11. Musiknacht Ahrensburg: Stars, Newcomer und ein bisschen Open Air-Feeling

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Ahrensburg (ve). Hamburg hat im Herbst die Rolling Stones, Ahrensburg hat Lake. Auf der 11. Musiknacht war die Band mit Sänger Ian Cussick im Parkhotel einer der Höhepunkte.

Gut – die Musiker haben graue oder gar keine Haare mehr, sie stehen etwas behäbig auf der Bühne. Aber die Zeit, in der sie Tausende in die Stadien gelockt haben, ist immerhin schon 35 Jahre her. Im Parkhotel haben sie gezeigt: Musik machen können sie immer noch, Ian Cussick Stimme hat nur ein wenig Farbe verloren und Spaß haben sie mächtig auf der Bühne.

Musiknacht Ahrensburg 2017. Musiknacht Ahrensburg 2017. Die Band Lake mit Sänger Ian Cussick (rechts) im Parkhotel. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Musiknacht Ahrensburg 2017. Musiknacht Ahrensburg 2017. Die Band Lake mit Sänger Ian Cussick (rechts) im Parkhotel.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Das Publikum stand dicht gedrängt im großen Saal des Parkhotels. Und das blieb so bis gegen 2 Uhr in der Früh. Inga Rumpf, begleitet von Lutz Krajenski an den Keyboards und Thomas Biller am Bass, wurden begeistert aufgenommen. Dann kamen die Stimulators – trotz einer Reifenpanne bei Hannover am Nachmittag und dem einen oder anderen Stau auf der Autobahn halbwegs rechtzeitig in Ahrensburg angekommen -, die bei ihrem inzwischen elften Auftritt bei der Musiknacht von ihrem Publikum wieder begeistert aufgenommen worden sind.

Ihnen folgt nach Mitternacht stets die Jam-Session, eine Besonderheit der Musiknacht. Jeder, der Lust hat – und das waren unter anderem Jaimi Faulkner, Moritz Ley, Georg Schroeter und Marc Breitfelder, Andrew Martin, Martin Röttger, David Herzel, Leo Lazar und andere mehr – schnappt sich ein Instrument und spielt mit.

In 18 Locations war es zuvor den Abend über eng gewesen. Flötistin Ines Omenzetter zum Beispiel war zum ersten Mal dabei – ihre Location Jette’s Woll-Oase – auch. Doch einen freien Platz gab es dort nicht, wer zu spät kam, musste der Band und ihrem gefühlvollen Deutsch-Rock-Jazz draußen vor der Tür zuhören. Ein ähnliches Bild im Herrenhaus, wo Gottfried Böttger und Johanna Zimmermann spielten, bei Betten Bubert und Black Patti, bei Moritz Ley – das erst mal in Trio-Besetzung – im Fotostudio am Schloss oder bei Opportunity bei der Druckerei Hinkelmann und und und. Eine Musiknacht mit Trubel und viel Bewegung in der ganzen Innenstadt.

Musiknacht Ahrensburg 2017. "Viva la Musica" aus Viljandi in der Stadtresidenz. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Musiknacht Ahrensburg 2017. „Viva la Musica“ aus Viljandi in der Stadtresidenz.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Wer in die Stadtresidenz kam, der erlebte die heimlichen Stars der Musiknacht: Viva la Musica. Glasklare Stimmen, harmonisch ungewohnte Arrangements, Folk-Musik aus Estland modern adaptiert, große Emotionen – das ist die Musik dieses Ensembles. Die Schülerinnen und Schüler der Musikschule Viljandi präsentierten mit klaren und anrührenden Stimmen eine Musik, die schnell vor dem inneren Auge der Zuhörer das Land mit seinen nordischen Weiten entstehen ließ.

Und das unter durchaus noch erschwerteren Bedienungen als die der Stimulators. Denn wie wir alle wissen, hatte es am Freitag Abend geregnet. In Hamburg über dem Flughafen. Auf dem allerdings wollte das Flugzeug aus Tallin mit den Gästen aus Ahrensburg landen – durfte aber nicht. Die Esten wurden also mal eben nach Amersterdam oder sonstwohin umgeleitet, erlebten eine Anreise der dritte Art und konnten froh sein, dass überhaupt alle Mitglieder des Ensembles schließlich rechtzeitig in der Schlossstadt waren. Wenn auch – da wird die Situation wieder schwerer – teilweise ohne Gepäck.

