Tag der Städtebauförderung: Die Vision von Ahrensburg entdecken

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Ahrensburg (ve). Heute ist der Tag der Städtebauförderung. Eine Chance, zu entdecken, was aus Ahrensburg in naher Zukunft werden soll.

Tag der Städtebauführung in Ahrensburg: Etwa 50 Gäste ließen sich von der Verwaltung die Entwicklung der Ahrensburger Innenstadt erklären. Sichtachse der Innenstadt: Vom Rondeel aus führt der Blick direkt auf den Glockentrum der Schloßkirche. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Tag der Städtebauführung in Ahrensburg: Etwa 50 Gäste ließen sich von der Verwaltung die Entwicklung der Ahrensburger Innenstadt erklären. Sichtachse der Innenstadt: Vom Rondeel aus führt der Blick direkt auf den Glockentrum der Schloßkirche.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Chance nutzten etwa 50 Gäste einer Stadtrundganges, zu dem die Stadt eingeladen hatte. Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens sowie Andrea Becker und Veronika Conradi vom Amt für Stadtplanung führten sie gut 90 Minuten durch die Innenstadt zu all‘ den Orten, an denen die Schlossstadt sich verändern wird.

Städtebauförderung: Das Denkmal der Ahrensburger Innenstadt erhalten

Dass Archivarin Angela Behrens dabei war, hatte einen guten Grund. Denn die Stadt ist vom Land nur deswegen in das Städtebauförderungsprogramm aufgenommen worden, um die Geschichte und den Ursprung der Stadtarchitektur zu erhalten. Es geht um die Aufwertung der denkmalgeschützten Innenstadt.

„Der Kaufmann Heinrich Carl Schimmelmann brauchte“, erläuterte Behrens in der Großen Straße, „eine repräsentative Einfahrt in diesen Ort mit Blick auf das Schloss.“ Denn er betrieb weltweit Handel und lud zahlreiche Gäste auf sein Ahrensburger Schloss und zur Jagd, die mit er Kutsche anreisten. Deswegen habe er das Dorf Ahrensburg – damals noch Woldenhorn – auf dem sogenannten Dreizack neu aufgebaut, einer barocken Straßenanlage mit großen Plätzen in der Großen Straße, dem Zentrum am Rondeel und drei schnurgeraden Alleen zu seinen Jagdgebieten und nach Hamburg – die Manhagener Allee, die Hagener Allee und die Hamburger Straße.

Die Stadtplanung aus der Zeit des Barock

Eben diese Anlage mit dem Blick des barocken Gestaltungswillen sei es, die heute unter Denkmalschutz stehe. „Deswegen suchen Menschen manchmal vergebens nach den Denkmälern in der Innenstadt“, so Behrens, „denn es sind nicht die Fassaden oder alten Gebäude, sondern die Straßen, auf denen wir stehen.“

Das Städtebauförderungsprogramm hat dies 2014 anerkannt und 2016 sogar noch die Aufwertung der Region rund um den Bahnhof mit in das Programm aufgenommen, um Ahrensburgs Innenstadt zu restaurieren. Kosten in Höhe 41 Millionen Euro insgesamt könnten am Ende der Bauarbeiten stehen, das ist die derzeitige Planung. Die förderfähigen Kosten dieser Baumaßnahmen werden durch eine Drittelfinanzierung jeweils von Bund, Land und Stadt gezahlt. ahrensburg24.de hat mehrfach über den Verfahrensstand und die öffentliche Diskussion berichtet.

Berichte auf ahrensburg24.de
Tag der Städtebauführung in Ahrensburg: Etwa 50 Gäste ließen sich von der Verwaltung die Entwicklung der Ahrensburger Innenstadt erklären. Start war am Ahrensburger Bahnhof. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Tag der Städtebauführung in Ahrensburg: Etwa 50 Gäste ließen sich von der Verwaltung die Entwicklung der Ahrensburger Innenstadt erklären. Start war am Ahrensburger Bahnhof.
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Andrea Becker und Veronika Conradi führten zu den zentralen Punkte des Programm: Bahnhof, Lindenhof, Rondeel, Große Straße und Alter Markt. Im weiteren ist der ehemalige Speicher des Gutshofes hinter dem Marstall mit in das Programm aufgenommen.

Ahrensburger Innenstadt vom Bahnhof bis zum Schlossensemble

„Das Umfeld des Bahnhofs soll neu gestaltet werden, um besser in Richtung Innenstadt zu führen“, so Becker und Conradi. Denn ein Kritikpunkt ist, das vom Bahnhof aus nicht einmal der Blick Richtung Innenstadt geöffnet wird, geschweige denn es eine Wegeführung gibt. Zudem hat der Bau des Bahnhofes im 19. Jahrhundert aus dem kleinen Dorf Woldenhorn schnell eine lebendige Kleinstadt werden lassen und damit die Geschichte Ahrensburgs entscheidend geprägt.

