Stellmoorer Tunneltal: Mehr Informationen, mehr Tourismus oder mehr Naturschutz?

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Ahrensburg (ve). Der Kreistag hatte die Idee, das Stellmoorer Tunneltal und seine archäologische Bedeutung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das allerdings geht nicht ohne den Eigner – die Stadt Ahrensburg. Und die ist da – so scheint’s – geteilter Meinung.

Ursprünglich hatte die Kreistagsabgeordnete Sigried Kuhlwein (SPD) die Idee, mit einem Wanderweg, einem Museum oder Infotafeln vor Ort der Öffentlichkeit die Informationen zu der Fundstelle zahlreicher kulturhistorischer Gegenstände im Tunneltal zugänglich zu machen, siehe den Bericht auf ahrensburg24.de: „Archäologie im Tunneltal: Wie wäre es mit einem Museum für die Fundstücke? fragt die SPD„.

Diese Idee wurde inzwischen verworfen, denn es handelt sich um ein Naturschutzgebiet der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FHH-Schutzgebiet), in das nicht eingegriffen werden darf. Heute wird darüber nachgedacht, anhand von QR-Codes Wanderern und Passanten Informationen über die historische Bedeutung der Landschaft digital zur Verfügung zu stellen. Dabei soll im Naturschutzgebiet selber keine bauliche Veränderung erfolgen.

QR-Codes zum Stellmoorer Tunneltal: Ohne Eingriff in die Natur

Auch das soll allerdings nicht ohne die Ahrensburger gehen, der Kreis hatte nun die Gremien um Zustimmung gebeten. Der Bildungsausschuss hatte sich zwar einstimmig aber unter Einschränkungen für eine Beteiligung ausgesprochen. So sollten an der Konzeptionierung und Planung einer solchen Maßnahme Mitglieder der Verwaltung und Mitglieder der Ahrensburger Politik beteiligt werden. Ein Eingriff in die Natur sollte ausgeschlossen werden und der Schutz des Gebietes weiterhin gewährleistet sein. Im Bildungsausschuss haben sich alle Fraktionen dafür ausgesprochen, unter diesen Bedinungen den Prozess zu begleiten und – wenn es für formale Prozesse erforderlich sei – die Stadt Ahrensburg auch als Projektträger einzusetzen.

Umweltausschuss: SPD und CDU befürchten Überlastung durch zu viel Tourismus

Der Umweltausschuss nun sieht das ganz anders. SPD und CDU sprachen sich kategorisch gegen das Projekt aus, sie unterstützen in keiner Weise das Projekt. Beide Fraktionen störten sich inbesondere an der Formulierung, dass das Stellmoorer Tunneltal „touristisch weiter entwickelt werden“ soll. „Ich habe lange in Lüneburg gelebt“, schilderte Marleen Möller (SPD) ihr Unbehagen, „und als Lüneburg „touristisch weiterentwickelt“ worden ist, strömen die Massen in die Stadt. Das sollte am Tunneltal nicht passieren.“

Ähnlich sieht es die CDU, Detlef Levenhagen, Heino Wriggers und Toufic Schilling äußerten ihren Unmut über eine Planung, die ein solches Naturschutzgebiet ihrer Ansicht nach gefährde – übrigens nicht ohne sich über die Zustimmung der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen zu wundern. „Wir sollten alles dafür tun, damit es in den Naturschutzgebiet ruhig bleibt“, so die Position der CDU.

Dafür: Bündnis 90/Die Grünen, WAB, KiJuB, Naturschutz

Nicht nur die Grünen, die WAB sowie der Kinder- und Jugendschutzbeirat allerdings befürworteten das Projekt, sondern auch der Naturschützer Rolf de Vries, der Kreis- und Stadtgremien zu Umweltfragen berät. De Vries betonte auf der Sitzung des Umweltausschusses die Sinnhaftigkeit des Projektes, da es durch weitreichende Informationen die Bedeutung des Tunneltales bekannter machen könne. Die Befürworter des Projektes sehen die Chance, dass dadurch auch die Wertschätzung für die archäologische Fundstätte in der Öffentlichkeit wachse.

