Neubau an der Ammersbeker Georg-Sasse-Straße: „Super Idee – aber bitte anders!“

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Ammersbek (ve). Ja – die Ammersbeker wollen eine Neubebauung an der Einmündung der Georg-Sasse-Straße. Aber doch noch ein bisschen anders.

Planungen für die Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Die rote Fläche zeigt den Körper des Neubaus, die Tiefgarageneinfahrt und der Pavillion ist direkt neben der Einmündung zu erkennen, die Anlieferung für den Einzelhandel soll an der unteren Seite Richtung Bahndamm erfolgen. Grafik: Büro WIRSIND, Architekten Westphal+Berwing

Planungen für die Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Die rote Fläche zeigt den Körper des Neubaus, die Tiefgarageneinfahrt und der Pavillion ist direkt neben der Einmündung zu erkennen, die Anlieferung für den Einzelhandel soll an der unteren Seite Richtung Bahndamm erfolgen.
Grafik: Büro WIRSIND, Architekten Westphal+Berwing

Dicht gedrängt saßen die Ammersbekerinnen und Ammersbeker im Kirchsaal ihrer Kirche Hoisbüttel, zusätzliche Stühle mussten noch aufgestellt werden. Bis in den hinteren Bereich suchten die Interessierten nach Platz. Aber nicht zum Gottesdienst, sondern zu einer Art Gemeindeversammlung. Sie alle wollten wissen, was an der Einmündung der Georg-Sasse-Straße passieren soll und wie sie selber noch auf die Gestaltung Einfluss nehmen können.

Nicht ohne Aufregung haben die Ammersbekerinnen und Ammersbeker auf dieser Versammlung über die Pläne für die markante Straßenecke direkt am Hoisbütteler Bahnhof gerungen. Die Verwaltung und der Investvor hatten gemeinsam mit Planungsbüros ein Konzept erarbeitet, dass sie dem Bauausschuss und der Öffentlichkeit ausführlich präsentieren wollten. Und das übrigens genau am 102. Geburtstag von Georg Sasse.

Baukörper an der Georg-Sasse-Straße: 36 Wohnungen und Einzelhandel

Zunächst haben die Architektin Christina Gatzen und der Stadtplaner André Stein-Schomburg das Projekt vorgestellt. Vorgeschlagen wird ein großer Gebäudekomplex mit 36 Wohnungen in vier Geschossen und Einzelhandel im Erdgeschoss. Doch schon bei diesem Grundsatz gab es erste Bedenken: „Wir brauchen dort keinen weiteren Supermarkt“, hieß es aus der Versammlung, und: „Bitte bedenken Sie, dass an der Seite zum Bahndamm hin alter und wertvoller Baumbestand steht, können diese drei Bäume nicht erhalten bleiben?“. „Ok“, sagte Ansén, „ein Supermarkt soll es nicht sein, aber vielleicht eine Drogerie? Und die Bitte um den Schutz der Bäume nehmen wir gerne mit.“

Größerer Dissenz betraf dann die Verkehrsführung, die übrigens auch im Bauausschuss am Tag vorher bewegt diskutiert worden war. Das Problem: Wird das Gelände knapp hinter der Einmündung an der Georg-Sasse-Straße etwa durch eine Tiefgarageneinfahrt erschlossen, leidet nicht nur der Platzcharakter an dieser Ecke, sondern es wird auch vermehrt zu Staus direkt an der Ecke kommen. Führt man den Verkehr über die Georg-Sasse-Straße auf die Rückseite des Geländes, erhöht sich der Verkehr und damit die Belastung der Anwohner in der Georg-Sasse-Straße. „Eines ist klar“, so Ansén, „es wird mehr Verkehr entstehen, anders geht es nicht.“

Nur eines geht nicht: die Zufahrt über die Hamburger Straße. Das ist eine Landesstraße und die lässt eine Einmündung auf das Gelände nicht zu.

