Robert Habeck in Ahrensburg: Ein Mann der Kompromisse

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Ahrensburg (ve). 75 Stimmen waren es, die Robert Habeck bei der Wahl zur Spitzenkandidatur auf Bundesebene hinter dem Sieger Cem Özdemir gelegen hatte. Eine Lehre für ihn – mindestens so viele Stimmen wollte er alleine gestern im Landtagswahlkampf 2017 in Ahrensburg holen.

Wahlkampf in Ahrensburg: Robert Habeck, Bündnis 90/Die Grünen, wirbt in Ahrensburg für seine Politik. Foto:ahrensburg24.de

Wahlkampf in Ahrensburg: Robert Habeck, Bündnis 90/Die Grünen, wirbt in Ahrensburg für seine Politik.
Foto:ahrensburg24.de

„Die Wahlergebnisse sind sehr knapp derzeit bei vielen Abstimmmungen und es wird letztlich das letzte Mandat darüber entscheiden, welche Koalition im neuen Kieler Landtag entstehen kann“, sagt er vor circa 110 Gästen im Peter-Rantzau-Haus. Etwa, ob die AfD die Fünf-Prozent-Hürde schafft oder nicht, kann entscheidend sein. Denn wenn sie in den Landtag einzieht, könnte es schwierig werden, dass die derzeitige Koalition aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und SSW tatsächlich eine absolute Mehrheit der Sitze wieder erreichen kann.

So ging Habeck auf Stimmenfang. Locker gekleidet in Jeans und Sacko mit einem verschmitzten Lächeln gab er eine Kurzeinführung in seine Haltung als Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, mehr plauschend, als dozierend. Aber mitnichten plaudernd. Sein Ziel als Umweltminister sei es – früher hätten die Grünen ihn „Realo“ genannt – Entwicklungen gemeinsam mit den Betroffenen und auch Gegnern zu einem Kompromiss zu führen. Mit Blick auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die neu gedacht werden müsse.

Robert Habeck und der Bauernverband: Langsame Annäherung

Thema Landwirtschaft zum Beispiel, der Bauernverband in Schleswig-Holstein hat Habeck lange als Gegner betrachtet. Habeck: „Heute sehen auch die Landwirte, dass Landwirtschaft so, wie sie derzeit betrieben wird, nicht für immer funktioniert.“ Er sei jetzt mit dem Bauernverband im Gespräch. Darüber, wie eine extensive Landwirtschaft Schäden wie Nitratbelastungen des Grundwassers reduzieren kann. „Wir haben als Gesellschaft die Aufgabe, dafür eine Lösung zu finden und den Landwirten ein Wirtschaften zu ermöglichen, dass sie nicht ständig zu Produktivitätssteigerungen zwingt. Das ist ein langer Weg und den würde ich gerne fortsetzen.“

Ähnliches gelte für die Fischer und die Problematik, dass in den Stellnetzen Schweinswale verenden. Auch hier habe er mit den Betroffenen gesprochen und gemeinsam den Weg nach einer Lösung gesucht – und gefunden. „Denn“, so Habeck“, „eigentlich wollen die Fischer auch nicht, dass die Schweinswale verenden.“ Nun werde es mit technischen Geräten möglich, dass der Fischfang nicht tödlich für die Schweinswale endet. Eine Lösung, die inzwischen sogar ein Vorbild-Projekt auf europäischer Ebene und Forschungsprojekt ist.

Robert Habeck und die Grünen: Realpolitik aus den Wurzeln des Protestes

Oder der Netzausbau an der Ostküste – natürlich habe es dort Betroffene gegeben, die den Bau so nicht mittragen wollten. Doch er setze auf Beteiligungsverfahren. „Wir haben uns dann mit den Betroffenen – auch Nabu und BUND – zusammen gesetzt und gemeinsam eine Lösung erarbeitet, die alle mittragen können. Jetzt erfolgt in Schleswig-Holstein eines der größten Projekte den Netzausbaus, ohne dass es viele Klagen gibt.“

Und Habeck ist bereit, selber Kompromisse einzugehen: „Umweltpolitik hat noch nie ein Projekt verhindern können – nur verzögern können“, bleibt er realistisch. Doch der Weg der Klage sei dafür nicht richtig, „es ist doch schlauer“, so Habeck, „vorher gemeinsam eine für alle tragfähige Lösung zu finden.“

Wahlkampf in Ahrensburg: Robert Habeck, Bündnis 90/Die Grünen, wirbt in Ahrensburg für seine Politik. Foto:ahrensburg24.de

Wahlkampf in Ahrensburg: Robert Habeck, Bündnis 90/Die Grünen, wirbt in Ahrensburg für seine Politik.
Foto:ahrensburg24.de

Hinter dieser Haltung steckt für Habeck mehr, als nur die Freude am Diskutieren. Er macht daraus eine Grundhaltung: „Gerade wir Grünen als Partei, die aus dem Widerstand entstanden ist, sind dazu aufgefordert, in gesamtgesellschaftlichen Problemfeldern zu denken. Wir müssen gemeinsam um Lösungen ringen und dabei die Meinungen anderer ernst nehmen.“ Habeck ging so weit zu sagen, dass am Sonntag bei der Landtagswahl 2017 auch über die Art der Debattenkultur und über den Gemeinsinn abgestimmt werde und damit die „zivilgesellschaftliche Stabilität“ zur Abstimmung stehe. Und so stehe sein Wahlkampf für die Landtagswahl ganz bewusst unter dem Motto „Zeit zu Reden“.

Die nahm er sich knapp zwei Stunden und beantwortete zahlreiche Fragen aus dem Publikum zu seiner Politik und seinen Positionen.

Wahlkampf in Ahrensburg: Robert Habeck und Christian Schubbert-von Hobe, Bündnis 90/Die Grünen, werben in Ahrensburg für ihre Politik. Foto:ahrensburg24.de

Wahlkampf in Ahrensburg: Robert Habeck und Christian Schubbert-von Hobe, Bündnis 90/Die Grünen, werben in Ahrensburg für ihre Politik.
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Wahlkampf in Ahrensburg: Robert Habeck, Bündnis 90/Die Grünen, wirbt in Ahrensburg für seine Politik. Foto:ahrensburg24.de

Wahlkampf in Ahrensburg: Robert Habeck, Bündnis 90/Die Grünen, wirbt in Ahrensburg für seine Politik.
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