Bildungspolitikerin Karin Prien (CDU) in Ahrensburg: „So wollen wir zurück zu G9“

0

Ahrensburg (ve). G9 wird wieder kommen. Sollte die CDU am Sonntag die Landtagswahl gewinnen.

Veranstaltung der CDU zum Landtagswahlkampf: Der CDU-Landtagsabgeordnete und Direktkandidat Tobias Koch (links) und der Ahrensburger Ortsvorsitzende Maik Neubacher (rechts) mit Karin Prien, Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete und Kandidatin für das Amt der Bildungsministerin. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Veranstaltung der CDU zum Landtagswahlkampf: Der CDU-Landtagsabgeordnete und Direktkandidat Tobias Koch (links) und der Ahrensburger Ortsvorsitzende Maik Neubacher (rechts) mit Karin Prien, Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete und Kandidatin für das Amt der Bildungsministerin.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Das ist die Aussage, die Karin Prien gestern Abend in Ahrensburg deutlich gemacht hat. Die CDU wolle zwar keine neue Schulreform für Schleswig-Holstein, aber sie hat die Umstellung auf die neunjährige Schulzeit an den weiterführenden Schulen des Landes in ihr Sofortprogramm für die Zeit direkt nach einem möglichen Wahlsieg aufgenommen. Dazu gehört ein erste Planung, ab dem Schuljahr 2018/2019 die Schülerinnen und Schüler in den jetzigen 6. Klassen wieder in neun Jahren zum Abitur zu führen. „Wir werden sehen, wie das umsetzbar ist“, ergänzte Prien und schloss auch nicht aus, dass die Umsetzung doch noch um ein Schuljahr verschoben werden könnte.

Die Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete der CDU ist die Kandidatin als Bildungsministerin im Schattenkabinett des CDU-Spitzenkandidaten Daniel Günther. Sie ist direkt als zukünftige Bildungsministerin für Schleswig-Holstein benannt, nach Absprachen zwischen Günther und Prien sei zudem eine Neuordnung des Bildungsministeriums festgelegt worden, hieß es auf der Veranstaltung. Das Ministerium soll bei einer CDU-geführten Landesregierung die gesamte Bildung umfassen, so dass die Bereiche Kinderbetreuung und Universitäten und Hochschule dem Ministerium zugeordnet werden sollen. Derzeit sind diese beiden Bereiche dem Sozialministerium zugeordnet.

Kandidatin für das Amt der Bildungsministerin sprach in Ahrensburg vor 15 Leuten

Karin Prien sprach im Ahrensburger Peter-Rantzau-Haus begleitet von dem CDU-Direktkandidaten Tobias Koch und dem Vorsitzenden des Ortsverbandes Maik Neubacher vor 15 Zuhörerinnen und Zuhörern. In einem stringent gefassten und inhaltsreichen Vortrag umriss sie ihre Vorstellung für eine erfolgreiche Bildungspolitik im nördlichsten Bundesland. G9 sei dabei ein Thema, weil die CDU die Entscheidung für G8 heute als falsch beurteile. „Die Entscheidung wurde aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit für die Schüler im europäischen Vergleich und aus ökonomischen Gründen getroffen, nicht aus pädagogischen Gründen“, so Prien.

Die lange Schul- und Studienzeit – früher oft noch kombiniert mit einem Wehr- oder Zivildienst – sei für junge Leute oft als Nachteil erlebt worden. Das habe sich durch die Abschaffung der Wehrpflicht und die Umstellung der universitären Abschlüsse verändert. Nun würden Eltern und Schülern vorrangig die pädagogischen Nachteile durch die Verdichtung der Lehrpläne sehen und sich häufig für eine Rückkehr zu G9 aussprechen. „Diesen Elternwunsch dürfen wir nicht ignorieren“, so Prien.

Sie halte die Umstellung für umsetzbar und auch für finanzierbar. Denn gleichzeitig spricht sie sich gegen zu viele und zu kleine Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen aus. „Wir werden diese Oberstufen überprüfen müssen“, erwägt Prien, „zu kleine Oberstufen, die auch nicht das notwendige Angebot an Lehrinhalten vorhalten können, müssen wir schließen.“ Dies würde ein Teil der wieder zusätzlich an den Gymnasien benötigten Lehrkräfte freisetzen.