Im Ausschuss klang das wörtlich etwas anders, sagen wir es mal so: Die Befürworter sehen in ihrem Kopfkino Besucher mit neuer Achtsamkeit und anteilsvoller Vorsicht durch wertvolles Gebiet wandern. Dagegen strömen im Kopfkino der Gegner Busse mit Horden von anreisenden Besuchern nach Ahrensburg, die ohne Hemmung nach Fundstücken graben. In mehr oder weniger deutlichen Worten wurde das auf der Sitzung genauso geschildert. Kleine Notiz über die Stimmungslage am Rande: Auf die Frage von Christian Schmidt, Bündnis 90/Die Grünen, warum die CDU es im Bildungsausschuss denn anders sehe, antwortete Toufic Schilling: „Wir haben in der CDU alle eigene Meinungen, das ist in unserer Partei halt so.“

Alle Meinungen dazu können schließlich noch auf der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ausgetauscht werden, denn die hat das letzte Wort zu diesem Sachverhalt. Das Thema steht auf der Sitzung am Montag, 26. Juni 2017, auf der Tagesordnung.

Themenbild Rathaus Ahrensburg. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Themenbild Rathaus Ahrensburg.
Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

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2 Kommentare

  1. Guten Morgen,
    Wie der Zufall so spielt, waren meine Frau und ich gestern Nachmittag bei einer Führung ab Hagener Allee- Brauner Hirsch in das Naturschutzgebiet Höltigbaum dabei. Organisiert war das Ganze von der Waldläufer Akademie. Die Leitung hatten Frau Furken, eine Naturkundlerin, und Herrn de Graaf, ein junger Archäologe. Angekündigt war die Führung in verschiedenen Tageszeitungen. Dabei waren mehrere Eltern, Großeltern? mit ihren Kindern (!) und sechs Thüringer Waldziegen, einer Haustierrasse, die vom Aussterben bedroht ist.
    Wir wollten drei Stunden unterwegs sein. Es wurden dann 4 Stunden, weil wir derartig viel Spaß mit den Erklärungen der Natur und der Historie des Höltigbaum, aber auch mit dem Ausprobieren der vom Archäologen nachgebauten Steinzeit-Jagdwaffen hatten. Auch ich – als mehrfacher Großvater – kam durch die Unterhaltung mit den Kindern und deren Eltern über die Eiszeit, die Steinzeit und die Rentierjägern zu ganz neuen Erkenntnissen.
    Es wird immer wieder angedacht, einen kleinen Schauraum über die Eiszeit, das Tunneltal und die Steinzeit einzurichten. Dieser müsste dann aber auch für Besucher geöffnet werden. Dazu braucht es dann Personal. Das kann aber aus Kostengründen nur gelingen, wenn man dieses mit Ehrenamtlern organisiert, wie übrigens auch in allen kleinen Dorfmuseen. Siehe Hoisdorf, inzwischen ein Museum von landesweiter Bedeutung!
    Ehrenamtler muss man werben. Das erreicht man aber nicht mit der Einstellung “ Wir wollen hier möglichst keine Fremden haben, die unser Tunneltal bestaunen, das immerhin den Rang eines Weltkulturerbes haben könnte“.
    Ich appelliere in diesem Sinne an unsere Stadtverordneten auf der Stadtverordnetenversammlung am 26.6. dem Pkt. 13 zuzustimmen.
    Herzliche Grüße
    Jürgen Plage

  2. Touristische Erschließung des Tunneltals.
    Das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal ist ein eng umgrenztes FFH Gebiet natura 2000 von 339 ha Größe. Es wird gequert vom Ahrensfelder Weg, der Hagener Allee, dem Moorwanderweg und Brauner Hirsch. Die Moorwanderbrücke soll erneuert werden. Dafür gibt es Zuschüsse unter der Bedingung, dass die Brücke barrierefrei ist und dem Tourismus zur Verfügung steht. Die Deutsche Bahn möchte am Braunen Hirsch mit zwei Erdwällen bis an die Gleise und einer kurzen Brücke über die zukünftige S4 und Transeuropastrecke das Tunneltal aus Kostengründen endgültig zerschneiden.

    Seit 2014 führt das Peter Rantzau Haus unter meiner Leitung 4 Mal im Jahr Stadtspaziergänge am Rande des Tunneltals entlang. Dabei wird nicht ein Fuß in das Tunneltal gesetzt.

    Die nächste Führung findet am Samstag, den 12. August, um 15 Uhr ab U-Bahnhof Ost statt und kostet pro Person 2 €. Ich bin auch bereit, Extratouren für Gruppen ab 5 Personen nach Verabredung durchzuführen. Es besteht also die Möglichkeit, zu erfahren um was es geht.
    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Plage

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