Eines der ersten Projekte ist zu dem die Sanierung der Hamburger Straße, die letzte der drei Alleen, die noch nicht saniert worden ist. Erstes Projekt des Städtebauförderungsprogrammes ist die Sanierung des inzwischen auch unter Denkmalschutz stehenden Rathauses.

Die Große Straße selber ist erst vor wenigen Jahren saniert worden. Doch von dort sollte der Blick eigentlich Richtung Schloss führen und die Verbindung herstellen. Ziel des Programmes sei es, wie auch aus Richtung des Bahnhofes die Innenstadt aus Richtung Schloss neu zu öffnen und dem Passanten die Zusammenhang zwischen Stadt, Innenstadt und Bahnhof neu erlebbar zu machen.

Tag der Städtebauführung in Ahrensburg: Etwa 50 Gäste ließen sich von der Verwaltung die Entwicklung der Ahrensburger Innenstadt erklären. Abschluss der Tour war am Alten Markt. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Tag der Städtebauführung in Ahrensburg: Etwa 50 Gäste ließen sich von der Verwaltung die Entwicklung der Ahrensburger Innenstadt erklären. Abschluss der Tour war am Alten Markt.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Aufwertung des Platzes am Alten Markt

Ein Kernpunkt dabei ist der Alte Markt. „Das ist eigentlich ein 80 mal 80 Meter großer Platz“, so Andrea Becker“, „aber das ist heute kaum zu sehen.“ Problem sie die Straßenführung der ehemaligen Bundesstraße 75, ebenfalls von Schimmelmann als wichtigem Postweg angelegt, der direkt an seinem Schloss vorbei die Post auf schnellstem Wege nach Wandsbek bringen sollte.

Diese Straßenführung mache es heute schwer, Lebensqualität in die Ahrensburger Innenstadt zu bringen, „aber es gibt Maßnahmen, die dazu beitragen können“, so Becker. „Wir werden den Verlauf der alten Bundesstraße nicht ändern können, aber durch Baumaßnahmen zum Beispiel den Autofahrern verdeutlichen, dass sie sich hier in der Innenstadt befinden und entsprechend rücksichtsvoll fahren“, sagte Becker just in dem Moment, in dem ein schneller, schwarzer Sportwagen am Alten Markt mit entsprechendem Motorengeräusch dicht an der Gruppe vorbeirast.

Die 50 Gäste folgten interessiert dem Stadtrundgang, ergänzten eigene Ansichten und Wünsche. Mit dabei waren auch Vertreterinnen der Ahrensburger Kirchengemeinde, deren Außengelände hinter der Schlosskirche auch Teil des Programm hätte werden können.

Derzeit befinden sich die Planungen der Stadt Ahrensburg, die dieses alles benennen, beim Innenministerium des Landes. Ausarbeitungen der Stadtverwaltung und des Ministeriums werden dann in die politischen Gremien gegeben, dort wird über die genauen Planungen des Städtebauförderungsprogrammes entschieden.

Tag der Städtebauführung in Ahrensburg: Etwa 50 Gäste ließen sich von der Verwaltung die Entwicklung der Ahrensburger Innenstadt erklären. Sie führten durch die Stadt: Stadtplanerin Andrea Becker, Archivarin Dr. Angela Behrens und Stadtplanerin Veronika Conradi (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Tag der Städtebauführung in Ahrensburg: Etwa 50 Gäste ließen sich von der Verwaltung die Entwicklung der Ahrensburger Innenstadt erklären. Sie führten durch die Stadt: Stadtplanerin Andrea Becker, Archivarin Dr. Angela Behrens und Stadtplanerin Veronika Conradi (von links).
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

 

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3 Kommentare

  1. Gertrud Tammena on

    Der Vermarktungswunsch dieser feudalistischen „Vision“ einer sich verdreifachenden Strassenführung, von denen lediglich die mittlere noch den namen „Allee“ verdient, ist ein ständig widerkäuendes Thema von Städteplanern & Investoren. Während andernorts z.B. in Hamburg wegen der kolonialen Unrechtshandlungen über die Ächtung des Namens „Schimmelmann“ auf Strassenschildern nachgedacht wird, macht man seinem Gedenken hier den Hof, auch seitens der SPD-Amtsträger, auch in der Verwaltung, und will nun die Pkw-dominierte Strassenführung durch Denkmalsschutzmaßnahmen vergolden – wie sozial, wie ökologisch, wie geschichtsbewusst ist das denn? Ich denke daran, dass die Baumschutzsatzung um solcher noblen Ziele willen konterkariert wurde und von Frau Becker/Bauamt ein Umdenken nach dem beschlossenen und befolgten Bürgerentscheid gegen die Kastenlinden (Kosten!,Anblick!) wieder ins Spiel gebracht wird. Dieser hier celebrierte Tag der Städtebauförderung für eine geringe Teilnehmergruppe ist ein jährliches Ärgernis nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt zeitgemäßere Prinzipien“. Schrecklich!

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