CDU Schleswig-Holstein: Attraktivität des Lehrberufes steigern

Doch Prien sei sich auch bewusst, dass mehr Lehrer eingestellt werden müssen. Nicht nur an den Gymnasien. Prien: „Mein Schwerpunkt zunächst werden auch die Grundschulen und die Beruflichen Schulen sein. Gerade an den Grundschulen müssten die besten Lehrerinnen und Lehrer arbeiten, um eine gute Basis für die weitere Schulkarriere der Kinder zu gewährleisten.“ Insgesamt müsse die Attraktivität des Lehrberufes verbessert werden, so dass sich wieder mehr junge Leute entscheiden können, Lehrerin oder Lehrer zu werden. Als besonders kritisch betrachtet Prien die Situation der Sonderpädagoge, „wir brauchen jedes Jahr 400 neue Lehrkräfte, bilden selber aber nur 100 aus. Das passt nicht zusammen.“

Sonderpädagogen würden nicht nur für eine bessere Umsetzung der Inklusion an den Schulen benötigt, „es gibt auch den großen Bereich der Kinder mit emotionalen und sozialen Störungen, auch für deren Schulbildung braucht es Sonderpädagogen. Es stellt für Lehrerinnen und Lehrer schlichtweg eine Überforderung dar, wenn sie diese Schüler einfach mitbetreuen sollen – und für die Klassenkameraden auch.“

Damit sei für Karin Prien klar, dass Schleswig-Holstein mehr Geld in das Bildungssystem investieren muss. „Wenn wir in Hamburg mit den Mitteln zurecht kommen müssten, die in Schleswig-Holstein zur Verfügung stehen, würde unser Schulsystem zusammenbrechen“, verglich die Kandidatin die beiden Bundesländer.

Thema Kinderbetreuung: Tobias Koch fordert Drittel-Finanzierung

Mit Blick auf die Finanzierung der Kinderbetreuung ergänzte Tobias Koch, finanzpolitischer Sprecher der CDU, dass seine Partei zur Drittelfinanzierung der Kindertagesstättengebühr zurückkehren möchte. „Das bedeutet, dass das Land den Betrag von derzeit 70 Millionen Euro auf 120 Millionen Euro aufstocken muss und gesetzlich festlegt, dass der Beitrag der Eltern landesweit 33 Prozent der Gesamtkosten betragen darf.“ Eine Beitragsfreiheit in der Kinderbetreuung stellten Prien und Koch nicht in Aussicht, „das ist unseriös, wenn wir eine gute Qualität der Arbeit in den Kindertagesstätten haben wollen“, so Prien. Geplant sei es, den Anteil der Elternbeiträge mittelfristig auf 25 Prozent zu senken.

Noch eines liege Prien am Herzen: „Der Beruf der Erzieherin sollte ein Ausbildungsberuf werden. Nur so kann es gelingen, dass mehr Menschen diesen Beruf ergreifen wollen. Die lange Ausbildung, die auch noch selber finanziert werden muss, schreckt doch viel ab.“

Karin Prien: CDU-Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft

Karin Prien ist selber Mutter von drei Söhnen und lebt mit ihrer Familie in Hamburg Blankenese. Die Juristin hat im Fachbereich Handels- und Gesellschaftsrecht gearbeitet und ist – nach einer Zeit in der Jungen Union – 2004 wieder politisch aktiv geworden. Seitdem ist Schulpolitik ihr Schwerpunktthema, begleitet hat sie damals die intensive Debatte in Hamburg um die Einrichtung einer sechsjährigen Grundschule. „Wegen diesem Thema ist die CDU damals abgewählt worden“, sagt sie heute. 2011 wurde sie für den Wahlkreis Blankenese in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, in der sie bildungspolitische Sprecherin ist.

Kritik an der Auffstellung einer Kandidatin aus Hamburg griff Tobias Koch vorweg – die CDU Schleswig-Holstein hatte diese Kritik in der amtierenden Landesregierung geübt, in der einige Hamburger wie die amtierende Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) aus der Hansestadt kommen. „Unsere Kritik“, so Koch, „bezog sich darauf, dass die Minister nicht ihren ersten Wohnsitz nach Schleswig-Holstein verlegen. Gute Leute kann man sich von überall her holen, das spricht nicht gegen eine Kandidatin aus Hamburg.“ Nun denn – das setzt den Standard für Karin Prien, sollten sie und ihre Partei in die Regierungsverantwortung im Kieler Landtag kommen.

image_pdfimage_print
Teilen.

Kommentieren