Gastbeitrag der Gemeinschaftsschule am Heimgarten: Besuch in Yad Veshem

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Ahrensburg (ve/pm). Inken Schröder, Lehrerin der Gemeinschaftsschule am Heimgarten, hat im Rahmen einer Seminarreise für Lehrerinnen und Lehrer aus Schleswig-Holstein Isreal und die Gedenkstätte Yad Vashem besucht. Lesen Sie ihren Bericht als Gastbeitrag auf ahrensburg24.de.

Die Ahrensburger Lehrerin Inken Schröder berichtet in in einem Gastbeitrag auf ahrensburg24.de von ihrer Studienreise nach Yad Vashem in Israel. Foto:Inken Schröder

Die Ahrensburger Lehrerin Inken Schröder berichtet in in einem Gastbeitrag auf ahrensburg24.de von ihrer Studienreise nach Yad Vashem in Israel.
Foto:Inken Schröder

„Die Shoa im 21. Jahrhundert unterrichten – Erziehung nach Auschwitz“: Unter diesem Schwerpunkt stand die Studienfahrt von 22 Lehrerinnen und Lehrern aus Schleswig-Holstein nach Israel vom 1. bis 11. April 2017. Das vorrangige Ziel ist es hierbei, die vertiefte fachliche Diskussion der Shoa in der Ausbildung und Fortbildung von Lehrkräften zu fördern.

„Und ihnen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen (Yad Vashem) geben … der nicht getilgt werden soll.“ (Jesaja 56,5).

Die ersten fünf Tage besuchte die Gruppe Yad Vashem. Als lebendiges Denkmal des jüdischen Volkes für den Holocaust bewahrt es die Erinnerung an die Vergangenheit und vermittelt ihre Bedeutung an kommende Generationen. Gegründet wurde Yad Vashem im Jahre 1953 als Weltzentrum der Dokumentation des Holocaust, seiner Erforschung und Lehre sowie seines Gedenkens. Heute ist es eine dynamische und lebendige Begegnungsstätte für Menschen aller Generationen und Nationen. Yad Vashem hat sich das Ziel gesetzt, allen im Holocaust ermordeten Menschen einen Namen und ein Gesicht zu geben.

Das Seminar besteht aus verschiedenen Bausteinen zur Geschichte, Aufarbeitung und Wirkung des Holocausts und zur jüdischen Kultur mit zahlreichen Discussions, Lectures, Workshops und Guided Tours. Bereichernd war das Entdecken und Ausprobieren der von Yad Vashem entwickelten Unterrichtseinheiten und Materialien für Schülerinnen und Schüler aller Altersklassen.

Besonders eindrucksvoll war die Begegnung mit Holocaust-Überlebenden wie Tswi Herschel, der 1942 in den Niederlanden geboren wurde. Im Alter von vier Monaten vertrauten seine Eltern ihn einem nicht-jüdischen Paar an, in der Hoffnung, dass Tswi der Vernichtung entgehe und gerettet werde. Heute lebt er mit seiner Familie in Israel und unterstützt gemeinsam mit seiner Tochter Institutionen wie Yad Vashem mit Vorträgen. Er ist auch oft an Schulen in Deutschland zu Gast und berichtet dort anhand seines vom Vater entworfenen Lebenskalenders einfühlsam und adressatengerecht über seine Erfahrungen.

Inken Schröder, Lehrerin an der Gemeinschaftsschule am Heimgarten, vor der Stadt Jerusalem. Sie berichtet von einer Reise nach Israel. Foto:privat

Inken Schröder, Lehrerin an der Gemeinschaftsschule am Heimgarten, vor der Stadt Jerusalem. Sie berichtet von einer Reise nach Israel.
Foto:privat

Malka Rosenthal kam 1934 in Polen zur Welt. Sie wurde 1,5 Jahre von einer polnischen Familie in einem Fass in einer Scheune versteckt, welches sie nur eine Stunde am Tag verlassen durfte. Sie überlebte den Holocaust und wanderte 1948 nach Israel aus. Gabriele Hannemann hat die Geschichte der kleinen Marisha kindgerecht und emotional ansprechend für die Erstbegegnung mit der Shoa in einem Kinderbuch „Marisha – Das Mädchen aus dem Fass“ festgehalten.

Der Besuch des Museums in Yad Vashem, ein Spaziergang über das Gelände mit der Allee der Gerechten unter den Völkern (unter anderem wurde hier für Oskar Schindler ein Baum gepflanzt) und vor allem die Halle der Kinder waren sehr traurige und berührende Erfahrungen, die sich kaum in Worte fassen lassen. Der Garten der Gerechten unter den Völkern wurde zur Ehre der Tausenden Menschen errichtet, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um Juden vor der Vernichtung zu retten. Die Kindergedenkstätte, ein unterirdischer Bau, ist den 1,5 Millionen jüdischen Kindern gewidmet, deren Leben im Holocaust ausgelöscht wurde. Fünf Kerzen werden in der Dunkelheit reflektiert, so dass sich ihr Licht unendlich spiegelt. Namen, Alter und Geburtsort der Kinder werden im Hintergrund vorgelesen.

Die verbliebene Zeit in Israel stand für Exkursionen zur Verfügung. Eine führte uns nach zur Begegnungsstätte Givat Haviva nördlich von Tel Aviv, die sich für jüdisch-arabische Verständigung und Friedenserziehung einsetzt. Von hieraus erfolgte eine Fahrt durch israelische und palästinensische Gebiete entlang der Green Line (Grenze von 1967), unter anderem durch das geteilte Dorf Barta’a.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es eine beeindruckende Reise voller Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse war, die die Perspektive auf die Shoa, den Nahost-Konflikt und das jüdische Leben nachhaltig verändern und beeinflussen werden. Besonders prägend und bereichernd waren die zahlreichen Begegnungen mit Israelis, Juden, Palästinensern, Arabern, DozentInnen, KollegInnen und Überlebenden, die Anlass zu vielen Gesprächen, Diskussionen und Reflexionen gaben.

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