Depressionen soll kein Tabuthema sein: Ein Stiftung will helfen

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Stormarn (ve/pm). Wer Depressionen hat, wird oft doppelt geprüft – nicht nur durch die Krankheit, sondern auch dadurch, wie die Gesellschaft mit der Krankheit umgeht. Zwei Podiumsdiskussionen wollen Aufklärungsarbeit leisten.

Bürger-Stiftung Stormarn: Ernst-Jürgen Gehrke, Vorsitzender des Stiftungsvorstand, Ursula Pepper, Stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates, und Ralph Klingel-Domdey, Stiftungsvorstand (von links). Foto:Bürger-Stiftung Stormarn

Bürger-Stiftung Stormarn: Ernst-Jürgen Gehrke, Vorsitzender des Stiftungsvorstand, Ursula Pepper, Stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates, und
Ralph Klingel-Domdey, Stiftungsvorstand (von links).
Foto:Bürger-Stiftung Stormarn

„Reiß‘ Dich mal zusammen!“ – Angehörige oder auch Betroffene selber nehmen die Krankheit häufig nicht als solche wahr, sondern als eine Art Schwäche. Die Krankheit wird tabuisiert. Doch sie ist sehr verbreitet, „vier Millionen Menschen sind jedes Jahr in Deutschland von dieser Krankheit betroffen“, erzählt Ursula Pepper.

Eheleute-Schmöger-Stiftung finanziert langfristige Aufklärungsarbeit

Die frühere Ahrensburger Bürgermeisterin engagiert sich bei der Bürger-Stiftung Stormarn und dort insbesondere für die Eheleute-Schmöger-Stiftung. Diese Stiftung ermöglicht es, nachhaltig und langfristig Aufklärungsarbeit und Förderarbeit im Kampf gegen die Krankheit zu finanzieren. Jetzt soll es zum Beispiel in Stormarn zwei Podiumsdiskussionen über die Krankheit geben.

Podiumsdiskussion „Depression – eine unterschätzte Krankheit“

Eingeladen wird zu der Diskussionen „Depression – eine unterschätzte Krankheit“ in Ahrensburg und in Reinbek. Die Veranstaltung in Ahrensburg ist am Dienstag, 27. Juni 2017 um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Marstall, Lübecker Straße Ahrensburg mit Bettina Rohwer, Psychotherapeutin und Oberärztin im Heinrich- Sengelmann-Krankenhaus, Bargfeld-Stegen, Dr. Angelika Nierobisch, Dipl. Psychologin und Vizepräsidentin der Psychotherapeutenkammer Kiel, und Dr. Bettina Lüders, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und niedergelassene Ärztin in Ahrensburg. Es moderiert Ursula Pepper. Die zweite Veranstaltung ist am Mittwoch, 5. Juli 2017, um 19.30 Uhr im Schloss Reinbek, Schloßstraße 5.

Ursula Pepper hat sich für die Betreuung der Stiftung intensiv mit der Krankheit befasst: „Sie ist heimtückisch und wird oft unterschätzt. Dann erhöht sich die Gefahr, dass eine betroffene Person Selbstmord begeht.“ Das Schwierige bei der Depression sei die Abgrenzung zwischen einer „depressiven Phase“ und einer tatsächlichen Depression. Denn letzteres ist eine Krankheit, die behandelt werden muss. Doch als Krankheit eben wollen viele Betroffene und Angehörige sie nicht sehen.

Ursula Pepper: „Erkrankte brauchen gedulige Hilfe, Verständnis und Liebe“

Die Gesellschaft müsse daher aufgeklärt werden, die Krankheit Depression enttabuisiert. Pepper: „Für depressiv Erkrankte und deren Angehörige steht die Welt zeitweise Kopf. Es braucht unendlich viel Geduld, Verständnis und Liebe, um diese Situationen gemeinsam zu überstehen. Wenn wir mit unserer Stiftung dabei für Erleichterung und Hilfe sorgen können, wäre ich sehr glücklich. Und je mehr Menschen uns dabei unterstützen, desto besser.“

Ralpf Klingel-Domdey, Vorstandsmitglied der Bürger-Stiftung Stormarn, ergänzt: „Wie wichtig es ist, über die Ursachen der Krankheit und über Hilfsangebote aufzuklären, zeigen die jüngsten Erhebungen der DAK. Um sage und schreibe 28 Prozent stieg demnach die Zahl der Diagnosen im Kreis gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Jeder fünfte Fehltag wird mittlerweile durch Depressionen verursacht.“

Ehepaar Schmöger: Ihre Stiftung will ein Zeichen setzen im Kampf gegen die Krankheit

Die Mittel dazu kommen von einer Stiftung von Edith und Olaf Schmöger. Auch Edith Schmöger aus Norderstedt durchlitt die Qualen dieser Krankheit. Nach ihrem Tod entschied sich ihr Ehemann Olaf, der auf die Arbeit der Bürger-Stiftung Stormarn aufmerksam geworden war, seiner verstorbenen Frau mit einer Stiftung zu gedenken. Olaf Schmöger ist inzwischen ebenfalls verstorben. Doch die Stiftung wird die Erinnerung an ihn mit der Zielsetzung wachhalten, in seinem Sinne Mittel zu beschaffen und weiterzuleiten , „um die Arbeit mit und für Menschen mit Depressionen sowie die Unterstützung im Umgang mit Betroffenen und bei der Bewältigung dieser Krankheit gerade auch für die Angehörigen zu verbessern.“ So ist es im Stiftungs-Statut festgeschrieben.

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