Fragen an Landtagskandidat Christian Schubbert: „Für Stormarn mehr Gehör in Kiel verschaffen“

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Stormarn (ve). Am Sonntag, 7. Mai 2017, wird in Schleswig-Holstein der Landtag gewählt. Bis dahin regiert in Kiel die Koalition aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und SSW. ahrensburg24.de hat den Direktkandidaten im Wahlkreis Stormarn Mitte (Wahlkreis 29) ein paar Fragen gestellt.

Allen Kandidaten – Tobias Koch (CDU), Tobias von Pein (SPD), Carsten Pieck (FDP), Christian Schubbert-von Hobe (Bündnis 90/Die Grünen), Heidi Beutin (Die Linke) und Annette Walther (AfD) – haben wir die gleichen Fragen gestellt. In diesen Tagen werden wir ihre Antworten veröffentlichen. Lesen Sie hier die Anworten des Direktkandidaten Christian Schubbert-von Hobe, Bündnis 90/Die Grünen. Der Kommunalpolitiker ist Mitglied der Ahrensburger Stadtverordnetenversammlung, dort Vorsitzender des Bildungs-, Kultur- und Sportausschusses und Stellvertretender Bürgervorsteher. Christian Schubbert tritt erstmals als Kandidat für den Landtag an.

Christian Schubbert-von Hobe, Bündnis 90/Die Grünen Ahrensburg. Foto:pm

Christian Schubbert-von Hobe, Bündnis 90/Die Grünen Ahrensburg.
Foto:pm

ahrensburg24.de: Mit welchen Gedanken blickt ein Landespolitiker auf Stormarn und Ahrensburg?

Christian Schubbert-von Hobe: Ich glaube, dass viele Landespolitiker gar nicht nach Stormarn schauen. Die Kieler Sicht geht über Neumünster in den Westen. Der Süden wird häufig vergessen und das, obwohl hier das Geld verdient wird. Stormarn zählt zu den zehn reichsten Kreisen Deutschlands. In Ahrensburg ist das bedeutendste Gewerbegebiet Schleswig-Holsteins. Meiner Erfahrung nach ist es einfach so, dass es hier häufig eine ganz eigene Sichtweise auf viele Dinge gibt und dafür müssen wir uns alle in Kiel mehr Gehör verschaffen.

ahrensburg24.de: Kinderbetreuung: Die Stadt Ahrensburg – wie andere Kommunen der Region wie Ammersbek und Großhansdorf – ist aufgrund der hohen Kinderzahl gefordert, sehr viel Geld in Kitas, Schulen und Schulhorte zu investieren. Wie kann Ihrer Ansicht nach das Land die Kommune bei dieser Herausforderung unterstützen?

Christian Schubbert-von Hobe: Die konkrete Planung, welche Kitas vor Ort gebraucht werden, entscheidet der Kreis beziehungsweise die Kommune, nicht das Land. Das ist genau richtig, denn vor Ort ist man näher an den Bedürfnissen, die landesweit sehr unterschiedlich sind. Das Land zahlt für den Betrieb von Kitas derzeit mehr als 230 Millionen Euro pro Jahr an die Kreise, für die Elternentlastung über das Kita-Geld werden rund 23 Millionen Euro bezahlt.

Damit hat das Land viel Geld für unsere Kitas und Eltern „locker“ gemacht, denn 2012 wurden nur rund 100 Millionen gezahlt – Investitionen nicht mitgerechnet. Das Land hat sein Engagement in den letzten Jahren somit schon stark verstärkt. Das wird aber noch weiter ausgebaut werden müssen, um hier im Zuzugsgebiet Schleswig – Holsteins den Bedarf an Kita- und Krippenplätzen wirklich decken zu können.

ahrensburg24.de: S-Bahnlinie S4:- Was bedeutet für Schleswig-Holstein und für Stormarn die S4?- Für Ahrensburg werden bis zu 6 Meter hohe Lärmschutzwände geplant. Hält Ihre Partei die Planung für richtig oder würden Sie sich für eine andere Variante des Lärmschutzes einsetzen? Zu welchem Preis?

Christian Schubbert-von Hobe: Ich begrüße den Bau der S4, da er den ÖPNV stärkt. Durch die starke Auslastung der Bahnstrecke Lübeck-Hamburg und insbesondere die des Hamburger Hautbahnhofes, kommt es immer wieder zu Zugverspätungen und Ausfällen. Dies wird sich im Zuge der geplanten Fehmarnbeltquerung noch verstärken.