Mit dem Ensemble reiste eine Delegation aus Estland an. Kai Oja und Rein Triisa hatten bei dem Konzert der jungen Musiker Tränen in den Augen. „Diese Musik und der Gesang bedeutet den Esten viel“, beschreibt es Triisa im Gespräch mit ahrensburg24.de, „nicht nur, weil sie auf unsere traditionelle Musik zurückgreift. In Estland gibt es eine große Tradition des gemeinsamen Singens. So gibt es in Tallin einmal im Jahr bei einem Festival, bei dem aus über 25.000 Sängerinnen und Sängern ein Chor gebildet wird. 100.000 sind im Publikum dabei.“ Und nicht zuletzt sei die Abspaltung von der UdSSR auch vor allem durch gemeinsames Singen auf der Straße befördert worden, „das war unsere Singende Revolution“, so Triisa.

Nicht nur aus Viljandi waren Gäste in Ahrensburg, auch Ludwigslust war mit einer Delegation um Bürgermeister Reinhard Mach vertreten und aus Esplugues kam das Ensemble Anmesia. Begleitet von Bürgervorsteher Roland Wilde und Bürgermeister Michael Sarach erlebten und gestalteten sie erstmals diese Musiknacht mit.

Musiknacht Ahrensburg 2017. Die Gäste aus den Partnerstädten Viljandi, Esplugues und Ludwigslust. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Musiknacht Ahrensburg 2017. Die Gäste aus den Partnerstädten Viljandi, Esplugues und Ludwigslust.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bürgermeister Sarach war es auch, der das Festival am führen Abend bei HolzLand H. Wulf offiziell eröffnet. Dann gab er die Bühne frei für Reinhold Beckmann und Band, der seinem Publikum mit Augenzwinkern, Schalk und ironischem Deutschrock zu einem guten Start in die Musiknacht verhalf.

Als gelungene Veränderung erwies sich die Entscheidung, bei Holzland H. Wulf zwei Bühnen aufzubauen. So entfiel die Umbaupause, während derer bei vorigen Veranstaltungen meist zum Leidwesen der als zweiter auftretenden Band viele den Holzhandel verließen. So aber standen nach dem letzten Ton von Beckmann die Superkerle schon nebenan auf der Bühne bereit und schmissen ihre Bässe und Gitarren-Riffs unverzüglich ihrem Publikum entgegen. Das konnte dann bei besten Festival-Wetter so auch eine echte Open Air-Atmosphäre genießen.

Musiknacht Ahrensburg 2017. Alice Merton bei der Haspa. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Musiknacht Ahrensburg 2017. Alice Merton bei der Haspa.
Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Mit einem Star ging es weiter bei der Haspa: Alice Merton. Veranstalterin Felizitas Thunecke ist noch vor dem Hype um die junge Singer-Songwriterin aus Berlin auf sie aufmerksam geworden und hat sie gleich gebucht. Er danach kam der Durchbruch mit „No Roots“. Merton hat inzwischen eine große Fangemeinde – und die war auch in Ahrensburg dabei. Was dazu führte, dass auch bei der Filiale der Haspa so mancher das Konzert nur von draußen erleben konnte, drinnen drängten sich die Zuschauer bis an die Bühne. Trotzdem oder wohl deswegen: Reichlich Applaus und Begeisterung für Alice Merton.

Voll bis auf den letzten Platz war fast jede Location der Musiknacht, aber zum Beispiel im Domicil gab es noch den einen oder anderen Platz. Was vielleicht daran liegt, dass es zwar ein schöner Raum für ein Konzert ist, an dem aber schwer ein lockere Stimmung aufkommt. So wirkten Fontaine Burnett und Yogi Jokusch doch etwas verloren in dem Saal.

Diesmal nicht dabei war das CCA, das aufgrund der schwierigen Akustik aber auch nie wirklich zu den guten Locations gehörte. Mit einer Folge allerdings: Bis auf CheckPoint Vital gab es in der Großen Straße kein Konzert, merkwürdig ruhig wirkte es daher dort, während rundherum vom Casa Rossa bis zu Jaques Weindepot und Hotel am Schloss tobte das Musiknacht-Leben.

Eines darf vielleicht nicht unerwähnt bleiben: Die klimatischen Bedingungen im Parkhotel. Aufgrund von Lärmschutzregeln müssen die Fenster des großen Saales geschlossen bleiben. Doch bei der dicht gedrängten Menge reicht die Klimaanlage bei weitem nicht aus. Es war so stickig und so heiß im Saal, dass es für einige nicht auszuhalten war. Andere sind ob ihrer Standhaftigkeit, etwa vier Stunden lang unter diesen Bedienungen Spaß an der Musik zu haben, nur zu bewundern.

Musiknacht Ahrensburg 2017. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Musiknacht Ahrensburg 2017. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

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