Vorstellung der Planungen für die Bebauung an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Die Architektin Christina Gatzen, Bürgermeister Horst Ansén (Mitte) und der Stadtplaner André Stein-Schomburg reagieren auf Anregungen aus der Gemeinde. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Vorstellung der Planungen für die Bebauung an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Die Architektin Christina Gatzen, Bürgermeister Horst Ansén (Mitte) und der Stadtplaner André Stein-Schomburg reagieren auf Anregungen aus der Gemeinde.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Tiefgarageneinfahrt: Der Vorschlag der Planer fand wenig Gegenliebe

Die Idee der Tiefgarageneinfahrt auf der Vorderseite und einer Anliefer-Zuwegung auf der Seite des Bahndamms wurde von vielen im Saal kritisch gesehen. Sie befürchten ein Verkehrschaos auf beiden Seiten des Gebäudes. Ein Vorschlag kam aus der Versammlung, auf der einen Seite nur eine Einfahrt in die Tiefgarage und zur Anlieferung zu bauen und die Ausfahrt nur auf der Rückseite des Gebäudes Richtung Bahndamm zuzulassen. Christina Gatzen und André Stein-Schomburg wollten diese Idee mit in die Beratung nehmen.

Noch eines wurde im Saal kritisch gesehen: Die Planer sehen für den kleinen Platz direkt an der Einmündung einen Pavillion vor als Standort zum Beispiel für ein Eiscafé oder ähnliches. Das sei doch direkt an der Straße, kritisierten manche Anwesende, „das kann ja nur ein Café für Taubstumme sein“, so die Reaktion einer Frau. Die Nähe zur Hamburger Straße und die Spaltung des Platzes durch die Tiefgarageneinfahrt war für viele im Saal unvereinbar mit einer Aufenthaltsqualität an dieser Stelle. „Warum kann man ein solches Café nicht auf der Rückseite des Geländes Richtung Bahndamm planen?“ fragte eine Frau. Eigentlich keine schlechte Idee, denn dort soll es auf dem Dach des etwa 650 Quadratmeter großen Einzelhandels eine begrünte Fläche geben. Vielleicht ließe sich das ja kombinieren mit den drei großen alten Bäumen.

Konstruktiv aber mit Nachdruck formulierten die Ammersbeker gegenüber den Planern ihre Vorstellungen. Und als André Stein-Schomburg einmal das Wort „Ampel“ in den Mund nahm, war das nicht gerade wohlwollende Gelächter im Saal groß, nach den Erfahrungen an der Einmündung der Landesstraße 225 darf man den Ammersbekern nicht mehr mit einer Ampel kommen.

Bauvorhaben an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Einer der Vorschläge für das Gebäude direkt an der Hamburger Straße. Grafik: Westphal+Berwing Architekten

Bauvorhaben an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Einer der Vorschläge für das Gebäude direkt an der Hamburger Straße.
Grafik: Westphal+Berwing Architekten

Die Planer konnten vor diesem Hintergrund aber kaum ihre Punkte an die Ammersbeker bringen. Eigentlich wollten sie das Augenmerk auf die Gestaltung des Gebäudes an der Front der Hamburger Straße lenken. Soll es dort dreigeschossig oder viergeschossig sein, ein Satteldach oder ein Flachdach? Moderne, von Glasflächen durchdrungene Architektur oder in Anlehnung an die Bebauung der Georg-Sasse-Straße eher verklinkert? Die Versammlung kam gar nicht dazu, diese Fragen zu diskutieren.

Das Verfahren: Vorhabenbezogener Bebauungsantrag und städtebaulicher Vertrag

Zum Verfahren: Das Gelände gehört nach dem Verkauf durch die Erbengemeinschaft nun einem Investor, der es gerne entwickeln möchte. Darüber ist Bürgermeister Horst Ansén zunächst sehr froh, denn die Verständigung darüber, dass dort gebaut werden kann, war bisher nicht möglich. Der Investor kann einen vorhabenbezogenen Bebauungsantrag stellen und schließt darüber mit der Gemeinde einen städtebaulichen Vertrag. Der endgültige Beschluss über diesen Vertrag obliegt der Gemeindevertretung.

