Antependium des Altars der Schloßkirche: Strahlend schön nach langer Restaurierung

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Ahrensburg (ve). Das war fast wie Weihnachten und Pfingsten an einem Tag: Am Pfingssonntag erhielt die Schlosskirche ihr Antependium zurück.

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Textil-Restauratorin Ada Hinkel vor dem restaurierten Antependium. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Textil-Restauratorin Ada Hinkel vor dem restaurierten Antependium.
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Ein Antependium ist der Behang vor dem Altar. Und wie vieles in der Schloßkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde ein wertvolles, altes Stück. Das Alter des Seidenteppichs wird auf 250 Jahre geschätzt und er ist sicherlich das eine oder andere Mal in dieser Zeit restauriert worden. Nun wieder unter den fachkundigen Händen der Textil-Restauratorin Ada Hinkel.

Antependium der Schloßkirche: Spinnen, Wachs und Staub

Was war die Ausgangslage? Kleine Löcher im Teppich, Wachs an vielen Stellen, Spinnweben und Insekten überall, die Stickerei beschädigt. Ein nachträglich angebrachte Aufhängung am Altartisch hatte dazu geführt, dass der Behang auf dem Boden auflag und die Pastoren beim Gottesdienst schon mal auf die Kante traten. Das war nicht nur störend, sondern schädigte natürlich auch den Teppich.

All’ das ist nun repariert, Ada Hinkel: „Ich habe den Teppich gereinigt und zum Beispiel das ganze Wachs, Staub und Spinnweben entfernt. Das macht man mechanisch mit einer kleinen Nadel, vorsichtig kann man auch mit Pinsel und einem Staubsauger arbeiten.“ Außerdem wurden die Schadstellen ausgebessert, Hinkel: „Das Antependium wird ja auch benutzt, daher muss diese Arbeit etwas fester sein. Das ist nicht so einfach, wenn man gleichzeitig so arbeiten möchte, dass man die ausgebesserten Stellen nicht sofort erkennen soll.“ Sie habe daher festere Fäden mit größeren Stichen vernäht, obwohl der sehr fest gewebte Seidensamt sehr filigran erscheint.

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Eine der schadhaften Stellen: Unterhalb des Wappens musste der Seidensamt vernäht werden. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Eine der schadhaften Stellen: Unterhalb des Wappens musste der Seidensamt vernäht werden.
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Die größte Veränderung: An der Oberseite wurde der Behang nach hinten mehrere Zentimeter versäumt, so dass er insgesamt kürzer wurde. Eine neue Bordüre mit Klettverschluss lässt nun eine neue Aufhängung an der Tischkante zu. Diese umgeht zum einen die Tischecken – die sich vorher regelrecht direkt in den Behang bohrten – und macht es zum anderen möglich, dass der Behang als solcher nicht am Tisch befestigt werden muss, sondern nur die Bordüre. Schließlich wurde das Leinentuch, dass über dem Tisch liegt und an dem das Antependium befestigt wird, ebenfalls erneuert.

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Die neue Lösung für die Ecken: Eine Bordüre wurde an das Antependium angenäht, so dass die Tischecken sich nicht mehr in den Seidenteppich bohren. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Die neue Lösung für die Ecken: Eine Bordüre wurde an das Antependium angenäht, so dass die Tischecken sich nicht mehr in den Seidenteppich bohren.
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Ada Hinkel: „Als Restauratorin habe ich nicht nur alle Arbeitsschritte dokumentiert, sondern auch all’ das, was ich am Teppich und an der Aufhängung vorgefunden habe. So kann auch in 50 Jahren noch jeder nachvollziehen, was ich gemacht habe.“ Die größte handwerkliche Herausforderung war dabei das Ausbessern der Stickereien – sie bestehen aus mit Gold und Silber belegten Seidenfäden, diese sind dick und schwer. Die Stickereien zeigen an der Vorderseite des Antependiums den Wappen der Familie Rantzau, den Stiftern der Kirche.

Zweieinhalb Monate hat Ada Hinken an dem Teppich gearbeitet. Am Pfingstsonntag kamen noch einem drei Stunden dazu, während derer der Teppich wieder an den Altartisch angebracht wurde, geholfen hat dabei Hinkels Kollegin Wiebke Haase. Pastorin Ursula Sieg war den Nachmittag über dabei und beeindruckt von der Arbeit und dem Ergebnis: „Ich habe viel gelernt heute über die Restaurierung und sehe auch, wie schön der Teppich jetzt ist.“

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Textil-Restauratorin Ada Hinkel (links) und ihre Kollegin Wiebke Haase bringen das neue Leinentuch auf dem Altarisch auf. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Textil-Restauratorin Ada Hinkel (links) und ihre Kollegin Wiebke Haase bringen das neue Leinentuch auf dem Altarisch auf.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Finanzierung des Projektes: Förderverein der Schlosskirche, Denkmalschutz und Landeskirche

Angeregt wurde die Restaurierung bei Begehungen des Denkmalschutzes, der auch ein Drittel zur Finanzierung des etwa 27.000 Euro teuren Projektes beigetragen hat. Im Weiteren hat der Förderverein der Kirche und die Landeskirche die Arbeit finanziert. Und übrigens: Auch der Kanzelbehang wurde bei der Gelegenheit gleich mit restauriert.

Jetzt strahlt der Teppich wieder – allerdings noch immer in einer Kirche ohne Geläut. Denn das ist das nächste Großprojekt der Kirche, die Reparatur des Glockenturmes. Pastorin Sieg hofft darauf, dass zeitnah die Angebote der Firmen eingehen und der Kirchengemeinderat eventuell noch im Juni entscheiden kann, wem der Zuschlag gegeben wird. „Dann könnte vielleicht noch im Sommer die Arbeit beginnen“, so die leise Hoffnung der Pastorin in der derzeit eher leisen Schloßkirche.

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Die Textil-Restauratorinnen Ada Hinkel und Wiebke Haase (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Restaurierung des Antependiums für die Schloßkirche Ahrensburg. Die Textil-Restauratorinnen Ada Hinkel und Wiebke Haase (von links).
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