Da Lärm auch eine Umweltbelastung ist und gesundheitsbeeinträchtigend sein kann, ist zusätzlicher Lärmschutz zwingend erforderlich. Was die Ausführung angeht, sollen zumindest in den historischen Sichtachsen alternative Lärmschutzmaßnamen in Form und Materialien angestrebt werden. Eine durchgehende sechs Meter hohe Lärmschutzmauer lehne ich ab.

ahrensburg24.de: Integration von Flüchtlingen: Kommunen und betreuende Ehrenamtler versuchen jetzt, die Zuwanderer in den Arbeitsmarkt oder zumindest in ein Praktikum zu vermitteln. Was ist Ihrer Ansicht nach die Aufgabe des Landes bei diesem Prozess?- Befürworten Sie Abschiebungen nach Afghanistan?

Christian Schubbert-von Hobe: Um es vorweg zu nehmen. Ich bin momentan gegen die Abschiebung nach Afghanistan. Afghanistan entwickelt sich leider wieder zu einem unbefriedigten Land, in dem vor allem Frauen, die lesen und schreiben können, benachteiligt werden. Ein Leben in Sicherheit und Würde ist dort momentan sehr schwierig geworden. Ich bin da voll auf der Linie des Flüchtlingswerkes der Vereinten Nationen.

Es kann nur gut sein, soviel Integration wie möglich voranzutreiben. Praktika können dabei ein wertvoller Schritt sein, weil gleichzeitig Sprachkenntnisse und berufliche Kenntnisse erworben werden können und stärkerer Kontakt mit den schleswig-holsteinischen Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht wird.

Wir wollen das Netz der Migrations-Beratungsstellen weiter ausbauen und den Landesbeauftragten für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen weiter stärken. Angesichts der Anzahl der inzwischen bei uns lebenden Geflüchteten muss seine Stelle mit weiteren Ressourcen ausgestattet werden.

ahrensburg24.de: Fehmarnbelt-Querung: Welche Bedeutung hat für Schleswig-Holstein und für Stormarn die Fehmarnbelt-Querung? Wie sollte Stormarn und Ahrensburg sich auf die Querung vorbereiten – Stichworte Wirtschaft und Verkehr?

Christian Schubbert-von Hobe: Die Fehmarnbelt-Querung soll die Wirtschaftsräume Kopenhagen und Hamburg stärker miteinander verbinden. Und Schleswig-Holstein wird die höhere Verkehrsbelastung stark zu spüren bekommen: Es wird eine massive Zunahme von Güterverkehren sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße geben. Stormarn wird dadurch vor allem attraktiver für Speditionen, die Depots entlang der Autobahn errichten wollen; also vor allem für Betriebe, die einen hohen Flächenverbrauch und eine geringe Wertschöpfung ausweisen.
Gleichzeitig wird die Lärmbelastung stark zunehmen. Das werden Anlieger der Bahnstrecke zu spüren bekommen. Das betrifft die Ostseebäder genau so wie zum Beipsiel Ahrensburg.

Ich halte den Ausbau der Fehmarnbelt-Querung für überflüssig. Es ist für mich von vornherein klar, dass die Investitionen in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Das Land selbst hat aber kaum Einflussmöglichkeiten. Es handelt sich um einen Staatsvertrag des Bundes mit Dänemark. Das Projekt ruht im Verkehrswegeplan. Das tun einige Projekte schon seit Jahrzehnten. Meiner Meinung nach darf das Fehmarnbelt-Projekt dort noch lange unbearbeitet liegen. Stormarn sollte sich des Problems aber offenen Auges annehmen und aktiv Vorschläge machen, um die Belastung für Mensch und Natur zu minimieren.

ahrensburg24.de: Fünf Jahre Rot-was hat die Koalition richtig gut gemacht? Was hat die Koalition richtig schlecht gemacht?

Christian Schubbert-von Hobe: Mehr als 100 Prozent Energie aus Sonne, Wind und Wasser sind erreicht. Europas größtes Speicherkraftwerk wird in der Nähe von Flensburg gebaut. Darauf gilt es aufzubauen.

Monika Heinold hat in den letzten vier Jahren drei ausgeglichene Haushalte vorgelegt. Ich kann mich gar nich erinnern, wann das das letzte Mal erreicht worden ist.

Dieses sind beides Meilensteine konsequent nachhaltiger Politik. Darauf müssen wir aufbauen.

Eher schlecht ist die Umsetzung von mehr Schulsozialarbeit gelungen. Es handelt sich um eine rein landespolitische Angelegenheit. Das Land versucht aber die Kosten zum Teil auf die Kommunen umzulegen.

Auch kann ich die Unruhe vieler Bürger zum Tempo der Straßensanierung verstehen. Viel Energie und Zeit ist in das Straßenzustandskataster geflossen. Die Umsetzung muss voran getrieben werden.

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