Doch Bürgermeister Ansén möchte die Ammersbeker gerne bei diesem Prozess mitnehmen und hatte daher zu dieser informellen Beteiligung der Öffentlichkeit eingeladen. Im Rahmen eines solchen Bebauungsplanes ist eigentlich nur eine Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen im Rahmen der Einwendungen der Träger öffentlicher Belange. „Wir wollen aber nicht nur diese Veranstaltung heute Abend machen, sondern Sie auch weiterhin über den Fortschritt der Planungen informieren“, betonte Ansén. Und er nahm sehr gerne eine Anregung aus dem Saal auf, auch im Nachhinein noch Ideen von den Ammersbekern entgegen zu nehmen. „Schicken Sie diese Ideen gerne per Mail oder per Post an das Rathaus“, sagt Ansén, „aber erwarten Sie bei der Fülle der Mails, die wir bekommen, nicht unbedingt direkt eine Antwort. Die können Sie dann der Umsetzung in der Planung entnehmen.“ Das Rathaus ist zu erreichen unter info@ammersbek.de.

Wen Ansén auch mitnehmen muss, ist der Investor. Der muss das am Ende natürlich bauen wollen. Bleibt also abzuwarten, was aus den Anregungen der Ammersbeker nun bei einer Überplanung des Geländes wird und welche Kompromisse die Ammersbeker, die Gemeinde und der Investor noch werden eingehen müssen.

Vorstellung der Planungen für die Bebauung an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Am Modell geht die Diskussion weiter. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Vorstellung der Planungen für die Bebauung an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Am Modell geht die Diskussion weiter.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Vorstellung der Planungen für die Bebauung an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Stadtplaner André Stein-Schomburg,  Architektin Christina Gatzen und Bürgermeister Horst Ansén (von links) auf der Versammlung der Gemeinde. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Vorstellung der Planungen für die Bebauung an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Stadtplaner André Stein-Schomburg, Architektin Christina Gatzen und Bürgermeister Horst Ansén (von links) auf der Versammlung der Gemeinde.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bauvorhaben an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Ein Vorschlag der Architekten.<br /> Grafik: Westphal+Berwing Architekten

Bauvorhaben an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Ein Vorschlag der Architekten.
Grafik: Westphal+Berwing Architekten

Vorstellung der Planungen für die Bebauung an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Blick auf das Modell, auf der rechten Seite ist der Bahndamm zu sehen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Vorstellung der Planungen für die Bebauung an der Einmündung Georg-Sasse-Straße in Ammersbek: Blick auf das Modell, auf der rechten Seite ist der Bahndamm zu sehen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

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1 Kommentar

  1. Schön, das dort endlich gebaut wird. Aber schade, daß man die Örtlichkeit der Planung (und dem Flächenbedarf eines großen Drogeriemarktes) anpassen will, statt die Panung der Örtlichkeit. Ein Drogeriemarkt in dieser Größe passt wohl besser in die Ferdinand-Harten-Straße, dort würde der Lieferverkehr auch nicht so stören, Hier würde eher so etwas wie Flöß hinpassen.
    Der Pavillon erscheint wie eine Architekten-Spielerei, die nötig ist, weil der Platz bis auf die Garageneinfahrt sonst so leer wäre wie das Quadrat in der Georg-Sasse-Straße gegenüber von der Bücherschnecke.
    Die Ideen aus dem Infoabend von 2011 mit der „Flaniergasse“ gefielen mir besser. So was könnte man auch besser mit einer Tiefgarageneinfahrt kombinieren und die alten Bäume könnten wohl auch stehen bleiben.

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