nachvollziehen kann. Und so appellierte er im gut besuchten Waldreitersaal, doch mal das Gute in Großhansdorf erkennen zu können und Zufriedenheit darüber zu empfinden, wie gut und sicher die Menschen in Großhansdorf und auch in Deutschland tatsächlich leben könnten: „Wir leben in einer Gemeinde, die zu den schönsten und liebenswertesten Orten gehört, die ich kenne. Lassen Sie uns das wertschätzen … und nicht zerreden“, appellierte Voß und erhielt dafür Applaus.

Großhansdorf in 2017: Zahlreiche große Investitionen in öffentliche Gebäude und Kinderbetreuung

Und dann kam Voß genauer auf die Situation der Waldgemeinde zu sprechen. Die Finanzen etwa. Wie kann es sein, dass bei so hohen Steuerheinnahmen wie noch nie – gegenüber den kommunalen Einnahmen aus dem Jahr 2007 stiegen sie für die Gemeinde Großhansdorf um 55 Prozent – das Geld im kommunalen Bereich nicht zu reichen scheint? Ganz einfach, beantwortete Voß seine eigene Frage nach dem für 2017 absehbaren Haushaltsdefizit in Höhe von 230.000 Euro: Die Ausgaben für die Kindertagsstätten seien im gleichen Zeitraum um 110 Prozent gestiegen, die Ausgaben für die Schulen um 81 Prozent. Mit dem Neubau von Kindertagesstätten – auch für 2017 ist ein Neubau im Kortenkamp geplant und die Einrichtung einer Waldkindergartengruppe – seien häufig Folgekosten für Personal und Familien verbunden. Der Sanierungsstau an den weiterführenden Schulen würde ebenfalls hohe Investitionen erfordern. So sind für die Grundschule Wöhrendamm in 2017 440.00 Euro, für das Emil von Behring-Gymnasium 900.000 Euro und für die Friedrich-Junge-Gemeinschaftsschule 400.000 Euro für energetische Sanierung vorgesehen, für 1,2 Millionen Euro soll ein neuer Fachklassentrakt entstehen. Investitionen, die der Schulverband aus Großhansdorf, Hoisdorf und Siek wuppen muss.

Neujahrsempfang der Gemeinde Großhansdorf im Waldreitersaal. Bürgermeister Janhinnerk Voß bei seinem Grußwort. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neujahrsempfang der Gemeinde Großhansdorf im Waldreitersaal. Bürgermeister Janhinnerk Voß bei seinem Grußwort.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Auch das Thema Flüchtlinge schlage finanziell zu Buche. Denn zum Beispiel würden nur die Unterkünfte vom Bund finanziert, die tatsächlich von Flüchtlingen belegt sein. Wie in vielen Gemeinden besteht aber auch in Großhansdorf eine Überkapazität an Plätzen in Flüchtlingsunterkünften, doch mit Bedacht, wie Voß betont: „Dennoch wird zunächst kein Rückbau oder eine Unmutzung stattfinden, weil dafür die weltpolitische Lage einfach zu unsicher ist.“ Weiter sei die Gemeinde und ihre ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer dabei, die Integration der 140 Flüchtlinge zu forcieren, so werde es bald die Möglichkeit eines 1-Euro-Jobs für Flüchtlinge geben.“

Weitere Investitionen betreffen zum Beispiel die Sanierung der Laufbahnen auf dem Sportplatz, Kostenpunkt 580.000 Euro, und natürlich die energetische Sanierung und Erweiterung des Rathauses, Investitionen in Höhe von 2,35 Millionen Euro sind geplant.

Ein wichtiges Anliegen war es dem Bürgermeister, gemeinsam mit Bürgervorsteher Jens Heinrich Gastgeber des Neujahrsempfanges, den in vielen Bereichen aktiven Großhansdorfern zu danken und ihre ehrenamtlichen Leistung anzuerkennen. Dazu gehört die Freiwillige Feuerwehr – die Wehrführung war unter den Gästen – genauso, wie die Kommunalpolitikerinnen und -politiker und die vielen in Kultur, Sport und Jugendbildung Aktiven. Die gute Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Kommunalpolitik hob Voß ausdrücklich hervor.

Von den Gästen im Saal erhielt Voß für seine Worte reichlich Applaus. Etwa Großhansdorferinnen und Großhansdorfer waren gekommen, darunter zahlreiche Kommunalpolitiker, Aktive aus Kultur und Gesellschaft. Ebenfalls unter den Gästen war der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Koch.

Neujahrsempfang der Gemeinde Großhansdorf im Waldreitersaal. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neujahrsempfang der Gemeinde Großhansdorf im Waldreitersaal.
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Neujahrsempfang der Gemeinde Großhansdorf im Waldreitersaal. Bürgervorsteher Jens Heinrich mit Ehefrau Elke und Bürgermeister Janhinnerk Voß mit Ehefrau Anja (von rechts) begrüßten die Gäste. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neujahrsempfang der Gemeinde Großhansdorf im Waldreitersaal. Bürgervorsteher Jens Heinrich mit Ehefrau Elke und Bürgermeister Janhinnerk Voß mit Ehefrau Anja (von rechts) begrüßten die Gäste.
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