Landtagswahl: Auch Britta Ernst kam nicht/Bildungspolitik der SPD

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Großhansdorf (ve). Es scheint ein bisschen der Wahlkampf der absagenden Spitzenpolitiker zu sein: Nachdem in der vergangenen Woche Daniel Günther (CDU) kurzfristig absagen musste, ereilte dieses Schicksal nun auch Bildungsministerin Britta Ernst (SPD).

Vortrag bei der SPD Großhansdorf zur schleswig-holsteinischen Bildungspolitik: Gastredner des Abends waren Ulf Daude und Lars Holster (von rechts). Foto:ahrensburg24.de

Vortrag bei der SPD Großhansdorf zur schleswig-holsteinischen Bildungspolitik: Gastredner des Abends waren Ulf Daude und Lars Holster (von rechts).
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Sie war für eine Diskussion um die Bildungspolitik in Großhansdorf angekündigt worden – eines der zentralen Themen der Landespolitik. Doch kurzfristig – so hieß es von Seiten der SPD Großhansdorf zu Beginn des Abends – habe sie einen Termin in Pinneberg wahrnehmen müssen. Nach Großhansdorf in die Mensa des Schulzentrums kamen daher als Referenten Ulf Daude, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Bildung der SPD, und Lars Holster, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Bildung in Hamburg. Mit ihnen auf dem Podium saßen der Landtagsabgeordnete und Direktkandidat Tobias von Pein und die Vorsitzende des Großhansdorfer Ortsvereins Karin Iding.

Hauptredner des Abends war Ulf Daude. Und er ließ die etwa 40 Gäste wissen, dass er zwar derzeit Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft sei, auf Landesebene aber einer der Verfasser des Koalitionsvertrages in punkto Bildungspolitik gewesen sei. Den kenne er daher sehr genau und könne auch abschätzen, ob dieser umgesetzt worden ist oder nicht Und: Zum Ende der Legislaturperiode stelle die SPD zufrieden fest, dass ihre Ideen vollständig umgesetzt worden seien.

Schleswig-Holsteins Bildungspolitik: Das Ringen um den Schulfrieden

Das bezieht sich in erster Linie auf einen Schulfrieden. Der Streit der Schulformen zwischen Gemeinschafts-, Gesamtschulen, Gymnasien, zwischen G8 und G9 sei beigelegt worden. „Auch wenn dafür doch noch eine grundlegende Reform notwendig gewesen ist“, gestand Daude ein. Heute gibt es in Schleswig-Holstein Gemeinschaftsschulen mit und ohne Oberstufe und Gymnasien sowie drei Formen des Schulabschlusses.

„Wir haben dabei das Ziel, das möglichst viele Kinder Abitur machen“, verteidigt Daude die Entscheidung, landesweit an vielen Gemeinschaftsschulen die Einrichtung einer Oberstufe zuzulassen. Stormarn zum Beispiel sei diesen Weg gegangen mit dem Ergebnis, dass 46 Prozent der Kinder mit einem Abitur die Schule verlassen. „Im Westen des Landes wurden diese Oberstufen nicht eingerichtet, dort liegt die Quote der Abiturienten in manchen Gegenden bei etwas über 20 Prozent.“

Dabei gehe es der SPD nicht darum, die „Akademisierung voranzutreiben“, so Daude, sondern es werde dieser Ausbildungsstand auf Abiturniveau inzwischen in vielen Bereichen und Ausbildungsberufen eingefordert. „Die Mär vom Häuptling und Indianer gilt nicht mehr“, so der frühere Grund- und Hauptschullehrer Daude.

Zahl der Lehrkäfte: Weitere Einstellungen seien erforderlich

Großes Thema der Bildungspolitik ist stets die Zahl der Lehrkräfte. Mit den etwa 2.000 Einstellungen in den vergangenen Jahren hätte das Ministerium eigentlich nur die fehlenden Besetzungen ausgeglichen, rechneten Daude und von Pein vor, de facto stünden damit landesweit jetzt 300 Lehrerinnen und Lehrer mehr zur Verfügung. Weitere Einstellungen müssten jetzt folgen, wie auch eine Erhöhung der Gehälter zum Beispiel für die Grundschullehrkräfte.

Der Unterrichtsausfall sei damit auf etwa ein Prozent der Stunden reduziert worden. Daude betonte dabei, dass eigenverantwortliches Arbeiten ohne Lehrkraft dabei in einigen Fällen durchaus als Unterricht zu werten sei – ein Streitpunkt bei der Debatte um die Statistik des Unterrichtsausfalles. Daude: „Diese Kompetenz gehört zum Arbeiten in der Oberstufe dazu.“ Und auch die Einstellung von Quereinsteigern in das Lehramt halte er für sinnvoll, so Daude, „deren Qualifikation wird überprüft, wir fragen nicht einfach irgendjemanden auf der Straße, ob er nicht Lehrer werden will.“

Große Herausforderung sei nach wie vor die Inklusion, also die Integration der Schülerinnen und Schüler von den Förderschulen in die Regelschulen. Sie sei eben nicht durch die Lehrkräfte der Förderschulen aufzufangen gewesen, sondern es sei weiterhin zusätzliches Personal erforderlich. „Unser Ziel bleibt die inklusive Gesellschaft“, so die SPD.

Als neue Ziele von Bildungsministerin Britta Ernst benannte Daude den weiteren Ausbau der offenen und insbesondere der gebundenen Ganztagsschulen. Dafür solle es in der nächsten Legislaturperiode ein Förderprogramm geben, das die Zahl der gebundenen Ganztagsschule landesweit von 31 auf über 80 erhöhen soll.

Der Abend endete für die Sozialdemokraten dann mit einer Art public viewing des Rededuells zwischen Ministerpräsident Torsten Albig und seinem Herausforderer Daniel Günther (CDU). Der Wahlkampf ist noch nicht zu Ende. Übrigens: Ein Besuch der Spitzenpolitikerin Simone Peters von Bündnis 90/Die Grünen am morgigen Donnerstag in Ahrensburg wurde ebenfalls kurzfristig abgesagt. Schade eigentlich.

Vortrag bei der SPD Großhansdorf zur schleswig-holsteinischen Bildungspolitik: Das Podium mit Lars Holster, Ulf Daude, Karin Iding und Tobias von Pein (von links). Foto:ahrensburg24.de

Vortrag bei der SPD Großhansdorf zur schleswig-holsteinischen Bildungspolitik: Das Podium mit Lars Holster, Ulf Daude, Karin Iding und Tobias von Pein (von links). Foto:ahrensburg24.de

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