Bärbel Höhn, Bündnis 90/Die Grünen, in Ahrensburg: Sie hofft auf ein Umdenken in der Landwirtschaft

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Ahrensburg (ve). Eigentlich war es gar kein Wahlkampf, doch der Termin des Besuches von der früheren Umweltministerin Bärbel Höhn fiel nun doch genau in diese Zeit.

Bärbel Höhn, Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages, im Haus der Natur in Ahrensburg. Foto:ahrensburg24.de

Bärbel Höhn, Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Bundestages, im Haus der Natur in Ahrensburg.
Foto:ahrensburg24.de

Seit zwei Jahren suchten die Ahrensburger Grünen und Bärbel Höhn, Bündnis 90/Die Grünen, nach einem Termin für einen Besuch in Ahrensburg. Schließlich wurde es der 24. April – und der liegt nun genau im Landtagswahlkampf. Doch für Bärbel Höhn waren andere Blickrichtungen wichtig.

Die Landwirtschaft könne nicht so weiter machen, wie bisher, war ihre klare Botschaft im Haus der Natur. Weder vor Ort noch weltweit gestalte die Politik Rahmenbedingungen, die der Menschheit ihre Nahrungsgrundlage erhalten könne, so die Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Bundestag.

Bündnis 90/Die Grünen und die Themen der Landwirtschaft

Bärbel Höhn benennt das, was die Grünen nicht wollen: „Keine Gentechnik, kein Tierleid, kein Verlust der Artenvielfalt, keine Aussterben der regionalen bäuerlichen Betrieben, kein Einsatz von Glyphosat und Neonicotinoide“ sei das Credo. Nur so könne die Landwirtschaft langfristig gesunde Produkte liefern. Sie nannte ein Beispiel: Untersuchungen des Naturschutzbundes in Nordrhein-Westfalen hätten ergeben, dass in den vergangenen 30 Jahren 80 Prozent der Biomasse an Insekten aus der landwirtschaftlichen Umgebung verschwunden sind – geschädigt durch die Pflanzenschutzmittel wie Neonicotinoide, die nicht nur den Bienen schadeten. „Das merken wir doch alle selber beim Autofahren“, so Höhn, „dass an unserer Windschutzscheibe viel weniger Insekten kleben bleiben.“

Doch der Umweltpolitikerin ist auch sehr bewusst, dass die deutsche Landwirtschaft in Konkurrenz zum globalen Handel besteht. Und das – so schilderte sie es den etwa 20 Gästen der Veranstaltung – mit fatalen Folgen: „Der Weltmarkt der Nahrungsproduktion wird von wenigen Firmen beherrscht, das drückt auf den Preis.“ Die landläufige Antwort: Wo weniger verdient wird, müsse mehr produziert werden. Auch die deutsche Landwirtschaft würde mit einer Steigerung der Produktivität antworten, die in Überproduktionen münde. „Weil wir diese Überproduktionen auf dem deutschen Markt nicht verkaufen können, werden sie zum Beispiel nach Afrika verkauft und schädigen dort die lokalen Strukturen der Wirtschaft und Landwirtschaft.“

Folgen der Globalisierung für die Landwirtschaft

Das wiederum habe „verheerende Auswirkungen“ und bedinge wirtschaftliche Probleme, die die Menschen in die Flucht treiben – eine der Ursachen für die Flüchtlingsströme nach Europa. „Und dann kommt der Entwicklungsminister“, so Bärbel Höhn nicht ohne Süffisanz, „und zahlt Geld, um den Menschen vor Ort zu helfen.“ Geld, das vorher schon das Landwirtschaftsministerium zur Steigerung der Produktivität in die deutschen Landwirtschaft gegeben hätte. Vor diesem Hintergrund würden auch die Bauernverbände umdenken und über veränderte Produktionsbedingungen nachdenken.

Ein globales Problem seien auch die Handelsabkommen, „die Bauern sind die Verlierer solcher Abkommen.“ Denn mit der Zulassung verschiedener Produkte werde häufig der Markt für die Produkte im eigenen Land geschädigt, das gelte für Handelsabkommen mit Kanada genauso wie für Abkommen mit Schwellenländern.

Bärbel Höhn erwies sich jedoch nicht als Traumtänzerin. Eine Veränderung in der Landwirtschaft könne es nur durch ein verändertes Verhalten der Verbraucher geben und das wiederum nur durch mehr Information und Transparenz über die Produktionsbedingungen. Höhn: „Ohne deutliche Kennzeichnung fällt die Verkaufsentscheidung nach dem Preis. Erst wenn die Qualität des Produktes auf der Packung gekennzeichnet werden muss, ist der Verbraucher bereit, sich entsprechend zu entscheiden. Dass hat die Kennzeichnung der Eier aus Käfighaltung mit einer „3“ gezeigt – heute gibt es kein Ei mehr mit einer „3“ im freien Verkauf.“

Und sie erwies sich als Optimistin: „Die Vorschläge und Pläne für eine nachhaltige Form der Landwirtschaft sind da, sie werden von der Großen Koalition nur nicht umgesetzt.“ Die Maßnahmen aus ihrer Amtszeit als Umweltministerin und der ihrer Verbraucherschutzministerin und Parteifreundin Renate Künast seien unter der Großen Koalition wieder zurück genommen worden. Da war er dann doch, der kurze Blick auf die kommende Landtagswahl in Schleswig-Holstein und auch die Bundestagswahl.

 

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