Quartierszentrum Kirche Hoisbüttel: 1.013 Unterschriften dagegen – und so manche Stimme dafür

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Ammersbek (ve). Bauprojekte in Lottbek in Ammersbek – die haben so ihre Tücken. Jetzt hat sich gegen das Quartierszentrum auf dem Gelände der Kirche Hoisbüttel eine Bürgerinitative gegründet.

Bauplanungen für das Gelände der Kirchengemeinde Hoisbüttel. Die Bürgerinitiative Igel übergab vor der Sitzung des Bauausschusses eine Unterschriftensammlung an Bürgermeister Horst Ansén. Foto:ahrensburg24.de

Bauplanungen für das Gelände der Kirchengemeinde Hoisbüttel. Die Bürgerinitiative Igel übergab vor der Sitzung des Bauausschusses eine Unterschriftensammlung an Bürgermeister Horst Ansén.
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Auf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses haben die Mitglieder der Bürgerinitiative Igel eine Unterschriftensammlung der Anwohner überreicht, die sich gegen die Planungen für das Quartierszentrum auf dem Kirchengelände aussprechen. 1.013 Ammersbeker haben unterzeichnet und hoffen, dass dieses Projekt so nicht gebaut wird.

Worum geht es? Seit zwei Jahren steht für die Nordkirche fest, dass in das Kirchengebäude der Kirchengemeinde Hoisbüttel nicht mehr investiert wird. Die Gemeinde Ammersbek hoffte, gemeinsam mit der Kirche den Ort zumindest als Quartierszentrum erhalten zu können und trat in gemeinsame Planungen ein. Politik, Verwaltung und Kirche haben nun das neue Projekt vor Augen, dass ein Quatierszentrum mit Mehrfamilienhäusern und insgesamt 35 Wohnungen verbindet. Nur so sei es für einen Investor wirtschaftlich abbildbar, heißt es, neben der Wohnbebauung auch ein Gemeindezentrum zu finanzieren.

Planungen für das Gelände der Kirchengemeinde Hoisbüttel

Dieses wurde mehrfach in dem Ortsteil und mit allen Fraktionen durchgesprochen und auf einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorgestellt. Doch Ende Mai traten 48 Anwohner zu der Initiative Igel zusammen, sie sehen in dem Projekt eine große Gefahr für ihr Stadtviertel. Ihr Protest mündete in die Unterschriftensammlung.

„Es geht nicht darum, dass wir keine Bebauung oder Wohnungen auf dem Gelände wollen“, erläutern Mitglieder der Initiative im Gespräch mit der Presse. „Uns geht es nur darum, dass dies mit Augenmaß geschieht. Derzeit sind direkt neben Einfamilienhäusern große Wohnblocks geplant und wir fürchten eine Sogwirkung, so dass mittelfristig auch auf anderen Grundstücken unseres Viertels Mehrfamilienhäuser entstehen. Das aber würde den Charme und den Charakter von Lottbek zerstören.“

Die Anwohner sehen mit der benachbarten Mehrfamilienhausbebauung Lottbek ausreichend verdichtet: „Entlang der Lottbek ist ein Grüngürtel – gerade auch durch die Bäume auf dem Kirchengrundstück. Und dieser Grüngürtel muss erhalten bleiben, er ist für alle Anwohner ein Stück Lebensqualität.“ Jenseits des Grüngürtels sollte daher nur noch Einfamilienhäuser oder Reihenhäuser entstehen dürfen – dafür hätten, so betonen die Mitglieder der Initiative, sich auch vielfach die Anwohner in den Mehrfamilienhäusern ausgesprochen.

