Arbeitsplätze für Flüchtlinge: Ammersbek hilft und hofft auf Arbeitgeber

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Ammersbek (ve). Arbeit finden – das ist der nächste Schritt der Integration der Flüchtlinge. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn weder Arbeitgeber noch die neuen Arbeitnehmer wissen, wie. Ammersbek hat eine Idee.

Sie wollen Arbeitgeber der Region und Flüchtlinge im Dorfgemeinschaftshaus an eine Arbeitstisch bringen: Claudia Osada von der Agentur für Arbeit, die Intgrationsbeauftragte Ingrid Hodiamont, Bürgermeister Horst Ansén und Bettina Schrader, Migrationsbeauftragte beim JobCenter (von links). Foto:ahrensburg24.de

Sie wollen Arbeitgeber der Region und Flüchtlinge im Dorfgemeinschaftshaus an eine Arbeitstisch bringen: Claudia Osada von der Agentur für Arbeit, die Intgrationsbeauftragte Ingrid Hodiamont, Bürgermeister Horst Ansén und Bettina Schrader, Migrationsbeauftragte beim JobCenter (von links).
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Nachdem viele in Integrations- und Sprachkursen erste Kenntnisse erlangt haben, wird erwartet, dass ein Großteil der Flüchtlinge in diesem Jahr versuchen wird, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Doch es besteht große Unwissenheit darüber, was ein Arbeitgeber für die Beschäftigung eines Flüchtlings tun muss und was die Rechte und Pflichten der neuen Arbeitnehmer sind. Deswegen lädt die Gemeinde Ammersbek zu einer Informationsveranstaltung ein, bei dem sie explizit Arbeitgeber über Wege und Möglichkeiten informieren wird.

Bei dieser Informationsveranstaltung sind die Agentur für Arbeit und das JobCenter – jeweils die Ahrensburger Geschäftsstellen – vertreten sowie die Integrationsbeauftragte der Gemeinde Ammersbek Ingrid Hodiamont, die Volkshochschule und die Wirtschaftsakademie. Alle sind mit der Betreuung oder Weiterbildung von Flüchtlingen betraut und informieren über die Möglichkeiten der Einstellung eines Flüchtlings. Dabei geht es immer um diejenigen, die erwerbsfähig sind, also arbeiten können und älter als 18 Jahre sind.

Gewerbetreibende aus Ammersbek, Ahrensburg und Bargteheide sind eingeladen

„Wir sprechen die Unternehmen dieser Region an“, erläutert es Bürgermeister Horst Ansén, „nicht nur die Ammersbeker übrigens, sondern gerne auch die aus Bargteheide oder Ahrensburg. Wenn sie Interesse daran haben, diese Menschen einzustellen, können sie auf dieser Veranstaltung erfahren, was möglich ist.“ Die Veranstaltung ist am Dienstag, 24. Januar 2017, in der Zeit von 17 bis 20 Uhr 
im Dorfgemeinschaftshaus, Am Gutshof 1 in Ammersbek. Für ein konkretes „Matching“ von Arbeitgebern und Flüchtlingen hat die Gemeinde eine zweite Veranstaltung am Dienstag, 28. Februar 2017, vorgesehen.

Wichtig sei es, die Integration der Menschen nun fortzuführen, nachdem die ersten Schwierigkeiten der Unterkunfssuche und der Sprachkurse bewältigt seien. Ansén: „Für die Integration der Menschen in den Arbeitsmarkt gibt es Gesetze. Aber die Kommunen sind dabei gefordert, dies umzusetzen, dort geschieht die Integration. Und das geht nicht von alleine, alle Beteiligten müssen dafür zusammen finden.“ Das soll diese Veranstaltung und ihre Folgeveranstaltung ermöglichen.

Ein Praktikum auch ohne Arbeitserlaubnis

Einen Grundsatz erläutern Claudia Osada, Geschäftsstellenleiterin der Agentur für Arbeit in Ahrensburg, und Bettina Schrader, Migrationsbeauftragte im JobCenter Ahrensburg. „Ein entscheidender Unterschied ist der Status des Betroffenen“, so Claudia Osada. „Bei laufendem Asylverfahren oder in den ersten Monaten einer Duldung werden die Menschen von uns betreut. Das berechtigt sie, unkompliziert ein Praktikum aufzunehmen. Ist die Arbeitsagentur involviert, benötigt der Betreffende keine Arbeitserlaubnis.“ Für das Praktikum muss kein Lohn gezahlt werden, die Sozialhilfe wird unabhängig davon geleistet.

Anders sieht es aus, wenn Asyl gewährt wird oder eine längere Duldung erfolgt. Für diese Menschen ist das JobCenter zuständig. Im Rahmen ihrer Bezüge sind die Menschen dann wie jeder andere Kunde des JobCenters verpflichtet, eine Arbeit oder ein Praktikum aufzunehmen. Allerdings: „Die größte Barriere dabei bleiben die Sprachkenntnisse“, sagt Bettina Schrader. „Aber vielleicht kann es gelingen, zum Beispiel schon parallel zu einem Sprachkursus ein Prakikum zu machen.“

Die Bereitschaft zu arbeiten, sei auf Seiten der Flüchtlinge vorhanden, betonen Schrader und Osada. Nun sei es erforderlich, dass Arbeitgeber Arbeitsplätze anbieten. Bettina Schrader ergänzt: „70 Prozent der in der Arbeitsvermittlung der Jobcenters Stormarn geführten Schutzsuchenden haben einen Ausbildungsstand, der sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht befähigt, ohne zusätzliche Maßnahmen (neben der Sprachförderung) auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.“ Das bedeutet, das sie Tätigkeiten für Ungelernte übernehmen können oder auch im Handwerk an einen Ausbildungsplatz herangeführt werden können. Nur circa 15 Prozent dieser Kundengruppe kämen mit einem guten Ausbildungsniveau, bei weiteren circa 15 Prozent fehlten entweder verwertbare Angaben oder aus diesen lassen sich keine Prognose erstellen.

Eine Rolle spielen in diesem Prozess nach wie vor die Paten, die die Flüchtlinge unterstützen. „Allerdings sollten sie nicht selber bei den Firmen nach Arbeitsmöglichkeiten suchen“, sagen Horst Ansén und Ingrid Hodiamont. „Ich arbeite eng mit der Arbeitsagentur zusammen“, sagt Ingrid Hodiamont, dadurch ließe sich leichter eine Lösung finden, als wenn die Paten es selber versuchen. Hodiamont: „Und ich bin bei jedem Bewerbungsgespräch dabei.“

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