Das stille Örtchen und die „Nette Toilette“: Vier Gastronomen wären dabei

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Ahrensburg (ve). Ahrensburg hat ein Problem mit seinen Toiletten. Also jetzt rein wirtschaftlich gesehen. Abhilfe sollte die „Nette Toilette“ schaffen, doch sie scheint das Problem nur mittelfristig lösen zu können.

Die öffentliche Toilette vor dem Rathaus Ahrensburg. Foto:Silke Mascher/ahrensburg24.de

Die öffentliche Toilette vor dem Rathaus Ahrensburg.
Foto:Silke Mascher/ahrensburg24.de

Alles begann mit der Errichtung einer vollautomatischen Toilettenanlage direkt vor dem Rathaus. Das ist zwar eine moderne Anlage, aber sie wird kaum genutzt – 14.118 Nutzer seit 2005. Deswegen zahlt die Stadt Ahrensburg für den Unterhalt der Toilette einiges drauf.

Toilette vor dem Rathaus: Wartungsvertrag noch bis Ende 2017

Im vergangenen Jahr war in den Gremien darüber nachgedacht worden, den Vertrag mit der Wartungsfirma zu kündigen und die Anlage stillzulegen. Das allerdings hatte zwei Nachteile: Kosten entstünden trotzdem für den Abbau und ein stilles Örtchen in der Innenstadt würde fehlen, neue Investitionen wären erforderlich. Daher einigten sich die Politiker darauf, den Vertrag zumindest für 2017 noch weiter laufen zu lassen. 60.000 Euro kostete die Wartung bisher jährlich, aufgrund der Debatte, die Anlage zu schließen, senkte die Wartungsfirma die Kosten für 2017 auf 30.000 Euro.

Und der Ausschuss regte an, eine Abhilfe zu schaffen: die „Nette Toilette„. Dahinter verbirgt sich eine bundesweite Aktion von Städten, Gastronomen dabei zu unterstützen, den Gang zur Toilette auch Nicht-Kunden kostenfrei anzubieten. Betreut wird die Aktion „Nette Toilette“ von der Werbeagentur Studioo GmbH aus Aalen.

Die „Nette Toilette“ als nette Alternative

Bei der „Netten Toilette“ werde der Gastronomie Flyer und Aufkleber mit dem Logo der Aktion zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig kann die Stadt eine Lizenz für eine App erwerben, auf der die Nutzer den Standort und die Öffnungszeiten der netten Toiletten abfragen können. Passanten mit einem dringenden Bedürfnis können dann anhand zum Beispiel des Aufklebers im Fenster einer Gaststätte erkennen, dass sie kostenfrei deren sanitären Anlagen besuchen dürfen.

Die Lizenz für die App „Nette Toilette“ kostet 1.500 Euro, die Gastronomen mit einer „netten Toilette“ würden von der Stadt mit monatlich 30 bis 50 Euro unterstützt.

Die nette Toilette: Scheinbar nur wenig Interesse bei den Gastronomen

Und in Ahrensburg? Da hat der Umweltausschuss die Verwaltung beauftragt, zu eruieren, ob die Ahrensburger Gastronomen mitmachen würden und sich somit die Investitionen überhaupt lohnen würden. 40 Anfragen stellte die Verwaltung, acht Antworten kamen zurück – vier davon waren eine Absage. Manche Gastronomen betonten allerdings, dass Zugang zu ihren Toiletten bestünde und sie keinen Wert auf das spezielle Logo legen würden.

Vier „nette Toiletten“ würden also in der Stadt eingerichtet werden können. Keine davon allerdings liegt im direkten Inentstadtbereich, sie wären in der Stormarnstraße, Am Alten Markt und in der Hamburger Straße. Die Gastronomen in der Großen Straße gingen nicht auf den Vorschlag ein.

Der Umweltausschuss hält trotzdem tendenziell das Angebot einer „netten Toilette“ für sinnvoll. Mehrere Mitglieder des Ausschusses äußerten die Hoffnung, dass sich mittelfristig weitere Gastronomen an der Aktion beteiligen werden. Die Stadtverwaltung wurde gebeten, weiter den Kontakt zu den Gastronomen zu halten – wenn auch mit möglichst wenig Zeitaufwand.

Kurz überlegt wurde, ob der Umweltausschuss sich bei seiner Sitzung am Mittwoch, 12. Juli 2017, die WC-Anlagen vor dem Rathaus und am Zentralen Omnibus Bahnhof anschauen sollte. Die Erkenntnisse sollten bei der Entscheidung helfen, in welcher Form eine öffentliche Toilettenanlage in Ahrensburg angeboten werden könnte, sollte die Anlage vor dem Rathaus abgebaut werden. Mit Verlaub gesagt: Eine Sight-Seeing-Tour von Klo zu Klo – ahrensburg24.de erspart sich hierzu einmal den Kommentar ;-).

Die öffentliche Toilette vor dem Rathaus Ahrensburg - und ihre eigentliche Funktion. Foto/Montage:Silke Mascher/ahrensburg24.de

Die öffentliche Toilette vor dem Rathaus Ahrensburg – und ihre eigentliche Funktion.
Foto/Montage:Silke Mascher/ahrensburg24.de

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1 Kommentar

  1. Sabine Heinrich on

    Ich kann die Ahrensburger Gastronomen verstehen. Zu groß ist die Gefahr, dass in Nöten geratene Leute „vergessen“, wie man Toiletten zu benutzen und zu hinterlassen hat. Das tun manchmal in erschreckendem Maße auch die zahlenden Gäste in Restaurants. Unappetitliche Details möchte ich hier nicht nennen.
    Noch nie und nirgendwo habe ich erlebt, dass mir der Zugang zur Toilette verwehrt wurde. Allerdings habe ich immer höflichund freundlich gefragt und angeboten, für die Benutzung zu zahlen – dieses Angebot wurde weder in einfachen Gaststätten, noch in „besseren“ Lokalitäten angenommen.
    Natürlich kostet es zunächst einmal große Überwindung, aus der Not heraus in ein gut besetztes Restaurant zu marschieren, um nach dem WC zu fragen – aber die Hilfsbereitschaft der Inhaber und Angestellten macht diesen „Angang“ von Mal zu Mal leichter.

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