Kommentar: Martin Schulz und die neue Sozialdemokratie

Martin Schulz im Alfred-Rust-Saal – ja, das war eng. Viele, die pünktlich waren, mussten draußen bleiben, weil die schon drin waren, die viel zu früh gekommen waren. Ärgerlich für die Pünktlichen. ((Dank übrigens denen in der wartenden Menge, die das Team von ahrensburg24.de durchgelassen haben – es musste noch eine Meldung aus Ammersbek veröffentlicht werden und daher kamen wir fast zu spät!)).

Aber die Alternative wäre gewesen, Martin Schulz nach Hamburg zu schicken, wo es größere Säle gibt. Im zentralen Stormarn jedenfalls gibt es keine.

Kommentar zum Beitrag: „SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in Ahrensburg: Die SPD der alten Werte

Und so konnten wenigsten (450+++) Ahrensburger Martin Schulz erleben. Den Sozialdemokraten, der nach den Statistiken zu urteilen einen Traumstart als Kanzlerkandidat hingelegt hat. Mit besten Umfrage-Werten, mit Neu- oder Wieder-Eintritten in die SPD – „Du gibst uns Kraft“, beschwor es die Bundestagsabgeordnete Dr. Nina Scheer am Ende der gestrigen Veranstaltung als Abschiedswort.

Martin Schulz verkauft sich gerne als Anwalt des „kleinen Mannes“. Das ist immer etwas plakativ und begrifflich gerne so gesetzt, das derjenige, der von vielen für den „kleinen Mann“ gehalten wird, es auch verstehen könnte.  Doch was Schulz gestern auf distinguierte Weise versuchte zu verklickern, war nichts weniger als eine Wende des Schlachtschiffes SPD. „Zurück zu den 150 Jahre alten Werten der SPD“ und „der Neoliberalismus ist komplett gescheitert“ heißt nichts anderes, als viele aktuelle Positionen der Partei in Frage zu stellen. Die Gewerkschaften werden schon mal verbal ins Boot geholt. Und der Turbo-Kapitalismus verteufelt.

Die Kritik am Turbo-Kapitalismus läuft Gefahr, zur Modeerscheinung und zum Lippenbekenntnis zu werden. Die Gewerkschaften sind auch nicht nur sozial. Einer sozialen Marktwirtschaft bläst der vor allem auch globale Wind wesentlich schärfer entgegen, als das ein „starke Schultern müssen stärker belastet werden“ reicht. Eine Sozialdemokratie, die diesen Kampf aufnimmt, muss ein ganz dickes Brett bohren, im eigenen Haus und jenseits der eigenen Grenzen.

Martin Schulz scheint das zu seinem Thema zu machen. Aus Not der Abgrenzung gegen die CDU? Aus dem Gefühl heraus, damit vielen Menschen aus der Seele zu sprechen? Weil er auf Wählerfang ist? Oder weil er daran glaubt???

Monika Veeh, Herausgeberin ahrensburg24.de