Andrea Beeck beschreibt es so: „Die Leute, die hier An der Lottbek von der geplanten Bebauung erfahren haben, sind vielfach entrüstet und enttäuscht. Sie selbst haben massive Auflagen bei Renovierung oder Anbau erfüllen müssen, da nach den bestehenden Bauplänen und Vorgaben der Siedlungscharakter der Straße zu erhalten ist. Wintergärten durften nicht angebaut werden, weil die vorgegebenen Abstände zur Lottbek damit minimal unterschritten worden wäre, Carports durften nicht errichtet werden, weil sie nicht ins Straßenbild passen, Renovierungen der alten Siedlungshäuser sind mit massiv einschränken- den Vorgaben behaftet. Nun sollen all‘ diese Vorgaben für eine geplante Wohnbebauung auf einem einzelnen Grundstück nicht mehr gelten?“

Unterschriftensammlung: Bauausschuss vertagte den Beschluss

Ihre Gegenargumente und der Protest führte auf der Sitzung des Bauausschusses dazu, das eine Entscheidung über einen Aufstellungsbeschluss nun nicht erfolgte. Der sei, darauf wies Bürgermeister Horst Ansén hin, im Vorfeld eigentlich Konsens aller Fraktionen gewesen und würde es ermöglichen, gemeinsam Planungen zu beginnen.

Doch SPD und CDU sahen dies nun anders. Sie wollten den Anwohnern entgegen kommen und neue Gespräche suchen. Auch soll es Gespräche geben zwischen der Initiative und der Kirchegemeinde Hoisbüttel sowie der Nordkirche, die die Politik abwarten wolle.

Und so entstand ein kleines Kuriosum auf der Sitzung: Der Wunsch, so viel Bürgerbeteiligung wie möglich und damit ein Anliegen aller Fraktionen umzusetzen, entzweite den ursprünglichen Konsens. Denn FDP und Bündnis 90/Die Grünen befürworteten den Aufstellungsbeschluss, weil sie darin keine Gefährdung für die Bürgerbeteiligung sehen. Zudem habe es über viele Monate eine umfangreiche Beteiligung der Öffentlichkeit in Lottbek gegeben.

In Vorgesprächen war politischer Konsens signalisiert worden

Bürgermeister Ansén betonte, dass die Politik mit diesem Beschluss ihren bisherigen Konsens aufgibt. Und auf noch eines wies Bürgermeister Ansén hin: „Wenn der Aufstellungsbeschluss nicht erfolgt, pausiert das Verfahren.“ Damit könne der Gemeinde ein Stückweit Beteiligung verloren gehen, denn die Gespräche zwischen Nordkirche und Bürgerinitiative seien ohne Beteiligung der Gemeinde und Politik geplant.

Die Argumente der Politik

Das aber ließ Jürgen Kestien (SPD) – der dass Projekt grundsätzlich „außerordentlich begrüßt – nicht gelten: „Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen bei solchen Entscheidungen. Und das geht auch im Vorfeld des Planungsverfahrens – gerade im Vorfeld, weil dann der Streit im laufenden Verfahren ausbleibt und es dann vielleicht sogar schneller geht.“ Auch die SPD sehe, dass die Planungen für das Grundstück in dieser Form nicht in die Bebauungssituation passe und zudem andere Bauanfragen – etwa in der Kolbergstraße – vor dem Hintergrund einer zu dichten Bebauung abgelehnt worden seien.

Heiko Steenhagen (CDU) sieht außerdem die Chance für „konstruktive Gespräche, die wir gerne abwarten wollen“. Die Aufschiebung des Aufstellungsbeschlusses sei damit auch als ein Signal an die Anwohner zu verstehen.

„Wir haben eine Tonne voller Ideen“, so Jan Beeck, einer der Sprecher der Initiative. „Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit einer Stiftung oder von Zuschüssen, so dass das Projekt auch auf anderen Wegen finanziert werden kann und damit nicht so viele Wohnungen entstehen müssen.

Eines zeigt dieses Beispiel eindringlich: Bürgerbeteiligung ist eine schwierige Sache. Selbst wenn die Akteure über Jahre versuchen, möglichst viele Anwohner mitzunehmen, stellen sie am Ende fest, einen Großteil nicht erreicht zu haben.

Bauplanungen für das Gelände der Kirchengemeinde Hoisbüttel. Die Bürgerinitiative Igel übergab vor der Sitzung des Bauausschusses eine Unterschriftensammlung an Bürgermeister Horst Ansén. Foto:ahrensburg24.de

Bauplanungen für das Gelände der Kirchengemeinde Hoisbüttel. Die Bürgerinitiative Igel übergab vor der Sitzung des Bauausschusses eine Unterschriftensammlung an Bürgermeister Horst Ansén.
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